Bayern 2 - Notizbuch


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Erben im Patchwork Erbengemeinschaft mit Zündstoff

Als das Erbrecht geschrieben wurde, gab es Patchwork-Familien im heutigen Sinn noch gar nicht. Heute bilden oft eheliche und nicht-eheliche Kinder eine Erbengemeinschaft. Was das bedeutet, erklärt Rechtsanwalt Dr. Anton Steiner im Gespräch mit Oliver Buschek.

Von: Oliver Buschek

Stand: 04.11.2016

Patchwork-Erben: Ein Füller liegt auf einem Blatt Papier mit Siegel, auf dem Hände, die eine Scherenschnitt-Familie halten, gezeichnet ist | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Oliver Buschek: Wenn man jahrzehntelang mit einem Partner zusammenlebt. Einer stirbt, ohne ein Testament zu hinterlassen. Was erbt der andere?

Dr. Anton Steiner: Gar nichts. Nicht einmal ein Erinnerungsstück. Ein Testament, mit dem ich den Partner absichere, ist also unerlässlich.

Erben unterm Regenbogen

Buschek: Wie ist das mit Schwulen und Lesben, die eine eingetragene Partnerschaft vor dem Notar geschlossen haben?

Steiner: Wenn sie sich haben eintragen lassen, stehen sie beim Erben den Ehepaaren gleich, brauchen also nicht unbedingt ein Testament.

Buschek: Wie sieht es bei nichtehelichen Kindern aus. Haben die zwischenzeitlich dieselben Ansprüche wie die ehelichen?

Steiner: Die haben dieselben Ansprüche wie eheliche. Was oft ein Streitquell ist: Weil eine Erbengemeinschaft zwischen ehelichen und nicht-ehelichen meistens nicht funktioniert. Auch da muss man durch ein Testament eingreifen.

Eine Erbengemeinschaft, die selten funktioniert

Buschek: Beispiel: Ein Mann ist geschieden, hat mit seiner ersten Frau zwei Kinder. Dann heiratet er noch einmal. Seine zweite Frau bringt ein Kind mit in die Ehe. Zusammen haben sie dann ein weiteres. Wenn der Mann stirbt, wer erbt dann wie viel?

Steiner: Wenn der Mann stirbt, erbt seine neue Frau zur Hälfte und die anderen Kinder des Mannes teilen sich die restliche Hälfte zu gleichen Teilen. Eine Erbengemeinschaft zwischen diesen Personen wird in der Regel aber nicht funktionieren. Zum Beispiel hinterlässt der Mann das Haus, in dem seine neue Frau lebt. Ein Kind aus erster Ehe sagt: Ich will, dass das Haus verkauft wird. Ich will meinen Anteil haben. Die Frau ist nicht abgesichert, sie kann nicht verhindern, dass das Kind die Teilungsversteigerung beantragt und ihr das Haus buchstäblich unter den Füßen weggezogen wird.

Buschek: Und das Kind der zweiten Frau, das kein leibliches ist?

Steiner: Er muss das Kind im Testament bedenken, sonst bekommt es nichts, auch wenn es ihm sehr ans Herze gewachsen sein mag. Wenn es übrigens was bekommt, ist es steuerlich einem leiblichen Kind gleichgestellt. Es hat also einen hohen Freibetrag und die günstigste Steuerklasse. Aber damit es etwas bekommt, bedarf es eines Testaments.


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