Bayern 2 - Notizbuch


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Partnerstädte Wie Städte Beziehungen führen

Städtepartnerschaften sind wie Beziehungen zwischen Menschen – Städte können Singles sein, glücklich liiert oder geschieden. Wir nehmen drei bayerische Städte und ihren Beziehungsstatus unter die Lupe.

Von: Larissa Kalleitner

Stand: 08.08.2019

Stadtportät Coburg | Bild: BR

Wofür gibt es Städtepartnerschaften?

Bei einer Städtepartnerschaft geht es um Austausch und Unterstützung, vor allem in den Bereichen Kultur und Wirtschaft, meistens zwischen Städten verschiedener Länder. Sei es um die Demokratie zu fördern oder schwere (politische) Phasen zu überwinden.

Seit wann gibt es Städtepartnerschaften?

Das Konzept der Partnerstädte gibt es schon sehr lange. Die älteste ist wohl die zwischen Paderborn und dem französischen Le Mans. Im Jahr 836 wurde sie das erste Mal urkundlich erwähnt und gilt als "ewige Liebesbruderschaft".

Wie funktionieren Städtepartnerschaften?

Manchmal kennt man sich schon gut, es gibt private Kontakte zwischen Bürgern, Politikern oder Schulen der Gemeinden und die Partnerschaft ergibt sich quasi von selbst – oder man sucht per Singlebörse das passende "Match". Ja, Partnerbörsen gibt es auch für Städte.

Welche Varianten gibt es?

Neben der klassischen Städtepartnerschaft gibt es verschiedene andere Varianten einer Städtebeziehung:

Städtefreundschaft:
- meist zeitlich begrenzt, gilt nur für ein bestimmtes Projekt.

Städtekontakt:
- eine lose, ganz unverbindliche Beziehung (eher was für Gemeinden mit Beziehungsängsten)

Mehrere Partner:
- Exklusiv muss eine Städtepartnerschaft nicht sein. Viele Städte haben gleich mehrere Partner. Nürnberg hat zum Beispiel 14 von San Carlos, Nicaragua bis Shenzhen, China.

Single:
- Es gibt aber auch Single-Städte, die ganz ohne Partner glücklich sind, z. B. Ulm.

Der Rat der Gemeinden und Regionen Europas sammelt Gesuche ausländischer Kommunen, die von einer deutschen Partnerstadt träumen. Sie müssen nur ihrer Wunschkriterien angeben und hoffen, dass der oder die Richtige sich meldet. Und wenn es tatsächlich funkt zwischen zwei Städten? Dann besuchen sich die Bürgermeister gegenseitig und versuchen herauszufinden, ob es funktionieren könnte. Ist man sich einig, kommt es zur "Hochzeit".

Bei der Städteverpartnerung gibt es zwar keinen Ringtausch, aber Unterschriften. Wenn alles besiegelt ist, folgt das gemütliche Leben in der Partnerschaft: Ein paar Mal im Jahr besucht man sich, veranstaltet Partnerfeste oder Sport- und Musikwettbewerbe.

Hier stellen wir drei bayerische Beispiele vor:

Miesbach liebäugelt mit Marseillan

Vor ein paar Monaten bekommt die ewige Single-Stadt Miesbach eine Kontaktanfrage: Interesse an einer Freundschaft, an einer Städtepartnerschaft mit Marseillan? Die Bürgermeisterin recherchiert und ist angetan von der Idee.

"Eine Städtepartnerschaft ist was für Europa, ist was für unsere Jugend."

Ingrid Pongratz, Bürgermeisterin Miesbach

Aber im Stadtrat gibt es Beziehungsängste. Das Hauptproblem: die Entfernung von mehr als 1000 km. Jede Partnerschaft muss gepflegt werden und das bedeutet Besuche und Gegenbesuche. Aber was sagen die Bürger in Zeiten der Fridays for Future zu solchen langen Reisen und regen Flugverkehr?

Die Miesbacher sind skeptisch, andererseits klingt der Süden Frankreichs schon verlockend für die meisten.

"Ja, ich tät das schon machen, ein bisschen in der Welt rumkommen. Also Süden Frankreichs hört sich nicht schlecht an, tät ganz gut zu Miesbach passen."

Bürger aus Miesbach

Letzte Woche dann die Abstimmung im Stadtrat: Trotz der Bedenken entscheidet sich der Stadtrat, den "Antrag" der französischen Stadt ernst zu nehmen. Im Herbst wird eine Delegation aus Miesbach nach Marseillan fahren, um den potenziellen Partner zu beschnuppern. Erst nach dieser Reise wird entschieden, ob sich die beiden Städte endgültig "verloben".

Zwischen Coburg und Garden City ist Schluss

Es fing so schön an und dann war plötzlich alles vorbei. Coburg und Garden City lernten sich über persönliche Beziehungen der Bürger kennen und waren eine der ersten deutsch-amerikanischen Partnerschaften. Doch es kriselte von Anfang an. Ein Grund war zum einen der große Unterschied der Bürger.

"Wenn man mal in Coburg gewesen ist, dann braucht man nicht mehr zu kommen. Dann fahren wir das nächste Mal lieber wieder nach Hawaii."

Garden City Bürger, Anfang der 90er

Und zum anderen natürlich die große Distanz. Der Weg ist weit, Langstreckenflüge sind teuer und so wurde der Kontakt immer weniger, bis sich die Beziehung schließlich im Sande verlief.

"Wir haben mehrmals geschrieben, es kam keine Antwort mehr und dann haben wir das schweren Herzens aufgegeben."

Norbert Tessmer, Oberbürgermeister Coburg

Doch in jeder guten Liebesgeschichte gibt es ein Happy End – auch für Coburg. Seit zwei Jahren hat Coburg eine neue Flamme: Toledo in Ohio. Diese Beziehung gehen die Coburger langsam an und führen erstmal eine Freundschaft. Diese Woche wird dann die Partnerschaft unterschrieben. Vielleicht ist es diesmal die wahre Liebe.

Midoun und Fürth: In guten wie in schlechten Zeiten

Wenn es mal nicht so gut läuft, ist der Partner für einen da. So ist es auch im Falle von Fürth und der tunesischen Stadt Midoun. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat den sogenannten Wissenstransfer Maghreb-Deutschland ins Leben gerufen. So sollen Maghreb-Staaten wie Tunesien durch eine zeitlich begrenzte Partnerschaft stabilisiert werden.

"Zwischen Midoun und Fürth ist quasi der Funke sofort übergesprungen"

Philipp Abel, Bürgermeister- und Presseamt Fürth

Im Unterschied zu einer "herkömmlichen" Städtepartnerschaft arbeiten Fürth und Midoun an konkreten Projekten. Ein Thema dabei sind beispielsweise Frauenrechte. Aktuell gibt es dazu im Fürther Museum für Frauenkultur eine Ausstellung, die die Stellung der Frau in Fürth und in all ihren Partnerstädten untersucht.

Was also eigentlich als Entwicklungshilfeprojekt gedacht war, entpuppt sich als eine fruchtbare Beziehung auf Augenhöhe. Die Beziehung der beiden Städte ist bereichernd für alle – das findet auch die Politik, und verlängert die Partnerschaft um weitere zwei Jahre.


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