Bayern 2 - Notizbuch


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Wir machen unseren eigenen Gin Auf der Suche nach dem Gin des Lebens

In vier Wochen zum eigenen Gin - das haben wir vom Bayern 2-Sommernotizbuch uns zum Ziel gesetzt. Auf dem Weg zum fertigen "Gin SoNo" haben wir Einiges erlebt und gelernt. Am Ende steht aber natürlich die Frage: Schmeckt er auch?

Von: Manuel Mehlhorn

Stand: 22.08.2019

Vor vier Wochen in der Münchner Bar Gin City: Wir lassen uns von Betriebsleiter Ralf Saponara-Teotonico beraten, worauf es bei einem richtig guten selbstgebrannten Gin ankommt. Er verspricht uns: "Wenn ihr sehr guten Alkohol und hochwertige Botanicals nehmt, dann könntet ihr es auch zu seinem sehr guten Gin schaffen."

Eine siebenteilige Hörfunk-Serie über den Weg zu unserem eigenen Gin

Unsere Antwort: "Challenge accepted!" Wir machen uns in einer siebenteiligen Hörfunk-Serie auf die Suche nach dem Gin des Lebens und versprechen Barbesitzer Ralf, ihm vier Wochen später unseren eigenen Gin zu präsentieren. Ob der es mit den anderen 300 Gin-Sorten in seiner Bar aufnehmen kann? Mal schauen ...

Die Beiträge, die auf der Suche nach unserem Gin entstanden sind, gibt es hier links in der Box.

Um 1733 in England: Mehr als ein Liter Gin in der Woche – pro Person

Am Anfang unserer Reise steht die Geschichte des Gins. Die geht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Englische Soldaten erfahren im Krieg gegen die Niederlande vom Wacholderschnaps Geneva. Den nehmen sie mit nach England und nennen ihn "Gin", der sich über Adels- und Militärkreise bald in der ganzen Bevölkerung verbreitet.

Um 1733 wird in England mehr Gin als Bier getrunken. Pro Woche nimmt jeder Engländer mehr als einen Liter Gin zu sich, der oft mit giftigem Terpentin gestreckt wird. Die Gin-Epidemie ist da! Erst eine Gin-Steuer kann dafür sorgen, dass die Engländer wieder weniger davon trinken.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wird Gin zum festen Bestandteil der Pop-Kultur. Und auch James Bond trinkt seinen Martini mit etwas Wodka, etwas Lillet und einem großen Schluck Gin.

Ohne Wacholder kein Gin

Damit unser Gin auch nur ansatzweise den Ansprüchen von James Bond genügt, brauchen wir erstklassige Zutaten, sogenannte Botanicals. Unser Plan: Wir wollen nur bayerische Botanicals verwenden.

Im unterfränkischen Alzenau lassen wir uns von Brennerei-Besitzer Severin Simon beraten. Er erklärt uns, dass eine Zutat immer dabei sein muss, damit von Gin die Rede sein darf: "Das ist Wacholder. Aber nicht nur Wacholder, sondern Wacholder und ... Und dieses 'Und' kann so ziemlich alles sein, was man sich vorstellen kann."

Für unseren Gin gibt er uns grüne Walnüsse, saure Blutbirnen und eine bunte Gewürzmischung mit – darunter auch Koriander aus dem Spessart.

Fichtennadelnzupfen ist echte Handarbeit

Um den Gin weiter zu veredeln, besuchen wir die Macher des Sleepy4Gins. Im kleinen Dorf Höhenrain bei Bad Aibling brennen sie ihren eigenen Gin mit einer ganz besonderen Zutat: der Fichtennadel. Warum gerade die Fichte?

"Wir wollten einen richtig klassischen London Dry und einen, der nach Heimat schmeckt. Also sind wir auf die Fichte gekommen, weil die bei uns wächst und haben die Fichte eingearbeitet."

Michael Müller, Sleepy4Gin-Crew

Die Fichtennadeln verleihen dem Gin einen waldigen, intensiven Geschmack. Auf 50 Liter des Gins kommen 800 Gramm Fichtennadeln. Und die werden einzeln von den Ästen abgezupft, wie unser Reporter leidvoll erfahren musste – echte Handarbeit.

Ohne Chinarinde geht es nicht

Trotz aller Mühen steht für uns fest: Der beste Gin ist nichts wert ohne astreines Tonic Water! Einfach im Supermarkt kaufen? Das kommt für unser Do-it-yourself-Projekt nicht infrage.
Also auf ins mittelfränkische Feuchtwangen! Dort stellen wir gemeinsam mit Cocktail-Blogger Ardi Stiemer eigenes Tonic Water her. Bei ihm lernen wir: Nur die Chinarinde verleiht dem Tonic Water seinen bitteren Geschmack. Das Besondere: Wir nutzen echte Chinarinde ohne Aromastoffe, die man etwa in der Apotheke bekommt.

Alkohol destilliert ab 78,3 Grad

Bayerische Botanicals, Fichtennadeln vom Alpenrand und sogar selbstgemachtes Tonic Water: Das Ziel unserer Suche nach dem Gin des Lebens scheint zum Greifen nah! Jetzt fehlt nur noch die Destillation. Dafür fahren wir wieder nach Höhenrain zur Sleepy4Gin-Crew, die uns beim Destillieren hilft.

  • Erst einmal destilliertes Wasser mit reinem Alkohol mischen.
  • Dazu dann die Botanicals aus Unterfranken, also Walnüsse, Blutbirnen, die Gewürzmischung und die zerquetschten Wacholderbeeren.
  • Alle Zutaten werden in einem großen Kessel 24 Stunden lang in Alkohol eingelegt. "Mazerieren" nennen das die Gin-Experten.
  • Einen Tag später kann das Destillieren endlich beginnen.

"Das Wasserbad wird erhitzt. Das erhitzt dann wiederum eine Wasserblase, sodass bei 78 Grad der Alkohol destilliert. Der verdampft und geht dann oben über das sogenannte 'Geistrohr‘ über die Kühlung und Vorlage in das Edelstahlgefäß."

Michael Müller, Sleepy4Gin-Crew

Darin sammeln sich am Ende 30 Liter eigener Gin. Fertig ist unser Sommernotizbuch-Gin – wir sind stolz! In der Zwischenzeit entstehen auch Etikett und Namen für unsere Kreation: Gin SoNo.

Wie schmeckt unser eigener Gin?

Doch kann es unser Gin wirklich mit den hochwertigen Sorten einer Gin-Bar aufnehmen? Wir treffen noch einmal Bar-Betreiber Ralf Saponara Teotonico. Er füllt drei Schnapsgläschen mit einem Schuss Gin SoNo und kostet:

"Wirklich nicht schlecht! Ich bin sehr, sehr, sehr überrascht über eure Destillierungskünste."

Ralf Saponara-Teotonico

Vom puren Gin scheint Ralf aber noch nicht so ganz überzeugt zu sein. Dafür ist der Alkoholgehalt von 48% einfach zu hoch. Nachdem er den Gin in drei verschiedenen Mischungen mit Kräuter-, Rosmarin- und Gurken-Tonic probiert, ist Ralf begeistert. "So würde ich ihn auf jeden Fall verkaufen, klar!" Und dann schiebt er nach:

"Ich habe zwei Sorten im Angebot, die schmecken sowas von ähnlich, dass ich schon fast fragen muss, ob ihr ihn auch dort habt brennen lassen."

Ralf Saponara Teotonico

Ralf Saponara-Teotonico kredenzt unseren Gin.

Unser Highlight: Er stellt unser Geschenk – eine Flasche Gin SoNo – zu all den anderen 300 hochwertigen Gins seiner Bar. Mission accomplished!

Was ist das Sommernotizbuch?

Hinter dem "Sommernotizbuch" stehen 24 angehende Journalistinnen und Journalisten, die vier Wochen lang das Programm der Bayern 2-Sendung "Notizbuch" gestaltet haben. Jeden Tag zwei Stunden von 10 bis 12 Uhr. Das Redaktionsteam besteht aus den zwölf Volontärinnen und Volontären des Bayerischen Rundfunks, aber auch Hospitantinnen und Hospitanten, die unter anderem in Frankreich und Italien studieren.


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