Bayern 2 - Notizbuch


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Gensoja im Honig Maya-Imkerinnen schlagen Alarm

Deutschland kann nur rund ein Viertel des eigenen Honigbedarfs selbst decken. Der Rest wird importiert, zum Beispiel aus Mexiko. Viele Familien der Maya auf der Halbinsel Yucatán zum Beispiel bestreiten damit ihren Lebensunterhalt. Nun fürchten sie um ihre Existenz, weil immer mehr Gensojabohnen angebaut werden.

Von: Tobias Chmura und Christian Stücken, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 22.10.2017

Der Agro-Konzern Monsanto hatte ursprünglich in Mexiko die Erlaubnis bekommen, auf einer Fläche von rund 2.500 Quadratkilometern, das ist so groß wie das Saarland, gentechnisch veränderte Sojabohnen anzubauen. Maya-Imker befürchten, dass Gensoja-Pollen ihren Honig verunreinigen. Auch die Bienen selbst seien in Gefahr. Denn Wald werde abgeholzt, um Platz zu schaffen für die Felder, auf denen wiederum Spritzmittel wie Glyphosat großflächig mit Flugzeugen versprüht würden.

"Es gibt Imker, die haben alle ihre Bienen verloren"

Urwaldzerstörung, Monokultur und Spritzmittel - eine gefährliche Mischung für die Bienen und für die Existenzgrundlage von mindestens 25.000 Maya-Familien, die einen Großteil ihres Einkommens mit der Imkerei erzielen.

"Das Problem ist ein massives Bienensterben, das wir haben. Jeden Tag gibt es Imker, die von toten Bienen berichten. Für uns sind die Bienen sehr wichtig, weil sie Teil unserer Kultur und Teil unseres Erbes als Maya sind. Die Bienen sind das Erbe unserer Familien und ökonomisch sind sie sehr wichtig!"

Leydy Pech Martín, Maya-Imkerin

"Die Regierung macht Politik für die großen Konzerne"

Zu Besuch bei Karl-Heinz Bablok

Leydy Pech Martín war jetzt bei Karl-Heinz Bablok zu Besuch. Der Imker aus Kaisheim in Nordschwaben klagte vor einigen Jahren bis zum Bundesverwaltungsgericht. Der Grund: In seinem Honig fand sich damals Genmais-Pollen. Unweit von Babloks Bienenvölkern wurde zu der Zeit auf einem Versuchsfeld des Freistaats Bayern gentechnisch veränderter Mais angebaut. Der Prozess blieb erfolglos. Bayern hatte in der Zwischenzeit den Anbau der genveränderten Pflanzen gestoppt. Das Gericht sah keinen Grund mehr, den Imker vor etwas zu schützen, das es nicht mehr gibt.

2015 ordnete der Oberste Gerichtshof in Mexiko dann jedoch an, die Genehmigung für den Gensoja-Anbau durch Monsanto auszusetzen, und verfügte eine Befragung der betroffenen indigenen Bevölkerung vor Ort. Die Maya beschweren sich jedoch über Unregelmäßigkeiten bei der Befragung und Diskriminierung. Außerdem wird nach ihren Angaben trotz Anbau-Stopp schon Soja angebaut. Das mexikanische Landwirtschaftsministerium habe sogar die Ernte und den Verkauf der Soja-Bohnen erlaubt, obwohl der Gen-Anbau-Stopp des Obersten Gerichts noch gelte, heißt es weiter von Seiten der Maya-Imker. Die Maya haben in der Sache eine Anhörung vor dem UN-Menschenrechtsausschuss in Genf erwirkt, die vor wenigen Tagen stattfinden sollte. Die Vertreter des mexikanischen Staates sagten ihre Teilnahme aber kurzfristig ab. Die Anhörung ist jetzt für Februar geplant.

Monsanto weist Vorwürfe zurück

Logo von Monsanto

In einer schriftlichen Stellungnahme an den Bayerischen Rundfunk wehrt sich Monsanto gegen den Vorwurf der Maya, in Mexiko trotz der Intervention des Obersten Gerichts weiterhin Soja anzubauen. In den Gemeinden, in denen die Befragung der Einheimischen angeordnet wurde, habe man zuletzt keine Sojabohnensaaten mehr vertrieben, heißt es.

Zu den befürchteten Verunreinigung des Honigs mit Pollen der genveränderten Pflanzen verweist Monsanto auf Studien:

"Es gibt zahlreiche Studien, die belegt haben, dass es keinen Zusammenhang zwischen genetisch veränderten Sojabohnen und Honigveränderungen gibt."

Zitat aus der schriftlichen Stellungnahme, die dem Bayerischen Rundfunk vorliegt

Außerdem, so Monsanto, kooperiere man mit Soja-Bauern, die auch als Imker tätig seien. Diese könnten bestätigen, schreibt Monsanto, dass es keinen Zusammenhang zwischen Schädigungen im Honiggeschäft und genetisch verändertem Soja gebe. Eine Studie der Universidad Autónoma de Yucatán habe ergeben, dass der Soja-Pollen-Anteil im Honig minimal sei. Deswegen, so argumentiert Monsanto, müsse nach den Regeln der EU auch kein Gentechnik-Hinweis auf das Etikett von Honig-Gläsern, die in Deutschland verkauft werden.

Notizbuch - Hörtipp!

Dr. Sabine Dorlöchter-Sulser, Misereor, Referentin für ländliche Entwicklung (Archivaufnahme Uganda)

Erst der Gensoja-Anbau in anderen Ländern dieser Welt ermöglicht unseren hohen Fleischkonsum von knapp 60 Kilogramm pro Kopf und Jahr. So importiert Deutschland jedes Jahr Millionen Tonnen gentechnisch veränderte Soja-Bohnen, die an Rinder, Schweine und Geflügel verfüttert werden. Die Maya-Imkerfamilien fürchten wegen des Gensoja-Anbaus um ihre Bienen, die ihre Existenzgrundlage sind. Dass Ureinwohner zum Spielball von Konzernen und Regierungen werden, Kleinbauern aufgeben oder vertrieben werden, sich Menschen auf die Flucht begeben müssen, weil sie wirtschaftlich kein Land mehr sehen - damit beschäftigt sich Sabine Dorlöchter-Sulser von MISEREOR. Sie ist Expertin für ländliche Entwicklung mit dem Schwerpunkt Afrika.

Interview mit Sabine Dorlöchter-Sulzer am 4. Oktober im Notizbuch


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