Bayern 2 - Notizbuch


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Erotikfilm Was feministische Pornos feministisch macht

Mainstream-Pornofilme sind hart, selten realistisch und lassen keinen Raum für emanzipierte Frauen. Die Macher feministischer Pornos wollen das ändern. Doch wie?

Von: Aylin Dogan

Stand: 14.08.2019

Titelbild des feministischen Pornos "Retour" | Bild: feuer.zeug

„Ich habe Lust auf dich“ flüstert Gregor Frida ins Ohr. Er hat sie vor zwei Tagen kennengelernt. Jetzt steht sie bei ihm in der Wohnung und küsst ihn.

Es folgen: 5 Minuten Vorspiel, 8 Minuten Sex und ein kurzer Epilog. Eine logische, in sich geschlossene Geschichte, wie aus dem echten Leben. „Retour“ heißt dieser Porno. Es ist der erste des Freiburger Start-ups Feuer.zeug, das nur feministische Pornos produziert.

"Unsere Pornos sollen mehr Tiefgang haben. Man soll sich mit ihnen identifizieren können."

– Kira Kurz, Porno-Produzentin

Gerade casten Kira Kurz und Leon Schmalstieg mit ihrem Team die Darsteller für ihren zweiten Porno. „Retour“ ist ihr erster Kurzfilm und zeigt schon in 23 Minuten, was der Zusatz „feministisch“ aus einem Porno machen kann.

Im Gegensatz zu den gängigen, harten Pornofilmen, in denen es vor allem darum geht, den Mann zu befriedigen, konzentriert sich „Retour“ auf die Lust aller Beteiligten. Die Rolle der Frau ist stärker, der Sex basiert auf Vertrauen und gegenseitigem Respekt. Es wird verhütet.

"Die intimen und expliziten Szenen skripten wir nicht. Die Darstellenden, oder die Performer, entscheiden für sich, was sie mit uns und der Kamera teilen wollen."

Kira Kurz

In Gregor und Fridas Fall ist das ein leidenschaftlicher, sich langsam zum Höhepunkt anbahnender Sex.

Feministische Pornos macht aber noch mehr aus als eine nahbare, nachvollziehbare Geschichte zwischen Mann und Frau.

Theresa Bittermann ist Gender-Wissenschaftlerin und hat das Queer-Short-Film-Festival in München mitorganisiert. Für sie könnte „Retour“ sogar noch weitergehen, noch feministischer sein. Denn "Retour" folgt noch einer binären Logik, bewirbt also noch das klassische Beziehungsverhältnis zwischen Mann und Frau.

"Ein feministischer Porno zeigt jegliche Formen von diversen Körpern und vor allem auch Lust, Begehren und erotische Vorstellungen. Es geht nicht nur um die Darstellung einer Anatomie des Sexes, sondern darüber hinaus: Berührungen, Worte, Erzählungen, Gedanken."

Theresa Bittermann, Gender-Wissenschaftlerin

Feministische Pornos verbieten keine Fantasien, inhaltlich ist alles möglich. Sie setzen sich aber verantwortungsbewusster mit der Darstellung auseinander. In Mainstream-Pornos werden bestimmte Praktiken oft zu problematisch gezeigt.

"Vieles wird als Normal betrachtet. Würgen ist dann zum Beispiel keine Form von Gewalt mehr, sondern eine Praxis, die getan werden muss."

Theresa Bittermann

Auf dem Markt sind feministische Pornos schon länger. Die bekannteste Produzentin ist Erika Lust aus Schweden. Seit 2004 dreht sie unter dem Namen Lust Films Pornos. Ihre Filme zeigen unter anderem BDSM-Sex, Gruppensex und Sex mit einer schwangeren Frau.


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