Bayern 2 - Notizbuch


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Exotische (Haus-)Tiere Der Königspython auf dem Sofa

Besondere Exoten liegen bei deutschen Heimtierhaltern seit Jahren im Trend. Man kann sie unter anderem im Zoofachhandel, auf Tierbörsen und im Internet erwerben. Welche exotischen Tiere jedoch tatsächlich deutsche Wohnstuben, Keller, Garagen und Gärten besiedeln - darüber kann man nur spekulieren. Verlässliche Zahlen sind Mangelware, nicht zuletzt deshalb, weil es in Deutschland keine verbindliche Meldepflicht für Halter nichtartgeschützter Tiere wie Chamäleon, Chinchilla oder Kornnatter gibt.

Von: Chris Köhler, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 14.03.2019

Als "Zeus" Ende der 1990er seinen Aufenthalt in einem Münchner Haushalt begann, war er nicht größer als eine Blindschleiche. "Zeus" ist ein Königspython, zoologisch Python regius, und misst mittlerweile 1,35 Meter. Der Bursche ist also ordentlich gewachsen. Im richtigen Leben bewohnen die Vertreter dieser Riesenschlangen-Art die Tropen West- und Zentralafrikas.

Exoten - seit Jahren im Trend

In Gefangenschaft gehaltene Königspythons können durchaus 40 Jahre alt werden, und ihre Haltung ist nicht ohne Probleme. Dennoch gibt es nach Angaben des Industrieverbands Heimtierbedarf e. V. hierzulande allein 700.000 Terrarien mit exotischen Bewohnern.

Königspythons, Anakondas, Brillenkaimane, Chamäleons, Schildkröten, Spinnen, Kakadus, Erdmännchen, Präriehunde, Stinktiere, Weißbüscheläffchen und sogar Puma- und Löwenbabys - sie alle leben in deutschen Wohnstuben, Keller, Garagen und Gärten. Deutschland ist innerhalb der EU der mit Abstand größte Importeur von Wildtieren.

Erwerben, und zwar ganz legal, kann man die Tiere unter anderem im Zoofachhandel, auf Tierbörsen und im Internet. Häufig kommen die Tiere aus Zuchten, doch es gibt auch einen Markt für exotische Wildfänge aus aller Herren Länder, darunter zum Teil geschmuggelte, geschützte Tierarten.

"Wir sehen die Zahl an Beschlagnahmen. Wenn Sie sehen, dass große Papageien wie Kakadus in Kunststoffröhren eingepfercht werden, wie man sie aus Abflüssen kennt, und dann in eine Sporttasche gesteckt über einen Flug von 15 Stunden zu uns kommen. Oder wenn Sie einen Aufgriff mit Schildkröten haben, die in einer Styroporbox waren und mit Tape umwickelt waren, oder Frösche, die in kleinen Filmdöschen eingepackt sind. Dann brauche ich keine Tiere mehr!"

Franz Böhmer, Bundesamt für Naturschutz

Die meisten Tierarten genießen keinen Schutzstatus

So unübersichtlich wie das Spektrum und die Anzahl der in privater Hand lebenden exotischen Tiere, so verwirrend ist hierzulande auch die Rechtslage bezüglich deren Haltung, Anschaffung und Import.

Einmal gibt es die Tierarten, die unter das internationale Artenschutzrecht fallen, das sogenannte Washingtoner Artenschutzabkommen; zu ihnen zählen Affen, Warane, Riesenschlangen, alle Papageien mit Ausnahme von Wellen- und Nymphensittichen, Eulen, Froscharten, bestimmte, relativ groß werdenden Katzen wie zum Beispiel der Karakal. Um sie nach Deutschland zu bringen, egal ob für private oder kommerzielle Zwecke, ist ein Dokument des Bundesamtes für Naturschutz in Bonn erforderlich.

Für alle anderen Arten, die nicht unter Schutz fallen, und dazu gehören die meisten Arten, gibt es keine artenschutzrechtliche Genehmigungspflicht. Dann gelten die nationalen Gesetze wie das Tierseuchengesetz oder das Tierschutzgesetz. Tierschützer bemängeln zudem, dass bei der derzeitigen Regelung der Wildtierhaltung in Deutschland beim Kauf kein Sachkundenachweis seitens der Käufer erforderlich ist.

Bundesamt für Naturschutz appelliert: Behörden sollen zusammenarbeiten

Nicht alle Länder in Deutschland haben das Halten giftiger und gefährlicher Tiere geregelt. Das heißt, in manchen Bundesländern können zahlreiche Reptilien, Kobra-Arten, Großkatzen oder diverse Bären - zumindest theoretisch - ohne Auflagen gehalten werden. Andernorts gelten für sie dagegen Haltungsverbote und Meldepflichten. Bayern etwa setzt auf eine Gefahrtier-Verordnung. Im Freistaat dürfen Affen, männliche Riesen-Kängurus, alle Wildkatzen, Panzerechsen und noch viele andere gelistete Arten nur mit Erlaubnis der jeweiligen Gemeinde und bei berechtigtem Interesse gehalten werden. Zudem gelten in etlichen bayerischen Gemeinden wie München eigene Verordnungen, die noch mehr Tiere unter Haltevorbehalt stellen.

Infos und Linktipps

  • Seit 2016 läuft Exopet, ein vom Bundeslandwirtschaftsministerium in Auftrag gegebenes Gemeinschaftsprojekt der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Universität Leipzig. Unter anderem mittels anonymer Online-Befragung von Exotenhaltern und Veterinären analysieren und bewerten die beteiligten Wissenschaftler, welche Reptilien, Amphibien, Fische, Vögel und Wildsäugetiere privat wie und wo gehalten werden. Das Ergebnis der Studie soll in Handlungsempfehlungen an den Gesetzgeber münden. Internet: www.exopet-studie.de
  • Die alte Bundesregierung hatte im Koalitionsvertrag von 2013 festgehalten, den Exotenhandel einschränken zu wollen. Gewerbliche Tierbörsen und die Einfuhr von Wildfängen sollten verboten und die Gesetzeslage zur Wildtierhaltung in den Bundesländern vereinheitlicht werden. Auf den Weg gebracht wurde zumindest eine Internetseite. Zu finden sind dort neben Hund, Katze, Meerschweinchen und Wellensittich auch Arten wie Königspython, Kurzkopfgleitbeutler und Weißbauchigel, Arten-Steckbriefe und weitere) Hinweise für Halter, unter anderem was eine "Erstausstattung" anbelangt, wie artgerechte Unterbringung, Ernährung und Pflege ausschauen sollten. Internet: www.haustier-berater.de
  • Welche Tiere unter das Artenschutzgesetz fallen, lässt sich zudem im Internet online mit wenigen Klicks feststellen über Wisia, das "Wissenschaftliche Informationssystem zum internationalen Artenschutz" des Bundesamtes für Naturschutz. Für alle in Wisia aufgeführten Arten gilt bundesweit: ihren Erwerb oder Verkauf muss ein Tierhalter umgehend bei den zuständigen Landesbehörden melden. Internet: www.wisia.de
  • Viele Informationen gibt es zudem auf der Internetseite des Bundesamtes für Naturschutz.

Internet: www.bfn.de


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