Bayern 2 - Notizbuch


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Berliner Testament Erbschaft sicher, aber unflexibel regeln

Rund 80 Prozent aller verheirateten Paare in Deutschland vereinbaren ein sogenanntes "Berliner Testament". Dieses Standardtestament für Ehegatten hat Vor- und Nachteile. Welche das sind, erklärt Notar Jens Kirchner aus München im Interview mit Arthur Dittlmann.

Von: Arthur Dittlmann

Stand: 04.11.2016

Berliner Testament: Ein Füller liegt auf einem Blatt Papier mit Siegel, auf dem ein Kuvert mit einem Berliner Testament gezeichnet ist | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Arthur Dittlmann: Welches sind die Vorteile des Berliner Testaments?

Jens Kirchner: Der Vorteil des Berliner Testaments für Ehegatten besteht darin, dass er Alleinerbe wird. Er ist Alleinerbe der gesamten Vermögenswerte. Ist ein Grundstück da, gehört ihm allein das Haus. Er kann allein darüber verfügen. Gerade wenn Kinder da sind, ist das wichtig: Muss er das Grundstück belasten, will er es gar verkaufen, kann er das ohne das Vormundschaftsgericht tun, da die Kinder nicht im Grundbuch eingetragen sind.

Dittlmann: Kinder können aber trotzdem den Pflichtteil verlangen?

Kirchner: Das ist richtig. Durch das Berliner Testament werden sie für den ersten Erbfall enterbt, da sich die Partner gegenseitig zu Erben einsetzen. Dann können sie aber den Pflichtteil verlangen in Höhe der Hälfte des gesetzlichen Erbteils.

Auch für Eingetragene Lebenspartnerschaften

Dittlmann: Können nur Verheiratete oder auch andere das Berliner Testament abschließen?

Kirchner: Verheiratete können es abschließen, aber auch eingetragene Lebensgemeinschaften, also homosexuelle Partner. Anderen ist ein echtes Berliner Testament verwehrt. Sie können aber vor dem Notar einen Erbvertrag mit denselben Wirkungen abschließen.

Dittlmann: Gibt es auch Nachteile beim Berliner Testament?

Kirchner: Durch das Berliner Testament tritt eine Bindungswirkung ein. Das heißt, nach dem Tod des ersten Ehegatten legt es zwingend fest, wer die Erben des letztversterbenden Partners sind. Wenn es nun aber nach dem Tod des Erstversterbenden Streit zwischen dem Überlebenden und den Kindern gibt, oder ein Kind in Not gerät, kann der überlebende Partner nicht frei verfügen. Das Ergebnis ist zementiert.

Verfügungsfreiheit unter Zustimmung aller

Es gibt allerdings eine Ausnahme, die durch das neue Erbrecht seit Januar 2009 eingeführt wurde: Es gibt wieder eine Verfügungsfreiheit unter der Voraussetzung, dass alle Schlusserben einen Zuwendungsverzicht aussprechen. Dann müssen aber alle mitmachen, sonst bleibt das Berliner Testament zementiert.

Mögliche Nachteile kann man aber dadurch ausgleichen, dass man sich schon vorher auch in Steuerfragen bei einem Notar oder Anwalt beraten lässt. Meist kann man eine auf den Fall zugeschnittene Lösung finden.

Service:

Die Internetseite der Notare in Bayern mit Beispielen zu Fragen und Konstellationen, die durch Testament und Verträge geregelt werden können.


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