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Die Ruhe vor dem Regen Geflüchtete Rohingya in Bangladesch

Seit Monaten leben Hunderttausende Rohingya im größten Flüchtlingslager der Welt im Südosten von Bangladesch. Hierher sind sie geflohen vor den Misshandlungen durch die myanmarische Armee. Viele fühlen sich in Bangladesch mittlerweile sicher. Doch die Situation ist trügerisch. Die schweren Regenfälle des Monsun werden schon in wenigen Wochen kommen.

Von: Linus Lüring

Stand: 13.04.2018

Die meisten der provisorischen Hütten sind auf die großen Wassermassen nicht ausreichend vorbereitet. Zehntausende Rohingya sind gefährdet, schätzt das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR. Die Rohingya bekommen jetzt Materialien, um die Hütten kurzfristig besser zu schützen.

In Kutupalong befindet sich derzeit das größte Flüchtlingslager der Welt

Können sie den Wettlauf gegen die Zeit gewinnen? Gleichzeitig sind viele Rohingya noch immer dankbar für die Herzlichkeit, mit der sie die Bevölkerung von Bangladesch aufgenommen und versorgt hat. Aber stimmt das noch? Es hat schon Demonstrationen der Einheimischen gegen Rohingya gegeben. Viele leben selbst in Armut und beklagen, dass Hilfsorganisationen sich nur um die Geflüchteten kümmern. Droht die Stimmung zu kippen? Die Ablehnung könnte die Rohingya schwer treffen. Viele sind noch immer schwer traumatisiert durch Erinnerungen an brennende Häuser, Vergewaltigungen und Erschießungen in Myanmar. Vor allem bei Kindern drohen dauerhafte gesundheitliche Schäden, Therapien sind selten.

Mariam Khatun hat Mo-Omar im Arm: ihr Junge wurde auf der Flucht geboren

"Sieben Tage waren wir unterwegs, bis wir die Grenze von Bangladesch erreicht hatten. Oft mussten wir hungern. Und am Tag bevor wir hier angekommen sind, habe ich meinen Sohn geboren. Das Gehen war schrecklich für mich, mit diesen Schmerzen."

Mariam Khatun, Geflüchtete

Wie können die Menschen mit den Erfahrungen fertig werden? Den Rohingya droht in Bangladesch nun ein Leben ohne Rechte in einfachsten Hütten – in einem unsicheren Provisorium. Denn feststeht: Zurück nach Myanmar wollen und können sie nicht. Und schon jetzt scheint die internationale Aufmerksamkeit für das Schicksal der Hunderttausenden Geflüchteten langsam nachzulassen. Vergessen zu werden – das ist wohl die größte Bedrohung für die  Rohingya.


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