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Lebe das 50-Liter-Leben Wie Kapstadt mit der anhaltenden Dürre umgeht

Seit Anfang Februar gilt in der südafrikanischen Metropole die restriktive Wasserverordnung 6 b, die jedem Einwohner einen Verbrauch von maximal 50 Litern Wasser pro Tag zugesteht. Der drohende Day Zero, also der Tag, an dem das Wasserversorgungsnetz abgeschaltet und das Trinkwasser in über 200 Verteilstellen ausgegeben worden wäre, konnte dadurch vorerst abgewendet werden.

Von: Klaus Betz

Stand: 03.08.2018

Melbourne habe dafür fast zwölf Jahre gebraucht, was Kapstadt in sechs Monaten erreicht habe, verkünden die lokalen Behörden. Stolz verweisen sie auf den Erfolg ihrer Maßnahmen, der so schnell nicht zu erwarten war. Jedenfalls ist Day Zero vorerst auf das Frühjahr 2019 verschoben.

Theewaterskloof-Damm: Kapstadts wichtigstes Wasserreservoir ist immer noch fast leer

Gelungen sei das nur, weil fast alle Einsicht gezeigt hätten und jeder in seinem individuellen oder ökonomischen Bereich sich für das Ziel "Live the 50 litre life", "Lebe das 50-Liter-Leben", eingesetzt habe. Priya Reddy, Sprecherin der Stadtverwaltung von Kapstadt, hat festgestellt, dass die meisten Capetonians dadurch ihre Einstellung zum Wasser fundamental verändert haben.

"Während es vor einem halben Jahr noch so ausgesehen hat, als würden wir die erste Großstadt der Welt sein, der das Wasser ausgeht, sind wir nun wahrscheinlich die erste, die dieses Desaster gerade noch hat verhindern können. Zum einen, weil wir den Wasserdruck in den Leitungen enorm reduziert haben, zum andern, weil sich sowohl die Unternehmen als auch die Einwohner  – egal ob reich oder arm – wirklich gemeinsam darum bemüht haben."

Priya Reddy, Stadtverwaltung

Lizo Nzabele aus dem Township Philippi: "Manche nutzen hier das Wasser, als hätten wir kein Problem."

Auch wenn es bis jetzt, Anfang August, also im südafrikanischen Winter, mehrfach geregnet hat, hält die Dürre in der Kapregion an, doch der Krisenmodus ist für die meisten schon zur Routine geworden. Man betrachtet es mittlerweile als selbstverständlich, das Grauwasser aus Waschmaschinen, Geschirrspülern oder nach dem Duschen zu sammeln und ein zweites Mal zu verwenden: für die Toilettenspülung etwa oder für die Gartenbewässerung. "Think water wise" ist der Dauerslogan für den neuen Umgang mit dem Wasser. Tatsächlich ist die Stadt dabei, mit ihrem Wassermanagement zum Modellfall für andere Großstädte auf der Welt zu werden. Entscheidend ist der umfassende Ansatz, dass sich eben nicht nur private Haushalte, sondern auch die Tourismusindustrie mit den großen Hotels inklusive sämtlicher Urlauber mit dem wichtigen Thema Wassersparen auseinandersetzen müssen. Einzig die Informals, also jene, die in den Townships oder wilden, slumartigen Siedlungen leben, seien von der Stadtregierung noch zu wenig informiert worden. Dort, so hat unser Reporter herausgefunden, zapfen viele die städtischen Leitungen an, um sich beispielsweise als Autowäscher einen Lebensunterhalt zu verdienen.


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