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Sonic Youth The Eternal Hipsters

Nein, niemand war gestorben. Aber die Bestürzung war groß, 2011: Thurston Moore und Kim Gordon, das Traumpaar des Indierocks, gab seine Trennung bekannt - und stellte damit auch die Band in Frage, die für Millionen von Teenagern alternative Idole waren.

Von: Valerie Trebeljahr

Stand: 21.06.2013 | Archiv

Sonic Youth | Bild: Universal

Seitdem lag die Zukunft von Sonic Youth im Ungewissen. Im April 2013 beseitigte Kim Gordon die letzten Hoffnungen: Eine Wiedervereinigung sei "höchst unwahrscheinlich", gab sie der amerikanischen ELLE zu Protokoll. Ihr Ex-Mann Thurston Moore versuchte zu retten, was zu retten ist und ruderte in mehreren Interviews zurück, aber zu einer Wiedervereinigung gehören eben mindestens zwei.

In absehbarer Zeit wird die Musikwelt also ohne die Band auskommen müssen, die Alternative Rock aus der Taufe hob und wie kaum eine andere Gruppe, Avantgarde und Pop zu vereinen wusste: Sonic Youth, die "Eternal Hipsters" - denn das waren sie, und das ist durchaus positiv gemeint.

Ende der 70er, als die Musikindustrie Punk aufgesaugt und als New Wave wieder ausgespuckt hatte, formierte sich Widerstand: Eine kleine Gruppe verlegte sich auf sperrig-dissonante Musik abseits jeglicher Song-Konventionen: No Wave! Es war eine Zeit, als Kunst und Rock eins waren - zumindest in Downtown New York. Und jeder, der cool sein wollte, kam früher oder später in die Lower East Side.

Thurston Moore, der klassische Flöte gelernt hatte und dessen Vater Musikprofessor in New Jersey war, zieht nach New York in der Hoffnung, seinem Idol Patti Smith zu begegnen. Die aber hatte inzwischen geheiratet und war in eine Kleinstadt gezogen. So treten No Wave-Protagonisten wie Lydia Lunch und Arto Lindsay an ihre Stelle. Auch die anderen Sonic Youth-Mitglieder kommen aus dem gut situierten Bildungsbürgertum. Lee Ranaldo studiert Malerei, Kim Gordon Kunst.

Gordon und Moore lernen sich 1981 kennen und werden ein Paar. Wenig später gründen sie zusammen mit Lee Ranaldo unter diversen Namen ein Projekt, das sich später Sonic Youth nennt: Der Name ist eine Mischung aus Fred 'Sonic' Smith, MC5-Gitarrist und Mann von Patti Smith, und dem Dub-Pionier Big Youth. Kim Gordon lernt für die Band Bassspielen. Es ist nicht wichtig, ein Instrument zu "können", wichtiger ist es, es intuitiv zu nutzen. Auch Lee Ranaldo und Thurston Moore verwenden ihre Gitarren nicht im klassischen Sinne: Sie spielen im Ensemble des Avantgarde-Komponisten Glenn Branca, der mehrere Gitarren zu monoton-minimalistischen, aber sehr lauten Soundtürmen schichtet. Noch Jahre später wird es keine Sonic Youth-Rezension geben, ohne dass der Name Glenn Branca fällt - sehr zum Ärger von Moore und Ranaldo, die sich irgendwann mit ihrem Master zerstritten hatten.

Die Not zur Tugend machen

Kaum eine andere Band ist derart auf den ersten Ton erkennbar: Der Sonic Youth-Sound ist aber nicht nur Glenn Branca zu verdanken, sondern in erster Linie dem fehlenden Geld geschuldet: Die Bandmitglieder arbeiten im Copyshop, verkaufen Sandwiches auf der Straße oder malen anderer Leute Apartments an. Sonic Youth können sich schlichtweg keine neuen Gitarren leisten. Also, müssen gebrauchte herhalten. Die sind zwar unstimmbar, klingen aber gut, wenn man einen Schlagzeugstock oder einen Schraubenzieher unter die Saiten schiebt. Moore und Ranaldo machen aus der Not eine Tugend und verlassen die Standard-Gitarrenstimmung. Aus heutiger Sicht eine weise Entscheidung: Denn wenn man "immer in Standardstimmung spielt, hört sich das auch nach... Standard an", so Thurston Moore.

Einige Gitarren sind nur für ein einzelnes Stück bestimmt, so werden zum Konzert schon mal 25 Gitarren mitgebracht und es ist ein Desaster, als der Band 1999 der Tourbus samt Inhalt geklaut wird. Besonders an der Band ist auch das demokratische Songwriting: Die Stücke entstehen durch intensives Jammen und Improvisation, weniger dadurch, dass einer eine fertige Idee mitbringt. Was andernorts zur Verwässerung führt, funktioniert bei Sonic Youth. Aber Gordon-Moore-Ranaldo bilden eine Dreieinigkeit, gegen die der erste Schlagzeuger Bob Bert nicht ankommt. Er verlässt die Band nach der dritten Platte. Sein Ersatz Steve Shelley passt besser zu den anderen, konzentriert sich aufs Trommeln, ohne Kompromisse einzugehen.

Der Erfolg kommt über Europa

Die frühen Sonic Youth kommen in Amerika nicht sonderlich gut an. Beim Publikum wie bei der Kritik. Der Erfolg kommt über Europa. Sonic Youth nutzen eine Tour mit Glenn Branca, um eine eigene Tour zusammen zu stellen, sie lassen Schlagzeuger Bob Bert nachfliegen, der das Ganze lakonisch so zusammenfasst: "Du hast einfach 'New Yorker Underground' gesagt und der Laden war voll, egal wer gespielt hat." Aber Sonic Youth schaffen es, das Publikum zu elektrisieren: Obwohl das erste London-Konzert 1983 für die Band zum Horrortrip gerät - das billige Equipment gibt nach sechswöchiger Tour einfach seinen Geist auf und Thurston Moore beendet das Konzert mit "I hate the English!" und "Bomb London!"-Schreien - sind die Kritiker begeistert. Die Band kann es nicht fassen.

Cover der ersten Mini-LP "Sonic Youth"

Von nun an erscheint jedes Jahr ein Album: Nach der Mini-LP "Sonic Youth" 1982, "Confusion is Sex" und danach "Bad Moon Rising", das textlich auf die dunkle Seite Amerikas eingeht. "Death Valley 69" mit Gast-Sängerin Lydia Lunch, dreht sich um die Charles Manson-Morde. Die Band wird in dem zugehörigen Richard-Kern-Video splattermäßig ins Jenseits befördert.

Nach der Amerika-Tour 1985 hat die Band die Nase voll davon, immer nur vor einer Handvoll von Leuten zu spielen und praktisch nichts zu verdienen. Bisher hatte die Band auf kleinen Labels veröffentlicht, nun machen sich Sonic Youth auf die Suche nach einer Plattenfirma, die sie bekannter werden lassen kann. Ihre Wahl fällt auf SST, das Label des Black Flag-Gitarristen Greg Ginn. Und tatsächlich: Nachdem Thurston Moore eine ganze Tour "Hello to Black Flag from Sonic Youth" auf Backstage-Wände geschrieben hatte - wohl wissend, dass Greg Ginn bald vorbei kommen würde - wurden sie vom damals wichtigsten Punk-Label gesigned.

Das 1986 veröffentlichte "Evol" beinhaltet erstmals wirkliche Songs. Gleichzeitig verändert Kim Gordon ihr Styling und wird zum Indie-Mädchenschwarm und Role Model: "Ich bin eine Frau und bin mir bewusst, was das heißt. Vielleicht bin ich mir dessen jetzt mehr bewusst als früher. Sexualität ist etwas, an dem ich zutiefst interessiert bin", zitiert Michael Azerrad Gordon in "Our Band could be your Life", einem übrigens sehr empfehlenswerten Buch über amerikanische Undergroundbands der 80er Jahre.

Meilenstein "Daydream Nation"

Das Coverartwork von "Daydream Nation" stammt von Gerhard Richter

Der Wechsel zu SST funktioniert: Die Band bekommt gute Kritiken, die New York Times nennt sie gar "die ursprünglichste Gitarrenmusik seit Jimi Hendrix". Und sie bleiben kreativ: Ein Jahr nach "Evol" erscheint "Sister". Das Album ist ein weiterer Schritt hin zu konventionelleren Songstrukturen, gleichwohl gibt es immer noch experimentelle Ansätze und Noise-Attacken. Es ist eine Art Konzeptalbum, viele Stücke sind von Science Fiction-Autor Philip K. Dick inspiriert. Zwischen "Evol" und "Sister" hat die Band ihren Sound ausdefiniert, sagt Produzenten-Legende Steve Albini, aber es sollte erst das nächste Album sein, das zum Meilenstein in der Bandgeschichte wurde: "Daydream Nation" von 1988. Ein Doppelalbum mit einem Cover von Gerhard Richter. "Irgendetwas an Daydream Nation war groß, mysteriös, undurchschaubar", beschreibt es David Browne, einer der vielen Verfasser von Sonic Youth-Biografien.

Auch wenn "Teen Age Riot" den Dinosaur Jr.-Frontmann nie erwähnt, hat Thurston Moore doch öfters erklärt, dass der Song eine Art Aufruf war: "J. Mascis for President!" Auf jeden Fall weg mit Reagan! Denn das „Stormy Weather“ bezieht sich auf die Republikaner, die um ihren Platz im Weißen Haus kämpfen. "Teen Age Riot" mag wie die meisten Sonic Youth-Texte verklausuliert sein, es genügen wenige Zeilen, um die Sache klar zu machen: „Teenage riot in a public station, Gonna fight and tear it up in a hypernation for you“. Thurston Moore ist nicht nur ein guter Texter, er ist auch ein ungemein schlagfertiger Mensch, zum Beispiel bei Konzerten:

1989, in der Münchner Theaterfabrik zur „Daydream Nation“-Tour, als eine Pause entsteht, weil eine Gitarrensaite gerissen ist und die Leute anfangen unruhig zu werden. “Hey, why is everybody tuning, you should have done that before the show. Why can’t you be perfect like me and Steve?” Der Zündfunk hat damals mitgeschnitten. Der Schluss des Konzertes war dann nicht mehr zitierfähig: Thurston Moore hatte aus dem Publikum ein Glas gegen den Kopf bekommen und war bereit, sich zu schlägern. Sonic Youth machten danach erst einmal einen Bogen um München.

„Daydream Nation“ wird Platz eins der Jahrescharts im New Musical Express und im Melody Maker. 2005 wird es von der amerikanischen Library of Congress in die Liste der bedeutenden, nationalen Alben, aufgenommen.

Kool Thing

Cover des Albums "Goo" von Sonic Youth | Bild: Universal

Das Bild auf dem Plattencover von "Goo" stammt von Raymond Pettibon

1990 wechseln Sonic Youth zum Major Label Geffen. Für die Szene ein Schock, galten zu Hardcore-Zeiten die großen Plattenfirmen doch zum Inbegriff des Bösen. Aber Sonic Youth hatten begriffen, dass auch viele der Indielabels nur am eigenen Gewinn interessiert waren, warum dann nicht gleich zum Major wechseln? Sie sichern sich einen Deal, der ihnen weitestgehend künstlerische Freiheit lässt. Am meisten von dem Wechsel profitiert haben dürfte aber eine damals noch unbekannte Band, die Thurston Moore Geffen empfahl: Nirvana.

"Fear of a female planet?" “Kool Thing” zeigt einen weiteren Komplex im Sonic Youth-Universum auf: Feminismus. Kim Gordon nennt es ungern so, aber in ihren Texten hatte sie schon immer verschiedene Frauen sprechen lassen, beispielsweise die magersüchtige, immer funktionieren müssende Karen Carpenter, der auch ein Song auf „Goo“ gewidmet ist. „Kool Thing“ hingegen basiert auf einem Treffen mit Rapper LL Cool J., Kim Gordon hatte ihn für das SPIN-Magazine interviewt: Der Artikel trägt die Überschrift: "Zwei Sex Bomben clashen“... Der Song wird zur Feminismus-Hymne.

Sonic Youth kennen alles und jeden

Die frühen 90er sind die große Zeit von Sonic Youth, die Zeit der Hits: "Kool Thing", "Hundred Percent", "Bull in the Heather" und „Sugar Kane“ landen in den amerikanischen und englischen Top 30. Im Video zu „Sugar Kane“ spielen Sonic Youth bei einer "Grunge"-Modenschau. Es handelt sich um die echte "Grunge"-Kollektion ihres Freundes Marc Jacobs.

... und das auf "Dirty" von Mike Kelly

Sonic Youth-Videos und Plattencover machen immer wieder klar, dass die Bandmitglieder sich nicht nur für alles Mögliche interessieren - von Literatur über Film und Kunst bis Mode - sondern dass sie auch alles und jeden kennen. Das Video zu "Bull in the Heather", drehte die Frau von Beastie Boy Mike D, im Video selbst tanzt Kathleen Hannah von Bikini Kill. "Eine Menge Bands versuchen etwas Singuläres darzustellen. Ich glaube, wir haben immer versucht, das Gegenteil zu machen: Wir wollten immer Teil eines Universums sein, in dem Dinge passieren", so Lee Ranaldo in "Our Band could be your Life".

"Bull in the Heather" ist die einzige Singleauskoppelung zum 1994 veröffentlichten Album "Experimental Jet Set, Trash and No Star", die bestverkaufte Sonic Youth-Platte bis dahin. Und das, obwohl es keine Tour gibt. Denn Kim Gordon und Thurston Moore erwarten ihr erstes Kind, Tochter Coco Hayley. Im Studio verfolgen Sonic Youth nun einen anderen Ansatz, der da heißt: Kurze Stücke, schnell eingespielt. Moores Ausruf "Good enough", um eine Aufnahme zu beenden und weiter zum nächsten Stück zu gehen, wurde zum Running Gag im Studio. Aber er war ernst gemeint.

Vom Marktzwang befreit

1995 lassen Sonic Youth sich auf das Experiment Lollapalooza ein. Eine Festival-Tour mit vielen Alternative-Bands wie Pavement, Beck und Hole, 29 Städte in Amerika und Kanada. Der Plan ist, mit den Einnahmen ihr eigenes Studio zu finanzieren. Die Tour läuft aber schlechter als erwartet, Grunge hat seinen Zenit überschritten und Kurt Cobain ist seit einem Jahr tot. Eine ähnliche Enttäuschung bringen die Verkaufszahlen von "Washing Machine", dem elften Sonic Youth-Album. Auch wenn das Album bei der Kritik gut ankam und die Band durch Lollapalooza mehr Aufmerksamkeit bekam, verkauft sich die Platte nur halb so gut wie die davor. Die ganz große Zeit ist vorbei.

Sonic Youth lassen sich drei Jahre Zeit bis zum nächsten Studioalbum. Sie experimentieren und jammen in ihrem eigenen Studio, das sie "Echo Canyon" nennen. Sie veröffentlichen zwei Experimentalplatten auf dem eigenen Label SYR. Sonic Youth haben keine Lust, ein Oldie-Act zu werden und sich ewig zu wiederholen. Auf der Tour zu "A Thousand Leaves" spielen sie zum Leidwesen ihrer Fans konsequent nur die neue Platte. Sie haben sich vom Marktzwang befreit und nehmen in Kauf, dass das Album nur 60.000 Exemplare verkauft.

Macaulay Culkin in „Sunday“ von Sonic Youth

Die Kritik findet "A Thousand Leaves" "unfertig", wie eine Aneinanderreihung von Demos. Geffen startet einen letzten halbherzigen Versuch und investiert in ein teures Video für "Sunday". Sonic Youth-Freund Harmony Korine wird engagiert und produziert mit dem ehemaligen Kinderstar Macaulay Culkin "ein Fiasko", wie ein Geffen-Mitarbeiter es formuliert. Aber Geffen will sich nicht nachsagen lassen, das Label zu sein, das Sonic Youth gedropped hat, und so nehmen sie auch das sehr ruhige und abstrakte, fast schon hörspielartige Album "NYC Ghosts and Flowers" hin.

Die Rückkehr zum Pop

2002 können die Fans aufatmen: Sonic Youth schreiben wieder Songs zum mitsingen. "Karen revisited" featured Lee Ranaldo als Sänger. Das war zuvor schon auf mehreren Alben so, aber Ranaldo musste immer um seine Songs kämpfen. Zu Anfang der Bandgeschichte wäre er um ein Haar einmal ausgestiegen, weil das Duo Gordon/Moore seine Stücke von der Platte geschmissen hatte. Dass Sonic Youth wieder zu ihrem Sound und zum Pop gefunden hatten, liegt sicherlich auch an dem neuen Bandmitglied Jim O'Rourke, ein angesehener Produzent und Musiker. Er übernimmt den Bass und die Produktion.

Der Einstieg von Jim O'Rourke ist in mehrerer Hinsicht ein Gewinn. Zum einen ist er ein Technik-Nerd, zum anderen fungiert er bei Konflikten als Puffer in der Band, die nun schon 20 Jahre zusammen ist. Und er übernimmt live den Bass, was Kim Gordon die Freiheit für wilde Tänze auf der Bühne lässt und ihren Status als Sexsymbol festigt. Aber so schnell wie er gekommen war, so schnell steigt O‘Rourke nach dem "Sonic Nurse"-Album wieder aus: Er möchte nicht mehr so viel touren und seine Japan-Begeisterung zieht ihn nach Tokio, wo er auch heute noch lebt.

Die Arbeit an "Murray Street", dem 14. Sonic Youth-Album, werden durch den 11. September 2001 unterbrochen: Das Studio ist nur zwei Straßen vom World Trade Center entfernt. Jim O'Rourke, der mehr oder weniger im Studio wohnt, sieht die Staubwolke und Flugzeugteile durch die Murray Street fliegen. Erst nach Monaten Pause kann die Band die Arbeit wieder aufnehmen.

Nach "Murray Street" sind Sonic Youth ernüchtert: "Der einzige Weg, Platten zu verkaufen ist, wenn wir uns auflösen oder wenn einer von uns stirbt", wird Thurston Moore zynisch in der Sonic-Youth-Biografie von David Browne zitiert. Die Band veröffentlicht weiter Platten, gute Platten: Nach "Sonic Nurse", "Rather Ripped" und zuletzt "The Eternal", ihr erstes Album auf dem Indielabel Matador. Jede Veröffentlichung erinnert an die Bedeutung, die diese Band hatte und immer noch hat - und an den Einfluss, denn Sonic Youth auf andere Bands haben, von den Strokes bis zu hin zu den Yeah Yeah Yeahs.

Ungebrochene Neugier

Das wirklich Beeindruckende aber an Sonic Youth ist ihre ungebrochene Neugier, ihr Wille sich immer weiter zu entwickeln: Denn zu den Sonic Youth-Veröffentlichungen gibt es Dutzende von Nebenprojekten und Nebenbeschäftigung: Thurston Moore und Lee Ranaldo haben Solo-Platten aufgenommen. Moore tourt mit seiner neuen Band Chelsea Light Moving - der Zündfunk präsentiert das Konzert am 1. Juli in München. Kim Gordon, immer schon mit ihrer Zweitband Free Kitten beschäftigt, hat ebenfalls ein neues Projekt namens Body/Heat. Die Kunstwelt darf sich auf Ausstellungen von Kim Gordon und Lee Ranaldo freuen. Außerdem hat Kim Gordon gerade eine Kollektion für ein französisches Modeunternehmen entworfen und ist für Yves Saint Laurent vor die Kamera getreten. Schlagzeuger Steve Shelly und Thurston Moore betreiben beide eigene Labels. Ja, und dann gilt es noch, sich durch die eigene Bandgeschichte zu arbeiten: Es stehen Live-Alben und ein Dokumentarfilm zur Evol-Tour ins Haus.

Es muss seltsam sein, zur Ikone zu werden, zur Gallionsfigur. All die Freunde - von Richard Kern über Mike Kelley, Chloe Sevegny und Sofia Coppola - wurden berühmt und hängen im Museum oder spazieren über den roten Teppich. Sonic Youth haben diesen letzten Schritt nie gemacht, sind ihren Underground-Wurzeln immer treu geblieben. So sind sie Indiestars geblieben und haben nie ihre Credibility verloren.

"Wir versuchen nicht, Leute herum zu kriegen. Wir machen nun mal seltsame Musik. Und die meisten Leute sich keine musikalischen Abenteurer. Sie wollen keine verzerrten Harmonien in ihren Köpfen klingeln hören. Das ist ok. Sie können ja immer zum T-Shirt-Stand gehen und 30 Dollar ausgeben."

Thurston Moore, 1991


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