Bayern 2 - Nachtmix


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Zum 70. Geburtstag von Diana Ross She is magic

Von „Baby Love“ bis „Upside Down“: die große Pop-Diva Diana Ross wird 70. Ross hat gemeinsam mit den Supremes und als Solokünstlerin alle Pop-Rekorde gebrochen.

Von: Barbara Streidl

Stand: 26.03.2014 | Archiv

Diana Ross wird 70 | Bild: picture-alliance/dpa

1959, Berry Gordy, der Chef von Motown Records, hört wie vier junge Mädchen in seiner Lobby eine A-cappella-Version des Drifters-Hits „There goes my baby“ singen. Die weinerliche Stimme der Leadsängerin gefällt ihm besonders, eine Magere mit großen Augen und viel Selbstbewusstsein: Diana Ross.

Die Supremes im Jahr 1961

Gordy fragt die Mädchen nach der Schule. „Kommt wieder, wenn ihr euren Abschluss habt“, sagt er. Die vier kommen aber schon am nächsten Tag wieder, gleich nach der Highschool, und so geht das weiter, bis sie im Januar 1961 schließlich ihren Plattenvertrag bei Motown unterzeichnen: die Geburt der Supremes. Diana Ross hieß am Anfang ihrer Karriere noch Diane Ross:

"Man kann nicht an ihr vorbei, das war schon so, bevor sie bekannt wurde. Und sie wusste das. Ich habe schnell verstanden, dass ihr Name deshalb mehr funkeln muss. Diana – das ist der Name eines Stars."

Berry Gordy

Der Motown-Chef veränderte nicht nur den Vornamen von Diane Ross zu Diana Ross, er arbeitete auch rund 20 Jahre mit ihr zusammen. Und: Er war einige Zeit der geheime Liebhaber von Diana Ross.

Erfolg nach der Ochsentour

Wir gehen zurück ins Jahr 1960. Die erste Single, die die Supremes auf Gordys Label rausbringen – noch als Quartett – heißt „I want a guy“. Die ersten Singles der Supremes sind nicht so richtig erfolgreich und dümpeln auf den hinteren Plätzen der US-amerikanischen Singlecharts herum. 1964 dann entscheidet Motown-Chef Berry Gordy, der auch der Manager der Supremes ist, dass seine Band auf eine 36-Tage-Konzertreise gehen soll.

Hit-Zentrale: Motown Records

Die Tour zahlt sich aus: Zuerst ist es nur die afro-amerikanische Presse, die Diana Ross, Florence Ballard und Mary Wilson auf Schritt und Tritt folgt: Titelstorys über die Supremes erscheinen in Magazinen wie „Jet“ und „Ebony“. Dann springt auch die weiße Presse auf: Alle wollen über die „Sweethearts“ von Hitsville berichten, die stilvoll und sinnlich auftreten und dabei so entspannt lächeln und mit den Fingern schnippen, als wäre das alles eine Riesenparty. Im Oktober 1964 wird „Baby Love“ in den USA und England die erste Nummer eins der Supremes.

Erste Starallüren

Die Popularität der Supremes steigt mit dem Erfolg von „Baby Love“ immer weiter. Sie gehen auf Englandtour. Bei einem Konzert in Manchester ist eine Fernsehübertragung geplant. Diana Ross tut sich schwer mit dem ungewohnt jazzigen Arrangement des Stücks „You’re nobody til somebody loves you“.

Die Supremes und Paul McCartney

Sie macht Manager Berry Gordy nach dem Auftritt eine Szene. Sie erklärt, dass sie den Song nie mehr singen wird – weil sie ihre Karriere weder für ihn noch für irgendjemand anderen ruinieren wird. Beim nächsten Konzert treten die Supremes mit einer anderen Reihenfolge der Songs auf. Und dann, ganz plötzlich: Erklingt das Intro des vermeintlich rausgeflogenen Stückes. Diana Ross hatte ihre Entscheidung revidiert.

Passend zu ihrer erfolgreichen Englandtour veröffentlichen die Supremes 1964 ein Album mit Coverversionen von bekannten Stücken der Beatles, Animals und anderen. Mit dem Erfolg steigt auch die Verliebtheit zwischen Diana Ross und Berry Gordy. Berry Gordy erinnert sich in seiner Autobiografie „To be loved“:

"Diana hat mir mehr bedeutet, als sie sich jemals vorstellen könnte. Eine Zeitlang war ich richtig besessen von ihr. Sie war magisch – und sie gehörte mir."

Berry Gordy

1965 haben die Supremes vier Nummer-1-Hits in den USA. Sie veröffentlichen ein Country- & Western-Album, ein Weihnachts-Album und ein Tribute-Album für Sam Cooke. Und dann, schließlich, treten sie in der „Copa“ in New York auf, dem angesagtesten Club der damaligen Zeit. Die Supremes haben ihren Groove gefunden – und Diana Ross ist der Star.

Drei sind eine plus zwei

Die Supremes live

1966 sind Diana Ross, Florence Ballard und Mary Wilson ununterbrochen auf Tour. Auch wenn Diana Ross immer die Hauptstimme singt und die beiden anderen den typischen Antwort-Chor übernehmen, sind die Supremes aber immer noch eine Band. Das wird sich ändern, da der Sonderstatus von Diana Ross immer deutlicher wird.

Eines Abends gehen Mary und Florence zu Berry Gordy, ihrem Manager, und bitten um die Aufhebung des Ausgehverbots. Sie machen deutlich, dass dieses Verbot eigentlich nur Diana betrifft – weil Gordy eifersüchtig ist auf Männer, die ihr über den Weg laufen könnten. Und weil sie diejenige ist, die ihre Stimme schonen muss. „Alles, was wir tun, ist ‚Doobee-Doobee“, sagt Mary Wilson. Und spricht etwas aus, was längst allen klar ist.

Diana Ross & the Supremes

1967 dann wird das Trio umbenannt in „Diana Ross & the Supremes“. Die Rivalität zwischen Mary Wilson und Diana Ross wird immer größer. Florence Ballard beginnt zu trinken und wird durch Cindy Birdsong ersetzt.

Als das eingespielte Songwriter-Team Holland, Dozier, Holland, Motown Records verlässt und zu Capital wechselt, wagen die Supremes einen Sprung ins kalte Wasser: Sie veröffentlichen das Stück „Love child“ – ein Song über ein unehelich geborenes Kind – und haben damit Erfolg.

Diana Ross live

Dass die Geschichte dieses Songs bald sehr nahe an die Biografie von Diana Ross herankommt, zeigen die nächsten Ereignisse. Nach über zehn Jahren verlässt Diana Ross 1970 die Supremes und konzentriert sich ganz auf ihre Solokarriere. Die beiden Rest-Supremes tun sich mit Jean Terrell zusammen und veröffentlichen noch eine Weile weiter Platten als Supremes.

Und jetzt ohne Supremes

Als der Vorverkauf für das erste Diana-Ross-Solokonzert in Las Vegas mehr als schleppend verläuft, probiert Berry Gordy es mit einem Trick: Seine Mitarbeiter sprechen irgendwelche Leute auf der Straße an, bieten ihnen 20 Dollar dafür, dass sie zum Konzert kommen. Die eine Hälfte des in der Mitte auseinander gerissenen 20-Dollar-Scheins kriegen sie gleich, die andere Hälfte auf dem Konzert. Der Trick geht auf. Der Abend ist ein Erfolg – auch wenn Diana Ross die Wahrheit herausbekommt.

Kurz darauf trennen sich Ross und Gordy. Diana Ross heiratet 1971 Bob Silberstein und wird Mutter eines Mädchens, Rhonda. Deren Vater eigentlich Berry Gordy ist.

Noch eine Karriere

James Earl Jones (li.) und Diana Ross

Ihre Solokarriere läuft langsam, aber unaufhaltbar an. Neben ihren Schallplatten beginnt auch ihre Arbeit als Schauspielerin. Denn schon zu Zeiten der Supremes hatte es einen Kurzauftritt in der „Tarzan“-Fernsehserie mit James Earl Jones gegeben. Spätestens dadurch wurde ihre Lust geweckt, vor der Kamera zu stehen.

Und da kommt schon ein höchst interessantes Angebot daher: die Verfilmung von Billie Holidays Leben, „Lady sings the Blues“. Berry Gordy kämpft sehr dafür, dass Diana Ross die Hauptrolle bekommt. Denn natürlich gibt es viel Skepsis: „Diese dürre kleine Rock’n’Roll-Sängerin als Billie Holiday?“ oder „Billie Holiday hatte es schwer in ihrem Leben. Diana Ross nie!“.

And the Oscar goes to …

Trotz aller Schwierigkeiten kommt der Film im Oktober 1972 in die Kinos, produziert von Berry Gordy. Im Frühling drauf wird Diana Ross für ihre Darstellung sogar für einen Oscar nominiert. Sieht man die Anfangsszene von „Lady sings the blues“, wie Ross in eine Zelle gesperrt wird, dort schreit und dann von zwei Wärterinnen fixiert auf dem Boden liegt, die Augen weit aufgerissen, wird klar: Sie hat auch hier alles gegeben.
„Black“ – so Berry Gordys Kosename für Diana – ist nicht nur beautiful, sondern auch fest entschlossen, alles zu erreichen.

Nach “Lady sings the Blues” beginnt Diana Ross gleich die nächsten Dreharbeiten, „Mahogany“ mit Anthony Perkins. Der Film spielt in der Mode- und Designerwelt, es geht um den Aufstieg einer armen Begabten – gespielt von Diana Ross – und natürlich um romantische Liebe. Die Kritiker finden nicht viel Gutes an „Mahogany“, das Publikum liebt ihn wegen der Hauptdarstellerin.

Die Geschichte von Diana Ross ist nicht nur die Geschichte einer Frau, die alle Trophäen im Bereich des Pop abräumt: Nummer-1-Hits, Grammys, ausverkaufte Tourneen. Es ist auch die Geschichte von Befreiung und Selbstbehauptung einer Künstlerin. Wie sie selbst einmal gesagt hat:

"Natürlich braucht man Mentoren, aber am Ende musst du einfach nur an dich selbst glauben."

Diana Ross

Ein Ratschlag von Diana Ross, den sie selbst beherzigt hat. Nachdem sie 1970 das Korsett des Girlgroup-Pops ausgezogen hat, geht es auch um die Eigenverantwortung ihrer Alben. Bei „The Boss“ aus dem Jahr 1979 hat Diana Ross dann endlich auch alle Regler in der Hand: Sie gibt dem Songwriter-Team Ashford & Simpson genaue Anweisungen und lässt exakt nach ihren Wünschen produzieren. Und: Das Album ist sehr erfolgreich, besonders im Dance-Bereich.

Der Motown-Familienbetrieb

Auf diesem Album, „The Boss“, macht Diana Ross viele Jauchzer, die sehr an Michael Jackson erinnern, mit dem Diana Ross seit seinem Eintritt in die Motown-Familie 1969 eng befreundet ist. Überhaupt wirken die Motown-Stars – Diana Ross, die Supremes, die Temptations, die Jacksons, Smokey Robinson, Stevie Wonder, Marvin Gaye – wie eine große Gemeinschaft von sehr talentierten Menschen.

Und es hat auch viel musikalisches Miteinander gegeben, etwa zwischen Supremes und Temptations oder auch das Album „Diana and Marvin“. Wie groß dieser Zusammenhalt ist, zeigt der Song „Pops we love you“ – gesungen von Diana Ross, Stevie Wonder, Marvin Gaye und Smokey Robinson. Und Pops ist niemand anderer als der Vater von Motown-Chef Berry Gordy.

Oben angekommen: Diana

Den Höhepunkt ihrer Solokarriere erreicht Diana Ross 1980 mit dem Album „Diana“: Disco-Hits wie „Upside Down“ und „I’m coming out“, komponiert von Nile Rodgers und Bernard Edwards, gehen um die ganze Welt. Der Erfolg macht sie noch mutiger: Vielleicht beflügelt von einer neuen Liebe – Gene Simmons von Kiss – kündigt Diana Ross bei Motown und fängt mit einem Millionen-schweren Vorschuss beim Plattengiganten Capitol an.

Ihre nächsten Alben sind erfolgreich: Es gibt ein Duett mit Lionel Richie, den Überhit „Chain Reaction“, geschrieben von den Bee Gees, ebenso wie Kompositionen von Michael Jackson und Stevie Wonder, die Diana Ross zu Hits macht. 1989 kehrt sie zu ihrer alten Plattenfirma Motown zurück. In den Neunzigern dann verabschiedet sie sich langsam in ihren Diven-Elfenbeinturm und macht die Welt mit immer wieder neu zusammengestellten Compilations zufrieden.

Am 26. März 2014 feiert Diana Ross ihren 70. Geburtstag. Sie ist Mutter von fünf Kindern und auch schon Großmutter eines Enkelkinds, und natürlich kann Diana Ross auf eine großartige Karriere im Pop- und Dance-Bereich zurücksehen.


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