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Neuerscheinungen der Woche Neue Alben von Lana del Rey, Aracde Fire & Owen Pallet, DJ Hell & Jonathan Meese, Katy Kirby

Die Neuheiten der Woche im Überblick. Mit dabei sind Lana Del Rey, DJ Hell und Jonathan Meese, Black Honey, Arcade Fire & Owen Pallet, A.A. Williams, Katy Kirby und Teno Afrika.

Von: Matthias Hacker

Stand: 18.03.2021

Lana Del Rey, Chemtrails Over The Country Club | Bild: Interscope Records/Polydor Records

Katy Kirby – Cool Dry Place

Früher hat die texanische Songwriterin viel in Kirchen gesungen. Davon ist in Songs wie Traffic nicht mehr viel zu hören. Hier legt sie stattdessen einen Hauch Vocoder auf ihre Stimme. Katy Kirby wechselt Folk-Songs und Indie-Pop-Hits ab. Auf der einen Seite sind die akustischen Songs melancholisch und schwer, auf der anderen die Indie-Pop-Songs ganz fluffig. Kirby kann beides. Wer Phoebe Bridgers mag, ist bei Katy Kirby gut aufgehoben. (7 von 10 Punkten)

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Katy Kirby "Traffic!" [official music video] | Bild: Keeled Scales (via YouTube)

Katy Kirby "Traffic!" [official music video]

Gentleman’s Dub Club – Down To Earth

Der Gentlemans Dub Club ist eine Combo aus Leeds. Sie machen zwar Dub, Reggae und Dancehall, haben aber nichts mit dem deutschen Sänger Gentleman zu tun. Down To Earth heißt das neue Album der acht Gentlemen. Auch wenn es der Bandname verspricht, die neue Platte ist nicht wirklich ein Dub Club. Der Feelgood-Reggae steht hier schon deutlich mehr im Vordergrund. Es gibt auch Ska und etwas Dancehall. Ich mag das Stück „More Than Memories“ besonders. Hier sind noch verhältnismäßig viele Dub-Elemente und Effekte zu hören. Mit Uplifting Reggae wollen sie uns fast zur guten Laune zwingen, wenn sie im Feelgood-Song „Smile“ erklären, dass alles gut sei, wenn man nur lacht. Ich finde solche Passagen eher albern und mag es, wenn die Platte ernsthafter ist. Dazu ist „Down To Earth“ zu glatt und gefällig abgemischt. Wer anspruchsvollen Dub will, hört sich lieber alte Lee Scratch Perry Platten, der ja by the way am 20.03. 85 wird.  (5 von 10 Punkten)

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Down to Earth (feat. Josh Skints) | Bild: Gentleman's Dub Club - Topic (via YouTube)

Down to Earth (feat. Josh Skints)

Black Honey – Written & Directed

Black Honey aus Brighton veröffentlichen ihr zweites Album. Sängerin Izzy Phillips sagt dazu: „Ich habe dieses Album für junge Frauen gemacht, damit sie rausgehen und sich unbesiegbar fühlen“. Der Albumtitel „Written & Directed“ deutet es schon an. Die Band hat ein Faible für Cineastisches. Das merkt man auch ihren Videos an, die gern mal im Tarantino-Style gedreht sind. Aber auch musikalisch haben es ihnen früher Ennio Morricone oder der Vintage-Sound von Lana Del Rey angetan. All diese Referenzen klingen an. Am Ende ist „Written & Directed“ eine solide Alternative-Rock-Platte. (6,5 von 10 Punkten)

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Black Honey - Believer (Official Music Video) | Bild: BLACKHONEYVEVO (via YouTube)

Black Honey - Believer (Official Music Video)

Lana Del Rey - Chemtrails Over The Country Club

Apropos Lana Del Rey. „Chemtrails Over The Country Club“ ist das siebte Album der New Yorker Vintage-Sängerin. Sie bleibt ihrem Stil treu und ihre Musik ist einfach der vertonte Sepia-Filter auf Instagram. In die warmen Vintage-Farben mischen sich aber auch kühle Klangfarben. Musikalisch setzt Lana Del Rey den Ton der Platte gleich mal mit dem sehr zarten Albumopener „White Dress“. Falsettgesang und fragil gehauchte Passagen. Das erinnert an Kate Bush. Sie verzichtet größtenteils auf das dunkle, tiefe Timbre, das man aus ihrem Hit „Video Games“ kennt. Dafür hören wir Anflüge von Gospel und Country. „Chemtrails Over The Country Club“ ist ein leises, getragenes und gutes Album. (7,5 von 10 Punkten)

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Lana Del Rey - Chemtrails Over The Country Club (Official Music Video) | Bild: LanaDelReyVEVO (via YouTube)

Lana Del Rey - Chemtrails Over The Country Club (Official Music Video)

Teno Afrika – Amapiano Selections

Der 23-jährige Producer und DJ Teno Afrika ist in den Townships von Pretoria und Johannesburg aufgewachsen und hat mit seinen 23 Jahren den Aufstieg des Genres „Amapiano“ miterlebt und mitgeprägt. „Amapiano“ ist in den letzten zehn Jahren aus den Townships und dem Underground heraus über Social Media in ganz Südafrika und im Mainstream erfolgreich geworden. Jetzt entdecken auch internationale DJs das House-Subgenre. „Amapiano“ ist eine Mischung aus jazzy Pianosamples, Basslines wie im Kwaito und Deep House Synthies. Darunter liegen groovy Rhythmen. Auf den Amapiano Selections versammelt Teno Afrika viele junge Akteur*innen der lokalen Szene. Bis auf ein Stück der Platte sind alles Instrumentals. Damit will er die Musik in all seinen Facetten in den Vordergrund stellen. (7,5 von 10 Punkten)

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Teno Afrika — Lerato La Bass | Bild: Awesome Tapes From Africa (via YouTube)

Teno Afrika — Lerato La Bass

A.A. Williams – Songs From Isolation

Erst vor einem dreiviertel Jahr hat A.A. Williams ihr Debüt „Forever Blue“ veröffentlicht. Jetzt legt sie mit „Songs From Isolation“ schon nach. Nomen est omen, sozusagen. Die Britin hat „Songs From Isolation“ im Lockdown aufgenommen. Sie hat ihre Fans gebeten, ihr Songvorschläge für Coverversionen zu schicken. Die Fans wünschten sich beispielsweise den „Lovesong“ von The Cure, „Be Quiet And Drive“ der Deftones, „Where Is My Mind“ von den Pixies oder Nick Cave's „Into My Arms“. Der Radiohead-Hit „Creep“ bekommt in ihrer verlangsamten Pianoversion noch etwas mehr Moll und Missmut. Sie macht sich die Songs durchaus zu eigen. So verlangsamt und dramatisiert sie mit ihrer Stimme. Aber ich finde solche Interpretationen am Klavier etwas müßig und langweilig. Das sind sehr naheliegende und einfallslose Interpretationen, die ihr hier auch nicht wirklich gelingen. Es macht es nicht einfacher, wenn man auch nur Überhits von Rockstars interpretiert. Außerdem ist die Idee auch nicht mehr neu. Eine Maricka Hackman hat auch erst so eine Lockdown-Coverplatte veröffentlicht. Auch sie ist an den großen Originalen gescheitert. Manche Songs dürfen gerne weiter in der Isolation bleiben. (5 von 10 Punkten)

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A.A. WILLIAMS // SONGS FROM ISOLATION - Lovesong (The Cure) | Bild: A.A. WILLIAMS (via YouTube)

A.A. WILLIAMS // SONGS FROM ISOLATION - Lovesong (The Cure)

DJ Hell x Jonathan Meese - Hab Keine Angst, Hab Keine Angst, Ich Bin Deine Angst

DJ Hell und der polarisierende Maler Jonathan Meese haben ein gemeinsames Album gemacht. Hell steuert die Instrumentals bei und Meese die rudimentären Textfetzen, die er flüstert, raunt, schreit oder grunzt. Es sind improvisierte Zeilen wie „Liebe endlich Liebe“, „Kunst ist Chef“ oder „Kunst ist eine Notwendigkeit“, die er wie Mantren auf die Tracks von DJ Hell betet. Noch skurriler wird es, wenn dann auch noch Jonathan Meeses 91 Jahre alte Mutter dazu stößt. Ihr schmettert der Sohn seine Verehrung in Zeilen wie „Liebe, Liebe, Mammi, liebe Mutter, Mutterliebe“ entgegen. Frau Meese steuert auch ein paar Zeilen auf dem Album bei. Der Sound von DJ Hell ist stark, die Gesangs-Performance der Mutter-Kind-Gruppe Meese polarisiert. Aber das war ja irgendwie auch klar, und ist auch die Stärke eines Jonathan Meese. (6 von 10 Punkten)

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MEESE x HELL - Dr No | Bild: DJ Hell (via YouTube)

MEESE x HELL - Dr No

Kraut Jazz Futurism – Vol.2 (by Mathias Modica)

Mathias Modica kennt man als Musiker mit dem Projekt Munk und seinem House-Label Gomma. Seit 2018 kümmert er sich mit dem neuen Label "Kryptox“ verstärkt um Künstler*innen im Bereich Kraut, Jazz und Electronica. Dort erscheint nun auch die zweite Ausgabe der Compilation "Kraut, Jazz, Futurism". Volume 1 ist 2019 erschienen. Jetzt stellt Modica 15 neue Bands aus Deutschland vor, die auf ihre innovative Art Jazz mit Electronica, Afro, Krautrock, House oder Hip-Hop verbinden. Darunter das Münchner Projekt Le Millipede oder auch das spannende Hamburger Trio Love-Songs. Wer musikalischen Entdeckergeist besitzt, findet hier viele neue musikalische Ansätze und Bands. (7,8 von 10 Punkten)

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Andromeda Mega Express Orchestra - J Schleia | Bild: Kryptox (via YouTube)

Andromeda Mega Express Orchestra - J Schleia

Bell Orchestre – House Music

Neben ihrer Hauptband Arcade Fire spielten Sarah Neufeld und Richard Reed Parry in einer Art Miniorchester. Projektname: Bell Orchestre. Nach zehn Jahren Pause erscheint nun das neue Album „House Music“. Es ist das Ergebnis langer Jam- und Improsessions. Da vermutet man gleich, dass sich das Orchester in technischem Jam-Geschwurbel verzettelt. Aber hier nicht: „House Music“ ist sehr dicht und stringent – gar nicht fahrig. Das spricht für die Professionalität des Orchesters. Wir hören mal sanften Jazz, des Öfteren wird er mit Streichern, Bläsern, Electronica und der Schlagwerkerei ganz schön imposant. (7,5 von 10 Punkten)

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Bell Orchestre - V: Movement (Official Music Video) | Bild: Erased Tapes (via YouTube)

Bell Orchestre - V: Movement (Official Music Video)

Arcade Fire & Owen Pallett – Her (Original Soundtrack)

Und wir bleiben bei Arcade Fire, kommen aber zu einem anderen Projekt. Arcade Fire und ihr langjähriger Live-Geiger Owen Pallett haben 2012 den Soundtrack für den Film „Her“ komponiert. Im Film verliebt sich der schüchterne Protagonist, gespielt von Joaquin Phoenix, in die Künstliche Intelligenz namens Samatha, die von Scarlett Johansson gesprochen wird. „Her“ wurde ganz ruhig von Regisseur Spike Jonze erzählt und besticht durch seinen filmischen, aber auch musikalischen Ton. Daran hat auch der Soundtrack großen Anteil. Die Lieder von Arcade Fire und Owen Pallett sind ruhige, atmosphärische Pianostücke mit kleinen Geigenmotiven. Beim Hören hat man sofort wieder die warmen roten Farben des Films vor Augen. (7,5 von 10 Punkten)

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Arcade Fire and Owen Pallett Scoring Spike Jonze's Her | Bild: Arcade Fire (via YouTube)

Arcade Fire and Owen Pallett Scoring Spike Jonze's Her


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