Bayern 2 - Nachtmix


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Neuerscheinungen der Woche Neue Alben von Kings Of Leon, PeterLicht und Jane Weaver

Die Neuheiten der Woche im Überblick. Mit dabei sind u. a. Adult Mom, Kings Of Leon, Arab Strab, PeterLicht, Regener, Pappik, Busch (Element of Crime), Jimbo Mathus & Andrew Bird, Billy Nomates, Ian Sweet und Jane Weaver.

Von: Thomas Mehringer

Stand: 04.03.2021

Cover: Jane Weaver - Flock | Bild: Fire-Records

Kings Of Leon – When You See Yourself

Ich kann selten bis nie über die Kings Of Leon sprechen, ohne zu rekapitulieren, woher diese Band kommt: Drei Brüder, die Followills, ein Cousin, der Vater und Mentor Wanderprediger, gegründet in Nashville, die ersten drei Alben waren fantastisch, rough, pure Energie, purer Rock'n'Roll, dann der Switch hin zum Pop, die Verführungen des Erfolgs, Top-Model-Freundinnen, Kings Of Leon auf dem Weg, die neuen U2 zu werden. Und seit dem letzten Album sind sie da auch angekommen, das mediokre “Walls” war ihre erste Nummer 1 in den Billboard-Charts. Die Kings Of Leon gelten als eine der letzten Bands, für die noch die Größte-Band-der-Welt-Mechanismen der good old days gelten. Worauf ich jetzt warte: Rückbesinnung auf die Anfangstage. Mit dem neuen Album “When You See Yourself” gelingt das nicht ganz, aber die Followills brechen aus ihrem Gefängnis aus und liefern ein sehr gelungenes Mainstream-Rock-Album. Ich warte weiter auf die Roughness der Anfangstage, aber wenn wir uns ehrlich sind, wird die nie wieder kommen.  (6,5 von 10 Punkten)

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Kings Of Leon - The Bandit (Official Video) | Bild: kingsofleonVEVO (via YouTube)

Kings Of Leon - The Bandit (Official Video)

Billy Nomates – Emergency Telephone EP

“It’s raining in my heart” singt Billy Nomates im Song „Emergency Telephone“, Wolkenbruch im Herzen. Ich will hier niemanden hypen, aber doch, eigentlich will ich das: Billy Nomates gehört gehypt. Nun veröffentlicht die junge Britin eine neue EP, mit drauf der großartige Song “Heels”, mit dem sie auf Platz zwei der Zündfunk Redaktionshitparade war. Auf Platz 1 waren die Sleaford Mods, mit einem Song, der sie gefeatured hat. Ihr merkt: Der Hype ist schon im vollen Gange. Billy Nomates bringt ähnlich wie die Sleaford Mods gerne Missstände auf den Punkt. Das tut oft weh, aber weghören ist hier keine Option. Die neue “Emergency Telephone”-EP ist toll, ich freu mich schon sehr auf ein neues Album von Billy Nomates. (7,5 von 10 Punkten)

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Billy Nomates - Emergency Telephone EP Live from The Louisiana | Bild: Billy Nomates (via YouTube)

Billy Nomates - Emergency Telephone EP Live from The Louisiana

PeterLicht – Beton und Ibuprofen

Ein Freund von mir sagt immer: Jemand, der PeterLicht nicht in einem Wort schreibt, den kann ich nicht ernst nehmen. Tatsächlich wird das Alter Ego des Kölners Meinrad Jungblut schon immer zusammengeschrieben. Aber die Googlesuche ist schlau und verzeiht den Faux Pas. Darum singt PeterLicht wohl auch  “Die Technik wird uns retten”. Okay. Er singt es ironisch. Sein neues Album “Beton und Ibuprofen” gleitet zwischen Larmoyanz und Lakonie - und wird so zum besten PeterLicht-Album seit langer Zeit. Jungblut singt über seine Depressionen mit toll-traurigen Zeilen wie: “Wenn die Dämonen kommen, ist jeder, der ein Mensch ist, ein Freund”. In einer gesellschaftsverändernden Krise, in der wir alle PeterLichts Lieder vom Ende Kapitalismus singen sollten, überrascht dieser mit einem experimentellen, poetischen Album, das mich zum Fan machen würde, wenn ich nicht schon einer wäre. (8,2 von 10 Punkten)

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PeterLicht - Die Technik wird uns retten (Official Video) | Bild: Tapete Records (via YouTube)

PeterLicht - Die Technik wird uns retten (Official Video)

Arab Strap – As Days Get Dark

Heutzutage spricht man immer öfter Triggerwarnungen aus, also man warnt davor, dass man von dem nachfolgenden Inhalt verletzt werden könnte. Im Falle von Arab Strap muss an dieser Stelle eine Triggerwarnung für Menschen, die sehr unter der Pandemie leiden, unter Depressionen oder Existenzängsten. Die Comeback-Platte der beiden Schotten Aidan Moffat und Malcolm Middleton zeigt wenig Sonnenschein, eigentlich nur graue und dunkle Wolken. Sie sagen selbst, es geht um Hoffnungslosigkeit und Dunkelheit, sie ergänzen aber: “in a fun way”. Da ist es dann doch: Das rettende Seil vorm freien Fall namens Humor. Humor in der Krise - so wichtig. Arab Strap zeigen, dass sie es nach 15 Jahren Albumpause immer noch ganz gut können, diesen Spoken Word-Indie-Pop, der uns in dieser dunklen Zeit dann doch immer mal wieder zum Schmunzeln bringt. (7,2 von 10 Punkten)

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Arab Strap // Compersion Pt.1 (Official Audio) | Bild: Arab Strap (via YouTube)

Arab Strap // Compersion Pt.1 (Official Audio)

Jane Weaver – Flock

Die aus Liverpool stammende Britin Jane Weaver macht laut eigener Beschreibung "pop music for post-new-normal times" - also übersetzt: Popmusik für die neue Normalität, mit der wir uns täglich auseinandersetzen müssen. Diese Selbstzuschreibung passt ziemlich gut. Weiter sagt Jane Weaver: Jeder und jede ist gerade erschöpft von Social Media, von Ungleichheit und der toxischen Männlichkeit der Regierungschefs, die das Sterben des Planeten beschleunigt. Damit wären auch alle Themen genannt, die sie auf dem Album “Flock” verhandelt. Musikalisch ist die Platte unheimlich spannend. Die Sphären und Ebenen, die sie in ihre Songs einarbeitet, die suchen ihresgleichen. Eine große Hörempfehlung geht in die Richtung von Jane Weaver. (8,5 von 10 Punkten)

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Jane Weaver - Heartlow (Technicolour Video) | Bild: firerecordings (via YouTube)

Jane Weaver - Heartlow (Technicolour Video)

Ian Sweet – Show Me How You Disappear

Hinter Ian Sweet steckt die Songwriterin Jilian Medford, sie gehört zu der Generation, die ganz offen mit ihren Depressionen, Panik-Attacken und anschließenden Therapien umgeht. Auch ihr neues Album “Show Me How You Disappear” ist ein Therapie-Album, wenn man so will. Songs, die Ängste beschreiben und - im besten Fall - besiegen. Ian Sweet nimmt einen hautnah mit auf die Auf und Abs ihrer Psyche. Das ist empowernd und in den besten Momenten unglaublich intim. Erinnert mich an Big Thief - aber in poppig. (6,9 von 10 Punkten)

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IAN SWEET - Show Me How You Disappear [OFFICIAL UNBOXING VIDEO] | Bild: Polyvinyl Records (via YouTube)

IAN SWEET - Show Me How You Disappear [OFFICIAL UNBOXING VIDEO]

The Fruit Bats – The Pet Parade

Ich muss zugeben, die Fruit Bats um Eric D. Johnson sind so eine Band, die ich gerne einfach mal aus meiner Musikbibliothek im Hirn rausstreiche, nur um mich beim Hören des nächsten Albums wieder zu fragen: Ach, die gibt's auch noch. Die Fruit Bats haben einen Mastermind mit einzigartiger Stimme, gutes Songwriting, Melancholie schwingt auch immer mit, aber Eric D. Johnson hat den großen Durchbruch mit seiner Band auch nie wirklich forciert. So ist auch ihr achtes Album “The Pet Parade” eine solide Darbietung, solider Folk-Rock zum sofort Verlieben - aber für eine längere Beziehung hat’s einfach nie gereicht. (6,4 von 10 Punkten)

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Fruit Bats – The Balcony (Official Music Video) | Bild: Fruit Bats (via YouTube)

Fruit Bats – The Balcony (Official Music Video)

Adult Mom – Driver

Die Band Adult Mom um Stevie Knipe hatte einen Doppel-B-Ursprung: Bedroom und Bandcamp. Stevie Knipe hat 2012 im heimischen Schlafzimmer mit dem Musikmachen angefangen, später dann auf Bandcamp veröffentlicht, bevor der erste Plattenvertrag kam. Stevie ist eine nicht-binäre Person. Das dritte Album “Driver” ist ein Soundtrack für eine fiktive queere Rom-Com. Oder anders gesagt: ein Coming-Of-Age-Album für Menschen, die nach ihrer Ausbildung sagen: Und was jetzt? Das liegt musikalisch zwischen Kate Nash und Waxahatchee - und ist tatsächlich sehr kurzweilig. Adult Mom liefert eine wirklich sehr nette kleine Platte ab. (7 von 10 Punkten)

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Adult Mom  - "Checking Up" | Bild: Epitaph Records (via YouTube)

Adult Mom - "Checking Up"

Jimbo Mathus & Andrew Bird – These 13

Das Außergewöhnliche am neuen Album der alten Squirrel Nut Zippers-Buddies Jimbo Mathus und Andrew Bird ist, dass sie es unter Corona-Bedingungen aufgenommen haben, als es noch gar kein Corona gab. Nach 25 Jahren musikalischer Pause haben die Freunde 2018 angefangen, sich Sprachnotizen hin und her zu schicken. Anfang 2019 dann der erste Aufnahme-Schwung, ein Jahr später zu Beginn der Pandemie die zweite Session. Rausgekommen ist ein Country-Album alter Schule, mit Referenzen an Hank Williams, die beiden tollen Stimmen immer schön nach vorne gemischt, abwechselnd mit dem Fiedeln und Knarzen des Banjos. Spätestens wenn der gospelige Harmonie-Gesang einsetzt, dann haben sie mich, zwei der besten Songwriter ihrer Generation. (8 von 10 Punkten)

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Jimbo Mathus & Andrew Bird - Encircle My Love (Live) | Bild: andrewbirdmusic (via YouTube)

Jimbo Mathus & Andrew Bird - Encircle My Love (Live)

Regener, Pappik, Busch – Ask Me Now

Ich habe zuletzt mit Sven Regener über den Element Of Crime-Podcast gesprochen, wo er mir erzählt hat, dass er die Erinnerungen und Recherchen für den Podcast genutzt hat, alle Credits bei den alten Platten sauber zu ergänzen. Wer hat wann wie mitgespielt. Ich dachte mir da schon: Diese Akribie ist doch eigentlich nur im Jazz üblich. Zu der Zeit hat Sven schon viel Jazz gehört und gespielt, nämlich John Coltrane, Thelonious Monk, Charlie Parker, Billie Holiday, die Klassiker. Denn der Plan war: ein eigenes Jazz-Album, nicht als Element Of Crime, aber mit Crime-Drummer Richard Pappik und Akkordeonspieler Ekki Busch, zusammen sind sie Regener, Pappik, Busch. Es kann manchmal so einfach sein. Auf dem Coveralbum “Ask Me Now” ist Regeners Trompete der Superstar, Pappik groovt mit Besen und Hot Rods über die Drums und Busch überzeugt am Piano. Gelungene Fingerübungen und Reminiszenzen an Regeners verstorbenen Trompetenlehrer: Eckfrid von Knobelsdorff. (8,2 von 10 Punkten)

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Regener Pappik Busch - Don't Explain | Bild: RPBVEVO (via YouTube)

Regener Pappik Busch - Don't Explain


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