Bayern 2 - Nachtmix


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Neuerscheinungen der Woche Neue Alben von Future Islands, Emmy The Great, Curtis Waters und Machinedrum

Die Neuheiten der Woche im kompakten Überblick. Neue Platten gibt's unter anderem von Future Islands, Emmy The Great, Curtis Waters, Slow Pulp, Budos Band, Machinedrum, Charles Webster und Minda Tindle.

Von: Ralf Summer

Stand: 08.10.2020 18:14 Uhr

Cover von "A View Of U" | Bild: Boomkat

BUDOS BAND – Long In The Tooth

Seit 15 Jahren veröffentlicht die US-Retro-Soul-Formation nun schon Platten. Auf dem passenden Label dafür: auf Daptone Records, New York. Die Budos Band wurde auch schon gern gesampelt: von den Black Eyed Peas oder der Earthgang zum Beispiel, und Madonna lud sie als Live-Band zu ihrer Geburtstagsfeier. Auf ihrem sechsten Album gibt es auch viel Afro und Psychedelic. An „Long In The Tooth“ waren acht Musiker beteiligt. „Soviel Spass hatten wir noch nie“, sagt Trompeter Andrew Greene. „Die Musik kam ohne Mühe aus uns“, ergänzt Drummer Brian Profilio. Das ist in diesen Tagen ja nicht gerade selbstverständlich. (7,4 von 10 Punten)

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The Budos Band - Long in the Tooth | Bild: DaptoneRecords (via YouTube)

The Budos Band - Long in the Tooth

BASTIEN KEB – The Killing of Eugene Peeps

Eine einnehmende Mischung aus Italo-Soundtracks und Bon Iver, beziehungsweise Nick Cave-mäßigen Gesang, der vom US-Singer-Songwriter Will Morrison stammt. Und in der Tat ist die neue Platte des britischen Multi-Instrumentalisten Bastien Keb eine Hommage an italienische und französische Filme der 60er, an die Scores der Nouvelle Vague und vor allem des Giallo („dschallo“). Der Giallo war eine italienische Art des Horror-Thrillers und gilt als Vorläufer der heute beliebten Slasher-Filme. Zwischen den Soundtrack-artigen Instrumentals führt ein Erzähler durch den von ihm ausgedachten Film „The Killing of Eugene Peeps“. Kebs Musik-Mix aus Score, Psychedelic-Folk und flirrendem Soul macht neugierig auf mehr: Schließlich hat er schon zwei Alben und eine EP vor dieser Platte veröffentlicht. Man wünscht Bastien Keb endlich mal einen richtigen Filmmusik-Auftrag.  (7,3 von 10 Punkten)

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Bastien Keb - Lucky (Oldest Grave) | Bild: Gearbox Records (via YouTube)

Bastien Keb - Lucky (Oldest Grave)

FUTURE ISLANDS – As Long As You Are

Bekannt wurden sie durch ihr stürmisches „Seasons (Waiting On You)“: Als sie den Hit 2014 bei David Letterman vorstellten und sich Sänger Samuel T Herring am Ende des Auftritts auf die Brust schlug und wie ein Metal-Sänger brüllte. Die US-Band Future Islands gehört seitdem zu den beliebtesten Indie-Formationen. Die Folge: Dauertouren, Selbstzweifel und Burnout. Der Mann mit der ungewöhnlichen Stimme ist nun zu seiner neuen Partnerin gezogen, nach Malmö, wie er den ARD-Kollegen von „Titel Thesen Temperamente“ im Interview sagte. Das neue Future Islands-Album, handelt von Liebe und Vertrauen, wie Herring sagt: „´As Long As You Are´ ist eine Art Homecoming-Platte“. Toll: „For Sure“ - also wieder eine Uptempo New Wave-Synhie-Pop-Nummer. Überhaupt sind die schnellen Stücke noch energetischer und die Balladen noch zurückgenommener, ja kitschiger. Es endet mit einem Stück, über „das Gehen im Guten“ und beginnt mit dem Selbstwertgefühl, geliebt zu werden bzw bedingungslos zu lieben. (7,2 von 10 Punkten)

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Future Islands - For Sure (Official Video) | Bild: Future Islands (via YouTube)

Future Islands - For Sure (Official Video)

JAY ELECTRONICA – Act II: The Patents of Nobility (The Turn)

Lange Jahre hat er es zurückgehalten, jetzt ist sein Debüt wohl „geleakt“, wie es heißt: „Act II: The Patents of Nobility (The Turn)“ ist in den Jahren 2010-2012 enstanden. Und nun erst auf Tidal und Youtube veröffentlicht worden. Aber ganz offiziell via Roc Nation Records – sprich Jay Z´s Label. Es ist somit bereits das zweite Album, das der US-Produzent+Rapper Jay Electronica heuer „veröffentlicht“. Der aus New Orleans HipHop-Künstler legt Mix-Tape-artiges Werk, auf dem er – wie auch auf seinen Singles / Maxis das Mirko gern Kollegen überlässt. Wie z.B. seinem Freund und Förderer Jay-Z, der auch die andere Jay Electronica-Platte veröffentlicht hat: „A Written Testimony“ kam erst im März raus. Und vielleicht liegt es an Jay-Z oder an Charlotte Gainsbourg, dass er den feisten Sample-Track „Bonnie & Clyde“ nun offiziell veröffentlichen kann, bei dem das Original von Papa Serge Gainsbourg doch sehr, sehr lange freisteht, bevor losgerappt wird. MC Solaar hat das markante Sample in den 90ern bei seiner Rap-Version noch mehr zu verstecken versucht. Das 2007 erstmals angekündigte und nun 13 Jahre später aufgetauchte Album hat viel Melodie & Klasse - kommt aber nicht an sein Meisterwerk vom Frühjahr heran. (7,5 von 10 Punkten)

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Jay Electronica - Real Magic (feat. Ronald Regan)  [Act. II: The Patents of Nobility] | Bild: Lost Art (via YouTube)

Jay Electronica - Real Magic (feat. Ronald Regan) [Act. II: The Patents of Nobility]

THE TWILITE TONE - The Clearing

Er war schon mehrfach für Grammies nominiert – Anthony Khan hat schon viel für den ebenfalls aus Chicago stammenden Rapper Common gearbeitet. Und auch Kanye West und die Gorillaz waren beteiligt. Sein Solo-Projekt nennt Khan The Twilite Tone. In Anlehnung an die berühmte Sci-Fi-Serie „Twilight Zone“. „The Clearing“ ist sein spätes Debüt, dabei ist er schon seit Ende 80er dabei. Der Sound kommt hauptsächlich aus dem Sampler und einem Moog-ähnlichen Modul - und hat viel von den Eighties: Grooves aus Funk, HipHouse, Electro Boogie und Oldschool-HipHop erleben hier eine fröhliche Wiederkehr. Vor allem der Uptempo-Track „Taxi Cab Confessions“ bleibt hängen. Passt zum Stones Throw Label. (7,0 von 10 Punkten)

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The Twilite Tone - Baby Steps | Bild: Stones Throw (via YouTube)

The Twilite Tone - Baby Steps

CHARLES WEBSTER – The Spell (Burial Mix)

Seit 2001 hat der englische DJ-Produzent kein Album mehr unter eigenem Namen veröffentlicht – im November wird Charles Webster nun wieder eine Platte vorlegen. Und weil das britische Dubstep-Wunderkind Burial von ihm beeinflusst ist, revanchiert er sich nun: er hat einen Track des Webster-Werks geremixt: The Spell. Burial hat die Sprechstimme von Isabel Chavez in seine Knisterbeats eingebaut. Chavez, eine Freundin von Prince, ist „The Spirit Child“ auf dessen „Lovesexy“-Album – und spätere Frau von David Sylvian. Man darf gespannt sein, wie ihr Poem im Original-Stück bei Webster klingt, das morgen erscheint. (8,5 von 10 Punkten)

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The Spell (Burial Mix) (feat. Ingrid Chavez & Burial) | Bild: Charles Webster - Topic (via YouTube)

The Spell (Burial Mix) (feat. Ingrid Chavez & Burial)

MACHINEDRUM – A View of U

Zwischen HipHop-Beats, Drum´n´Bass und Breakbeats bewegen sich die Song-Gerüste des US-Produzenten Machinedrum. Instrumental mag ich ihn, bin jedoch leider kein Fan von Elektronik-Platten der vielen, abwechselnden Stimmen am Mikro, so dass man es eher mit einer Playlist als mit einem konsistenten Album zu tun hat. Wie hier bei der neuen, der neunten Machinedrum namens „A View of U“. Auch wenn Leute wie Freddie Gibbs oder Jesse Boykins III als MCs zu hören sind. Travis Stewart, so der Musiker hinter Machinedrum, hat aber nach 20 Jahren im Platten-Business gute Gründe mehr mit Stimmen zu arbeiten: Vocal-Tracks sind meist beliebter, weil sie besser hängen bleiben. (6,9 von 10 Punkten)

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Machinedrum - 'Spin Blocks (feat. Father)' (Official Audio) | Bild: machinedrum (via YouTube)

Machinedrum - 'Spin Blocks (feat. Father)' (Official Audio)

CURTIS WATERS – Pity Party

Er ist auf dem Dach er Welt geboren - in Nepal - und will vermutlich auch hoch hinaus in den Charts: der Selfmade-Musiker Curtis Waters legt mit „Pity Party“ ein sehr kommerzielles Debüt vor: allein der Vorab-Song „Stunnin´ feat. Harm Franklin“ hat schon über 300 Millionen Streams. Manchmal wird sein Pop-Rap-Autotune-RnB-Dance-Sound auch rotzig wie in „System“. Der in Deutschland und Kanada Waters lebt nun in den USA – mit seinem jüngeren Bruder. Anfangs verkaufte er Beats, nun mit 20, will er es selbst wissen. Da will jemand einfach nur ab durch die Mitte. (6,5 von 10 Punkten)

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Curtis Waters - Stunnin' ft. Harm Franklin (Official Video) | Bild: Curtis Waters (via YouTube)

Curtis Waters - Stunnin' ft. Harm Franklin (Official Video)

EMMY THE GREAT – April / 月音

Sie schreibt den chinesischen Titel ihrer Platte hinter den Englischen: April / 月音. Die in Hongkong geborene Songwriterin Emma-Lee Moss hat eine chinesische Mutter und einen englischen Vater. In den 90ern fuhr sie im Zug um einem Plattenladen Indie-LPs von Bands wie den Lemonheads oder Weezer zu kaufen. Zurück in England wurde sie Teil der neuen Brit-Folk-Szene. Sie nahm schon mit Kate Nash, Dan Le Sac oder David Byrne auf. Doch ihre neue Platte ist von allem zu viel: nett und glatt und süß und dicke harmonisch. (6,6 von 10 Punkten)

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Emmy The Great - Chang-E | Bild: EmmyTheGreatVEVO (via YouTube)

Emmy The Great - Chang-E

SLOW PULP – Moveys

Emily Massey und ihre drei Jungs aus Madison, Wisconsin. Es ist ihr Debüt als Slow Pulp, die sich schon seit Schultagen kennen. Während der Aufnahmen mit Musiker (Sandy) Alex G als Produzent, erkrankte Emily an Lyme-Borreliose und chronischem Drüsenfieber. Dazu wurden ihre Eltern in einen schweren Autounfall verwickelt. Doch weil sich das Quartett schon so lange kennt, hielten sie zusammen. In Dads Heimstudio wurde nach dessen Genesung auch aufgenommen: Michael Massey ist auf einem Song am Klavier zu hören. Und es hat sich gelohnt für Slow Pulp: ihr Shoegaze-Pop und Indie-Rock ist auch was für die vielen Fans von Big Thief. Würde mich freuen, in besseren Zeiten mehr von ihnen zu hören. Der Albumtitel ist kein Rechtschreibfehler und meint nicht „Movies“. Es ist ein erfundenes Wort: „eine Einladung zum Tanzen“. Move it! (7,1 von 10 Punkten)

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Slow Pulp - Montana (Official Audio) | Bild: Slow Pulp (via YouTube)

Slow Pulp - Montana (Official Audio)

METZ – Atlas Vending

Zwischen knapp zwei und acht Minuten pogen diese Kanadier auf ihrer neuen Platte: Metz verhandeln auf ihrer viertem Album „Atlas Vending“ Themen wie Angst, Isolation, Paranoia und Sucht. Und das alles unter der drückenden Covid-Stimmung: „Etwas, das dem, was wir als Menschen sind, immanent ist, wurde uns genommen“, sagen sie: „wir möchten dieses Gefühl so sehr wiederfinden, die Welt für einen Moment vergessen und ein brandneues Album, das wir sehr lieben (plus einige Oldies), mit Ihnen teilen.“ Metz spielen am 17.10. ein Online-Relase-Konzert aus dem Opera House, Toronto. Ihr Label, Sub Pop, überträgt. (7,0 von 10 Punkten)

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METZ - A Boat to Drown In [OFFICIAL VIDEO] | Bild: Sub Pop (via YouTube)

METZ - A Boat to Drown In [OFFICIAL VIDEO]

MINA TINDLE – Sister

Mina Tindle heißt das Projekt von Pauline De Lassus, einer Pariser Musikerin und Frau von Bryce Dessner, Gitarrist von der US-Band The National. Auf deren letztem Album und Tour sang sie auch mit. „Sister“ ist nun Mina Tindles drittes Album - „bevölkert von mythischen Kreaturen aller Art“, wie sie sagt: „Liebende, die sich in Kannibalen verwandeln, Könige und Sirenen und Frauen mit Flügeln.“ Ein Stück, "Give a Little Love", wurde geschrieben und produziert von Sufjan Stevens. "Belle Pénitence" ist Französisch gesungen - ein zärtlicher Liebesbrief an ihren Ehemann, der inzwischen auch in Paris lebt. Mit ihm hat sie "Triptyque" geschrieben. "Is Anything Wrong" ist Lhasa De Sela gewidmet, einer 2010 verstorbenen Songwriterin und großem Einfluss für sie. Das Stück will sie mit ihrer Freundin Leslie Feist aufführen. Die Platte erscheint auf dem Label ihres Mannes und dessen Bruder Aaron (plus Justin Vernon): People Records – geschrieben auf dem Kopf stehend und gespiegelt geschrieben: 37d03d. (6,7 von 10 Punkten)

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Mina Tindle - Give A Little Love (feat. Sufjan Stevens) (official video) | Bild: 37d03d (via YouTube)

Mina Tindle - Give A Little Love (feat. Sufjan Stevens) (official video)


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