Bayern 2 - Nachtmix


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Neuerscheinungen der Woche Neue Alben von Elvis Costello, Oneohtrix Point Never und Stella Sommer

Die Neuheiten der Woche im kompakten Überblick. Neue Platten gibt's unter anderem von Stella Sommer, Eels, Elvis Costello, Oneohtrix Point Never, Puscifer, Dizzee Rascal, Mourn, Emma Ruth Rundle & Thor, Mr Bungle, Sun Ra Arkestra und Drew McDowall.

Von: Roderich Fabian

Stand: 29.10.2020

Stella Sommer: Northern Dancer | Bild: Northern Dancer Records

STELLA SOMMER - „Northern Dancer“

Stella Sommer fährt zweigleisig. Bei ihrer Band „Die Heiterkeit“ singt sie deutsch, auf ihrem Solo-Platten englisch. Die neueste ist mal wieder so spröde, wie man es nur sein kann. Stella Sommer hält sich mit allem zurück. Nur keine dicke Hose! Das kann auf die Langstrecke ein gutes Konzept, aber auch ermüdend sein. Die Rettung sind die teils wirklich tollen Kompositionen. (6.5 von 10 Punkten)

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Stella Sommer - The Eyes of the Singer | Bild: Stella Sommer (via YouTube)

Stella Sommer - The Eyes of the Singer

EELS - „Earth to Dora“

Dies ist das dreizehnte Eels-Album, das - bis auf einen Track - vor der Pandemie geschrieben wurde. Zu sagen, dass die Platte rund, aber überraschungsfrei, selbstironisch, aber gediegen vor uns abläuft, dürfte selbst keine Überraschung sein. Ein weiterer Domino-Stein Oeuvre von Mark Oliver Everett (6.8 von 10 Punkten)

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EELS - Anything For Boo - official lyric video | Bild: OfficialEels (via YouTube)

EELS - Anything For Boo - official lyric video

ELVIS COSTELLO - „Hey Clockface“

Entstanden in diversen europäischen Städten klingt diese Platte tatsächlich wie ein Sammelsurium singulärer Songs. Vereinheitlichender Faktor ist die Präsenz von Keyboarder und Produzent Steve Nieve, der schon auf dem allerersten Elvis-Album "My Aim is true“ dabei war. Auf jeden Fall bleibt auch dieses neue Costello-Album ein Grund zum Feiern. (7.0 von 10 Punkten)

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Elvis Costello - Hey Clockface / How Can You Face Me? (Music Video) | Bild: ElvisCostelloVEVO (via YouTube)

Elvis Costello - Hey Clockface / How Can You Face Me? (Music Video)

DIZZEE RASCAL - „E3 AF“

Allein der Gastauftritt der Smoke Boys beweist schon, dass der führende Grime-Rapper seine Wurzeln in der Londoner Szene nicht verloren hat. Auch sonst klingen die meisten Songs hier, wie halt Dizzee-Rascal-Songs so klingen, meist gutgelauntes Stakkato, professionelle Beats, inhaltlich vielleicht etwas zu lokal für hiesige Verhältnisse (6.4 von 10 Punkten)

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Dizzee Rascal, Smoke Boys - Act Like You Know | Bild: DizzeeRascalVEVO (via YouTube)

Dizzee Rascal, Smoke Boys - Act Like You Know

ONEOHTRIX POINT NEVER - „Magic Oneohtrix Point Never“

Der Amerikaner Daniel Lopatin ist ein Großmeister elektronischer Musik, ein fintenreicher Sampling-Experte, der schon seit einigen Jahren die Kritiker auf seiner Seite hat. Sein neuestes Album vermittelt jetzt etwas davon, wie es klingt, wenn sich jemand seiner Bedeutung bewusst geworden ist. Einerseits gibt es immer noch diese experimentellen instrumentalen Klangkaskaden, andererseits inzwischen aber auch fast schon poppige Tracks, an denen dann auch noch Promis wie Caroline Polachek, Arca und The Weekend beteiligt waren. Lopatin macht einen kleinen Schritt in Richtung Mainstream, den man ihm unbedingt zugestehen sollte (7.5 von 10 Punkten)

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Oneohtrix Point Never - Auto & Allo (Official Audio) | Bild: Oneohtrix Point Never (via YouTube)

Oneohtrix Point Never - Auto & Allo (Official Audio)

PUSCIFER - „Existential Reckoning“

Puscifer ist ein Wortspiel aus dem Jahr 1995. Da entstand nämlich der Bandname, eine Kreuzung aus Pussy und Lucifer. Heute sollte man sich nicht mehr so nennen, wie das Tool-Main-Man Maynard Keenan und die britische Sängerin Carina Round es getan haben. Aber auch auf dem Cover von „Existential Reckoning“ steht wieder: Puscifer. Diese Band, die für alle Beteiligten nur ein Nebenschauplatz ist, bringt so alle vier, fünf Jahre neues raus. Der Sound ist so etwas wie die Electro-Pop-Version von Tool oder Nine-Inch-Nails, schwer ironisch im Ansatz und so cool, wie man nur im 20. Jahrhundert sein konnte. (7.2 von 10 Punkten)    

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The Underwhelming | Bild: Puscifer - Topic (via YouTube)

The Underwhelming

MOURN - „Self Worth“

Dies sind zwei spanische Frauen, die mit wechselnden Männern am Schlagzeug Trios bilden. Der Sound klingt sehr vertraut. Man nannte das mal Hardcore, was Mourn machen: Sperriger, lärmiger Postpunk, der vor allem ausdrücken will: Wir sind nicht einverstanden! Mourn machen das jetzt schon vier Alben lang so, ohne einen einzigen Kompromiss zuzulassen. Deswegen werden die Spanierinnen weltweit so gefeiert. Ich habe leider ein verdammtes Déja-Vu-Gefühl dabei (6.2 von 10 Punkten)

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MOURN // The Making Of Self Worth (Episode One: The Tree) | Bild: CapturedTracks (via YouTube)

MOURN // The Making Of Self Worth (Episode One: The Tree)

EMMA RUTH RUNDL & THOU - „May our Chambers be full“

Die kalifornische Sängern und Gitarristin hat zusammen mit der Death-Metal-Band „Thor“ aus Louisiana ein gemeinsames Album aufgenommen. „The Valley“, auf dem Emma Ruth Rundle ein bisschen nach Patti Smith klingt, ist das mit Abstand ruhigste Stück hier. Ansonsten ist vieles hier nahe am Death Metal gebaut, aber nie klischeehaft heavy, sondern ziemlich inspiriert. Emma Ruth Rundle wirkt auf mich wie eine Bikerin mit Uni-Abschluss, also wie die ganzen Widersprüche der USA. Solch eine Musik könnte hier gar nicht entstehen (7.1 von 10 Punkten)

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Emma Ruth Rundle & Thou - The Valley (Official Audio) | Bild: Sacred Bones Records (via YouTube)

Emma Ruth Rundle & Thou - The Valley (Official Audio)

MR. BUNGLE - „The Raging Wrath of the Easter Bunny Demo“

Die besten Zeiten dieser kalifornischen Band liegen 20 Jahre zurück. Sie wurde Mitte der 80er von Oberschülern gegründet. Der eine hieß Mike Patton und sollte später auch mit der Band „Faith No More“ berühmt werden, andere hießen Trey Spruance und Trevor Dunn, die mit Mr. Bungle immerhin in den amerikanischen Album Charts landeten. Nun haben die drei ein Comeback hingelegt, zusammen mit dem Anthrax-Gitarristen Scott Ian und dem Slayer-Schlagzeuger Dave Lombardo. Das Ergebnis ist tatsächlich die Umsetzung der allerersten Demos der Band aus den mittleren 80ern. Ja, es ist Thrash Metal - und irgendwie hat mich es wahnsinnig gefreut, Mr. Bungle ist bester Besetzung wiedergehört zu haben (8.0 von 10 Punkten)

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Mr. Bungle "Raping Your Mind" (Pre-order now) | Bild: Ipecac Recordings (via YouTube)

Mr. Bungle "Raping Your Mind" (Pre-order now)

SUN RA ARKESTRA - „Swirling“

Ein gewichtiges Comeback gibt es zu vermelden: Das Sun Ra Arkestra ist wieder da, ohne den 1993 verstorbenen Kapitän der Arche, aber mit einem ähnlichen Sound und nun unter der Leitung des - festhalten! - 96jährigen Saxophonisten Marshall Allen. Er hat viele alte und auch neue Mitmusiker zusammengetrommelt für ein Album, das vor allem alte Sun-Ra-Titel enthält, aber auch ein paar neue Titel. Beides ist bestens gelungen. (7.7 von 10 Punkten)

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Sun Ra Arkestra - Queer Notions | Bild: Strut Records (via YouTube)

Sun Ra Arkestra - Queer Notions

DREW McDOWALL - „Agalma“

Der Schotte Drew McDowall war einst bei Psychic TV aktiv, der wilden Band, die Genesis P.Orridge nach seinem Ausstieg bei Throbbing Gristle gründete. Danach wechselte er zu Coil, der Band um das andere Throbbing-Gristle-Mitglied Pete Christopherson. McDowall war und ist Keyboarder der besonderen Art. Sein neues und tolles Solo-Album steht ganz in der Tradition von Coil. Der Mann - fast 60 - gehört zur Generation derer, die nicht unbedingt an ein Happy End glauben und im Menschen auch die Schattenseiten sehen. Das hört man. (8.5 von 10 Punkten)

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Drew McDowall - Agalma II (ft. Caterina Barbieri) | Bild: Dais Records (via YouTube)

Drew McDowall - Agalma II (ft. Caterina Barbieri)


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