Bayern 2 - Nachtmix

Neuerscheinungen der Woche Neue Alben von Vince Staples, Tkay Maidza, Koreless und The Marble Man

Die Neuheiten der Woche im Überblick. Mit dabei sind Vince Staples, Tkay Maidza, Rejjie Snow, Koreless, Half Waif, The Goon Sax, Museum of Love, Wallflowers, Die Liga Der Gewöhnlichen Gentlemen und The Marble Man...

Von: Thomas Mehringer

Stand: 08.07.2021

Cover: Tkay Maidza - Last Year Was Weird, Vol. 3 | Bild: 4AD

Die Liga Der Gewöhnlichen Gentlemen – Gschichterln aus dem Park Cafè

Tja, was soll man zu der grundsympathischen Hamburger Liga der gewöhnlichen Gentlemen noch sagen, außer: Beste Northern-Soul-Pop-Kombo Deutschlands. Bleiben sie auch mit dem neuen Album “Gschichterln aus dem Park Cafe”. Und weil es wirklich nicht mehr zu sagen gibt, ich aber die Gelegenheit nutzen will, ein kleiner Lückenfüller: Geht’s euch vielleicht auch so, dass ihr, obwohl total klar ist, dass die Liga aus mehreren Leuten besteht, also der Plural greifen muss, ihr das Gentlemen in Liga der gewöhnlichen Gentlemen auch immer mit “a” schreibt, statt mit “e” für Plural? Nein? Okay. Gehaltvoller wird dieser Text an dieser Stelle nicht. Dafür die restlichen Rezensionen. Versprochen. (6,8 von 10 Punkten)

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Die Liga Der Gewöhnlichen Gentlemen - Yo, Zwanie! | Bild: Tapete Records (via YouTube)

Die Liga Der Gewöhnlichen Gentlemen - Yo, Zwanie!

The Wallflowers – Exit Wounds

Mit 51 Jahren hat sich Jakob Dylan mit seiner Rolle als Sohn des großen Bob Dylan arrangiert. Auf der neuen Platte “Exit Wounds” mit seiner Band, den Wallflowers, spielt er befreit auf. Wir hören ein konventionelles und solides Roots-Rock-Album, das musikalisch näher an Bruce Springsteen und Tom Petty dran ist als am Werk seines Vaters. Er weiß, er muss seinen Vater nicht übertrumpfen, vielmehr wird Jakob Dylan immer mehr zum Musikforscher. Kürzlich drehte er eine Doku über den musikgeschichtlich berühmten “Laurel Canyon” und auch auf “Exit Wounds” hört man die Einflüsse der Künstler*innen, die er für die Doku getroffen hat: Neil Young, Brian Wilson und Fiona Apple. (6,2 von 10 Punkten)

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Echo in the Canyon | Official Trailer | Bild: Greenwich Entertainment (via YouTube)

Echo in the Canyon | Official Trailer

The Marble Man – Louisiana Leaf

Mit 17 von Traunstein aus raus in die große Welt, das Bavarian Open Festival im Münchner Funkhaus gab dem Marble Man seine erste große Bühne. Mittlerweile ist Josef Wirnshofer gestandener Journalist bei der Süddeutschen Zeitung und nach drei Alben The Marble Man mehr Band als Ein-Mann-Projekt. Mit dem neuen Album “Louisiana Leaf” sind The Marble Man auch irgendwie näher am Ursprungs-Genre “New Weird Bavaria” als je zuvor. Wir hören Synthie-Bässe, Trip-Hop-Beats und auch einige Fehlerquellen wie Delays wurden mit voller Absicht auf den Aufnahmen gelassen. Das hat alles Charme, Melancholie und Uniqueness, wie wir sie in und aus Bayern tatsächlich selten hören. Am 22. Juli präsentieren The Marble Man in München im Institut Francaise das neue Album erstmals live vor Publikum. (6,7 von 10 Punkten)

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The Marble Man - Pusher Street (2021) | Bild: The Marble Man (via YouTube)

The Marble Man - Pusher Street (2021)

The Goon Sax – Mirrors II

Bei dem Indie-Trio The Goon Sax kommen wir nicht umhin, immer dazu zu sagen, welcher Sprössling die Songs schreibt: Louis Forster, der Sohn von Karin Bäumler und Robert Forster. Geboren im Sendegebiet, in der Oberpfalz, und obwohl immer von der australischen Band The Goon Sax gesprochen wird, sind die Beziehungen zur Heimat immer noch sehr eng - was man schon an Louis Dialekt hört. Tatsächlich macht aber die Zuschreibung “australische Indie-Band” total Sinn, weil The Goon Sax wie eine Mischung aus den Go-Betweens und The Birthday Party klingen, auch auf Album Nummer 3, das da heißt “Mirror II”. Dafür waren sie mit dem PJ Harvey-Produzent John Parish im Studio, der voller Lob ist: Großartige Band, sagt er. Die Texte seien voll von trockenem Witz, surrealen Bildern, launisch und seltsam romantisch. Und ich kann dem nichts mehr hinzufügen. (7,4 von 10 Punkten)

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The Goon Sax - "Desire" (Official Music Video) | Bild: The Goon Sax (via YouTube)

The Goon Sax - "Desire" (Official Music Video)

Vince Staples – Vince Staples

Der Westcoast-Rapper gehört zu den erfolgreichsten und bestverdienenden Hip-Hoppern der USA - ohne jemals eine Nummer 1 gehabt zu haben. Werbedeals mit Zuckerbrause oder die eigene Netflix-Serie machen’s möglich. So oder so bleibt Staples für mich ein Ausnahme-Rapper. Sein neues Album heißt einfach nur “Vince Staples”, wir hören sehr persönliche Geschichten aus der alten Hood und Referenzen an den G-Funk der 90er. Zentrale Botschaften: Der Umgang mit fame und Freundschaften - und es ist absolut okay, wenn du Mama’s Boy bist. Am Ende bleibt das Gefühl: der Dreh- und Angelpunkt dieser Platte ist der Namensgeber, nicht der Soul, nicht die Samples, nicht der G-Funk. “Vince Staples” eben. Veni, Vidi, Vince. (8,3 von 10 Punkten)

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Vince Staples - ARE YOU WITH THAT? (Official Lyric Video) | Bild: Vince Staples (via YouTube)

Vince Staples - ARE YOU WITH THAT? (Official Lyric Video)

Tkay Maidza – Last Year Was Weird, Vol. 3

“Last Year Was Weird” heißt die EP-Trilogie, die Tkay Maidza jetzt zu Ende führt. Nimmt man die drei EPs aus den letzten beiden Jahren zusammen, dann haben wir ein großartiges Extended-Album, was sowohl Fans von Missy Elliott als auch Solange sehr gut gefallen dürfte. Die aus Simbabwe stammende Wahl-Australierin switcht gekonnt zwischen RnB und sehr progessivem Rap. Ihre Themen sind dabei so clever gewählt, dass sowohl Mainstream- als auch Underground-Publikum was damit anfangen können. Nebenbei hat sie unter “Last Year Was Weird” auch noch ein Modelabel gegründet. Die Zeichen stehen auf success bei Tkay Maidza. (7,9 von 10 Punkten)

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Tkay Maidza - Cashmere (Official Video) | Bild: Tkay Maidza (via YouTube)

Tkay Maidza - Cashmere (Official Video)

Rejjie Snow – Baw Baw Black Sheep

Als Teenager mit ADHS außerhalb von Dublin aufwachsen, ist nicht einfach - dazu noch Berufswunsch Musiker. Später führte Rejjie Snow ein Fußballstipendium in die USA, wo er Film und Design studieren wollte. War aber alles nix, die Heimat Irland hat ihren Sohn wieder heimgerufen, von dort aus hat Rejjie sein viel beachtetes Debüt “Dear Annie” veröffentlicht. Jetzt erscheint der Nachfolger “Baw Baw Black Sheep”, das er in Los Angeles aufgenommen hat: Ein soulfulles Laid-Back-Rap-Album mit zahlreichen Gästen. Viele der Beats könnten aus dem Hause Bibio kommen, gelegentlich erinnert der Style aber auch an eine sehr entspannte Version von Kanye West. Einzig und allein: die Hits fehlen. Aber das scheint Rejjie Snow ziemlich wurscht zu sein, so heißen seine Songtitel: “Relax”, “Star In The Making” oder “Shooting Star”. Hier schätzt sich jemand sehr realistisch ein. (7,2 von 10 Punkten)

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Rejjie Snow, Tinashe & grouptherapy. - Disco Pantz (Official Video) | Bild: REJJIE SNOW (via YouTube)

Rejjie Snow, Tinashe & grouptherapy. - Disco Pantz (Official Video)

Half Waif – Mythopoetics

Hinter Half Waif, der “halb Heimatlosen”, steckt Nandi Rose Plunkett, die wir auch von der Folkrock-Band Pinegrove kennen. Mit Pinegrove-Mitglied Zack Levine ist Nandi Rose verheiratet. Ihr fünftes Album als Half Waif ist ihr bisher das, mit dem meisten Drama. Kein Wunder, denn schließlich geht’s um die Aufarbeitung von Traumata aus der Vergangenheit. Wir erleben eine Frau, die sich in die Ecke gedrängt freiboxt. Motto: Ab jetzt bitte glücklich. Dieser Kampfgeist packt mich, die Synthies und Beats auf “Mythopoetics” eher nicht so. Die Höhepunkte sind aber auch die Songs ohne elektronische Opulenz. (6,8 von 10 Punkten)

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Half Waif - "Sodium & Cigarettes" | Bild: ANTI- Records (via YouTube)

Half Waif - "Sodium & Cigarettes"

Koreless – Agor

Der elektronische Opener auf “Agor” hört sich an wie eine Tür, die sich immer und immer wieder öffnet. Und tatsächlich ist das Debütalbum des Walisers Lewis Roberts alias Koreless wie ein Türöffner in eine neue Welt - nach zehn EPs, viel Produktionsarbeit für unter anderem FKA Twigs und Remixen für Perfume Genius oder Caribou schreibt Koreless jetzt seine eigene Geschichte weiter. Eine längst überfällige Geschichte, da dieses Debüt nochmal klar macht: der ehemalige Schiffsmaschinenbauer hat ein einmaliges Gespür für Dramaturgie und Dynamik. Aber er arbeitet auch gerne 500 Mal an einem einzigen Sample - daher brauchen seine Electro-Symphonien gerne mal ein paar Jahre, bis sie fertig sind. Der Albumtitel “Agor” heißt auf walisisch so viel wie “offen” - das passt, denn die Tür für Koreless in die elektronische Oberliga neben Oneohtrix Point Never oder Laurel Halo steht jetzt ganz weit offen. (8,4 von 10 Punkten)

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Koreless - Joy Squad (Official Lyric Video) | Bild: Koreless (via YouTube)

Koreless - Joy Squad (Official Lyric Video)

Museum Of Love – Life Of Mammals

Das Duo Museum Of Love sind Dennis McNany, in New York auch als „Jee Day“ bekannt und Pat Mahoney, den kennen wir als Teil des LCD Soundsystems. 2014 kam ihr Disco-After-Hour-Debüt raus, jetzt erscheint der Nachfolger, heißt “Life Of Mammals”. Mit dabei natürlich James Murphy, aber auch zwei Gäste, die schon mit Arthur Russell zusammengearbeitet haben. Diese Platte atmet nämlich den Spirit von Arthur Russells Disco. (6,7 von 10 Punkten)

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Museum of Love - Marching Orders (Red Axes Remix) (Official Audio) | Bild: Museum of Love (via YouTube)

Museum of Love - Marching Orders (Red Axes Remix) (Official Audio)