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Neuerscheinungen der Woche Sudan Archives | Bob Dylan | Michael Kiwanuka

„Die Musik von morgen“ präsentiert Neuerscheinungen des folgenden Tages. Momentan ist viel los auf dem Markt, denn im November müssen die Sachen raus, die fürs Weihnachtsgeschäft relevant sein sollen.

Von: Roderich Fabian

Stand: 31.10.2019

Sudan Archives - Athena | Bild: Stones Throw Records

JOSH ROUSE - „The Holiday Sound of Josh Rouse“ (Yep Roc)

Eigentlich wollte der solide Singer/Songwriter nie ein Weihnachtalbum machen, hat der Mann aus Nashville gesagt, aber dann hat ihn sein britischer Kollege Nick Lowe vom Gegenteil überzeugt. Gute Entscheidung, denke ich, so Kitsch-frei waren selten selbstgedichtete Songs über den Advent. (6,5 von 10 Punkten)

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Josh Rouse - "Mediterranean X-Mas" (Official Video) | Bild: Yep Roc Records (via YouTube)

Josh Rouse - "Mediterranean X-Mas" (Official Video)

BOB DYLAN - „The Bootleg Series Vol.15: Travelin Thru“ (Sony)

Wie die Faust aufs Auge des Weihnachtsgeschäfts passt diese Veröffentlichung. Das sind 50 Songs aus den Jahren 67 bis 69, die aus verschiedenen Gründen damals nicht veröffentlicht wurden. Es ist Dylans Comeback-Phase nach seinem Motorrad-Unfall, also die Ära, als Alben wie „Nashville Skyline“, „John Wesley Harding“ und „New Morning“ entstanden. Da war er am nächsten dran an der Country Music, und entsprechend finden sich hier alle die Songs, Demos und Albernheiten, die Dylan damals mit Johnny Cash aufgenommen hat. Die sind hier aber nicht die Highlighs, sondern die diversen „alternativen“ Versionen bekannter Songs, für die sich der Sänger am Ende doch nicht entscheiden konnte  - schön, aber streng genommen nur als Geschenk für Opa geeignet, damit seine Sammlung vollständig bleibt. (6,8 von 10 Punkten)

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Bob Dylan - I Pity The Poor Immigrant (Take 4) (Audio) | Bild: BobDylanVEVO (via YouTube)

Bob Dylan - I Pity The Poor Immigrant (Take 4) (Audio)

LEIF VOLLEBEKK - „New Ways“ (Secret City)

Der lange Schatten Dylans ist immer noch bei aktuellen Songwritern herauszuhören. Einer davon ist dieser Kanadier. Diese neuen Wege beziehen sich auf eher auf persönliche Veränderungen im Leben des Sängers als auf den Sound. Vollebekk bleibt der elegische, melancholische Drifter, der eigentlich näher an Leonard Cohen gebaut ist als an Robert Zimmerman. (7,2 von 10 Punkten)

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Leif Vollebekk - Transatlantic Flight (Roy Thomson Hall’s VARIATIONS Series) | Bild: LeifVollebekkVEVO (via YouTube)

Leif Vollebekk - Transatlantic Flight (Roy Thomson Hall’s VARIATIONS Series)

COLD WAR KIDS - „New Age Norms One“ (CWKTWO Corp.)

Dies ist der erste Teil einer geplanten Trilogie. Jeweils acht Songs finden sich auf den drei Alben, orientiert hat man sich an einer Veröffentlichungsform, der sich Kanye West im letzten Jahr bedient hat. Kurz und knackig soll es sein. Aber die Cold War Kids wollen schon seit einiger Zeit nicht mehr die coole, innovative Indie-Band sein, die sie mal waren. Sie wollen inzwischen den gesettelten Mittelstand bedienen, mit Funk-Pop, so im Sinne von Hall & Oates. Mit einem Wort: Große Enttäuschung! (4,5 von 10 Punkten)

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Cold War Kids - Complainer (Official Audio) | Bild: Cold War Kids (via YouTube)

Cold War Kids - Complainer (Official Audio)

MAMIFFER - The brilliant Tabernacle (SIGE)

Die Sängerin und Pianistin Faith Collocia und ihr Mann Aaron Turner kommen aus der Drone-Szene des amerikanischen Nordwestens. Und sie liefern mit hier ein umwerfendes Album ab. Irgendwo zwischen bedrohlichem Folk und ätherischen Chören geht diese Musik weiterhin davon aus, dass der Mensch böse und damit nicht zu retten ist. Das Ganze wird aber in stringente Songs verpackt, die mich stellenweise umgehauen haben -  allen empfohlen, die Sachen wie „Earth“ oder „Isis“ mögen. (8,2 von 10 Punkten)

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Mamiffer "All That Is Beautiful" | Bild: Sige Records (via YouTube)

Mamiffer "All That Is Beautiful"

DOUBLE NELSON - „Erreur 89450“ (Atypeek)

Nicht ganz von dieser Welt ist diese französische Band aus Nancy. Es gibt sie seit den mittleren 80ern, und in den besten Momenten setzen sie das Oeuvre ihrer Landsleute von Magma fort. D.h. Double Nelson sind entrückte Spät-Hippies mit einer Abneigung gegen jede Art von Gefälligkeit. Sie machen zwar keinen Jazz, werden aber immer gerne für Jazzclubs gebucht werden, weil sie hörbar improvisieren. (6,9 von 10 Punkten)

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we got style | Bild: double nelson (via YouTube)

we got style

Matthias Modica presents „Kraut Jazz Futurism“ (Compilation) (Kryptox)

Der Münchner Matthias Modica hat diese Compilation herausgegeben. Darauf findet sich genau das, was der Titel verspricht: Krautiger, also deutscher Neo-Jazz von bislang wenig bekannten Bands. Das Andromeda Mega Express Orchestra aus München dürften die bekannteste sein. Aber hier gibt es viel zu entdecken, funky Stuff im Sinne des neuen britischen Jazz-Booms. Eine neue Generation meldet sich zu Wort, ziemlich versiert und oft auch sehr inspiriert. (7,1 von 10 Punkten)

MICHAEL KIWANUKA - „Kiwanuka“ (Universal)

Das dritte Album des britischen Retro-Soul-Sängers landet in Charts-tauglichem Gelände. Er hat mit der Titelmelodie der Serie „Big little Lies“ auch in Amerika Fuß gefasst und bringt jetzt teilweise unfassbar schöne Songs, die vom Arrangement her an den Soulfunk der frühen 70er erinnern, also an Zeug wie „The Undisputed Truth“ oder „Papa was a rolling Stone“ von den Temptations. Es handelt sich hier also um sozial und politisch engagierten Soul, der gerne mit Frauenchören verziert wird. Kiwanuka wird mit diesem Album noch berühmter werden wird, da bin ich mir sicher. (8,0 von 10 Punkten)

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Hero | Bild: Michael Kiwanuka - Topic (via YouTube)

Hero

SUDAN ARCHIVES - „Athena“ (Stones Throw)

Eine große Karriere steht  der Violinistin und Sängerin Bittney Denise Parks bevor. Als „Sudan Archives“ hat sie mit einigen Singes und EPs schon jede Menge Lorbeeren eingefahren. Ihre Songs sind clever, feministisch und anti-rassistisch, auf ihren ersten Album sind allerdings auch einige Füller drauf, die eher braven R&B bieten. Aber der Zeitgeist spricht absolut für sie. (7,4 von 10 Punkten)

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Sudan Archives - Glorious | Bild: Stones Throw (via YouTube)

Sudan Archives - Glorious

UNDERWORLD - „Drift Series One“ (Caroline)

Eigentlich erscheint demnächst eine ganze Box mit Songs, Buch und Filmchen, die die Briten in den vergangenen 52 Wochen nach und nach veröffentlicht haben. Dies ist nur die handliche Version mit zehn Tracks, auf der Underworld nicht unbedingt eine Entwicklung zeigen, sondern nur die coolen Grooves abspulen, für die sie von vielen geliebt werden. (7,5 von 10 Punkten)

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Underworld - S T A R (#DRIFT Ep.5 Pt.6) | Bild: Underworld (via YouTube)

Underworld - S T A R (#DRIFT Ep.5 Pt.6)

NOCTURNAL SUNSHINE - „Full Circle“ (I/AM/ME)

Auch im Lande Elektronik gehört die Zukunft den Frauen. Die Britin Maya Jane Coles veröffentlicht ein Album unter ihrem Alter Ego „Nocturnal Sunshine“, das weniger Techno und mehr - sagen wir mal - Triphop und Downbeats bietet. Rapper treten auf und Sängerinnen, ein bisschen uneinheitlich ist das Ganze, aber cool wie kaum sonst was. (7,0 von 10 Punkten)

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Nocturnal Sunshine - Pull Up ft. Gangsta Boo & Young M.A (Official Audio) | Bild: Maya Jane Coles (via YouTube)

Nocturnal Sunshine - Pull Up ft. Gangsta Boo & Young M.A (Official Audio)

DALLAS ACID - „The Spiral Arm“ (Rough Trade)

Dieses texanische Trio macht keinen Acid-Techno, sondern eher vehaltenen Ambient Sound mit oft geflüsterten Frauenstimmen. Auf dem Album regiert ein wenig die Spookiness, die einem im Angesicht der Weltlage und des Herbstnebels befallen kann.  Halloween war der bestmögliche Veröffentlichungstag. (7,8 von 10 Punkten)

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Dallas Acid - The Spiral Arm (edit) | Bild: All Saints Records (via YouTube)

Dallas Acid - The Spiral Arm (edit)


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