Bayern 2 - Nachtmix


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Neuerscheinungen der Woche Kevin Morby | Aldous Harding | Peter Doherty

Die Neuheiten der Pop-Woche im kompakten Überblick: Wir hören hinein in die frischen Werke von Aldous Harding, Kevin Morby, Peter Doherty und seinen Puta Madras, Anderson .Paak, Foxygen, Roger, Dj Nate, Deadbeat & Camara, Astrobal, The Mountain Goats, SOAK, King Lizzard & The Lizard Wizard und JJ Cale.

Von: Ralf Summer

Stand: 25.04.2019

Cover: Kevin Morby - Oh My God | Bild: Dead Oceans

Anderson .Paak – Ventura

Sehr smoove und soulig lässt es Anderson .Paak angehen. War der Vorgänger die Platte, die man auf dem Weg zum Feiern nach Las Vegas hören sollte, ist „Ventura“ das Album auf dem Weg von Las Vegas nach Hause. Ich mag seine HipHop-Art. Vielleicht weil er mich live schon schwer überzeugt hat, als rappender Drummer, der durchs Publikum läuft. Gäste sind u. a. Andre 3000 von OutKast, Brandy und Nate Dogg. „King James“ und „Make It Better“ feat Smokey Robinson sind die herausragenden Tracks seines neuen Albums, das morgen auch physisch erscheint. Der Rest der Alben dieser Sendung kommt morgen auch digital neu raus. (7,0 von 10 Punkten)

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Come Home (feat. André 3000) | Bild: Anderson Paak - Topic (via YouTube)

Come Home (feat. André 3000)

Aldous Harding - Designer 

Mit „Imagining My Man“ landete die Neuseeländerin vor zwei Jahren zum ersten Mal in den Top Träxx von Nachtmix und Zündfunk. So wollte sich ihren Liebsten lieber vorstellen, als auf eine Party zu gehen. Nun ist das dritte Album von Aldous Harding da. Wieder voller Indie-Folk, der einem zum Teil Schauer der Ergriffenheit den Rücken hinunterjagt – wie bei den Singles „The Barrel“ und „Fixture Picture“. „Es geht um Leben, Tod, Geburt, Leid und Liebe“, wie sie sagt. Am 18.11. kommt Hannah „Aldous“ Harding nach München in die Kranhalle um „Designer“ vorzustellen. (8,0 von 10 Punkten)

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Aldous Harding - The Barrel (Official Video) | Bild: 4AD (via YouTube)

Aldous Harding - The Barrel (Official Video)

Peter Doherty & The Puta Madres - Pete Doherty & The Puta Madres

Pete hat eine neue Band – und eine neue Platte – aufgenommen in einem Fischerdorf in der Normandie. Mit Titeln wie „Shoreleave“ und „All At Sea“. Es führt zurück zu seinen Garagen-Rock-Wurzeln, die Mundharmonika taucht auf. Und die Drogenanspielung: „Paradise Is Under Your Nose“ - die neue Single. „Ein verheerendes, intimes Porträt von Liebe, Verlust, Tragödie, Sucht und der Kraft der menschlichen Seele, ihre dunklen Ebenen zu überwinden“, beschreibt Doherty die neuen Songs. Vielleicht kein Wunder, wenn die Ex-Freundin in der Band spielt: Katia deVidas ist Keyboarderin der Puta Madres. Ansonsten restauriert er gerade mit den Babyshambles ein Hotel in einem englischen Küstenort – es soll ein Studio und Künstlertreff werden – klar, mit Bar - und wundert sich, dass er 40 geworden ist. Am 17. Mai beginnt seine Deutschland-Tour – sie führt ihn am 21.5. nach München ins Backstage. (7,0 von 10 Punkten)

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Peter Doherty & The Puta Madres - Paradise Is Under Your Nose | Bild: PeterDohertyVEVO (via YouTube)

Peter Doherty & The Puta Madres - Paradise Is Under Your Nose

Kevin Morby - Oh My God

„Oh My God“ (OMG) ist der englische Ausdruck des Erstaunens schlechthin, meist gern übertrieben ausgesprochen: „Oh! My! God!“ - längst auch im deutschsprachigen Raum. Bei Kevin Morby ist es der Titel seines ersten Konzeptalbums – es verhandelt Religion - obwohl er selbst nicht religiös ist. „Religion ist eine universelle Sprache, zu der jeder eine Assoziation hat“. Wie zur Musik. Morby hat sich textlich auch in diverse religiöse Situationen eingeschrieben: er singt z. B. von spirituellen Sitzungen – umgeben von Engeln, aber auch Teufelsaustreibern. Sehr inspiriert! (8,5 von 10 Punkten)

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Kevin Morby - OMG Rock n Roll | Bild: KevinMorbyVEVO (via YouTube)

Kevin Morby - OMG Rock n Roll

Foxygen - Seeing other People

Eine Platte so zu nennen, verheißt nichts Gutes: „Seeing Other People“ meint im Englischen: „Schluss machen“. Foxygen werden also wohl nach ihrem sechsten Album getrennte Wege gehen. Schade, denn Jonathan Rado und Sam France waren eine echte Bereicherung. Immer unberechenbar, irre talentiert – meist sich selbst im Weg stehend. Lieber noch einen Haken vor dem potentiellen Hit schlagen, um ihn zu verhindern, das war ihre Devise. Schade. Ihr „Star Power“-Album wird unvergesslich bleiben. Vielleicht wird Jonathan Rado aber künftig mehr so tolle Künstler produzieren wie Father John Misty und Whitney. Und Sam France sollte man dazu bewegen, sein Label umzutaufen: „Fascist Records“ geht gar nicht. (7 von 10 Punkten)

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Foxygen - Face The Facts (Official Audio) | Bild: Jagjaguwar (via YouTube)

Foxygen - Face The Facts (Official Audio)

Roger - Flensburg 37 

Der Ex-Blumentopf-Rapper hält die Fahne der Münchner HipHop-Crew aufrecht. Sein drittes, eigenes Album entstand mit DJ Sixkay, der am Bürotisch gegenüber sitzt. Sieben Meter, wie Roger betont. Und die ging er oft rüber, um Sixkay über die Schulter zu schauen, als dieser wieder Beats vorspielte. „Ein paar Stunden später hat jeder was und wir spielen uns die Skizzen vor und pushen uns gegenseitig.“ Mein Favorit ist der lässige Sommerfilm „Vibe“, der einen durch Rogers München führt – los geht’s an der Isar. Erscheinen tut die Platte auf dem noch jungen Label Perepherique – ebenda: in einem hessischen Ort mit dem schönen Namen Bad König. In die größeren Orte geht’s dann mit Kollege MC Rene: auf „2 Alben für ein Halleluja“-Tour – u. a. sind sie am 19.5. im Münchner Strom und am 9.5. in Stuttgart im Club Cann. Von Flensburg ist noch nix zu sehen. (7,0 von 10 Punkten)

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Roger & Sixkay - Alles oder nichts | Bild: Roger ROGERSWELT (via YouTube)

Roger & Sixkay - Alles oder nichts

DJ Nate - Take off Mode

Wie hat der gute Diedrich Diederichsen mal in der Spex geschrieben: immer wenn sich alles gleich anhört, spricht man von einer eigenen Jugendkultur. Gilt auch für Footwork, den neuen Sound aus Chicago, den es nun auch schon ein paar Jahre gibt. Manche nennen es auch Juke. Und DJ Nate den Paten des hektischen Bass-Sounds. Es erscheint neun Jahre nach seinem Debüt. Der minimalistische Sound von Nate prägte Footwork und machte ihn ab 2010 auch außerhalb seiner Heimat bekannt. Nach einem Unfall konnte er seine Beine nicht mehr bewegen, saß im Rollstuhl – hat sich aber erholt. Daher die Pause. Nun mit 29 der zweite Start: „Just Be Truu“ und „Planet Mu“ (die Labelhymne) sollten ihm einen guten Schub geben. Hoffen wir, dass sein ´Footwork´ wieder voll funktioniert! (7,0 von 10 Punkten)

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DJ Nate “Take off Mode album” April 26th 💯🤟🏾🎧💫✈️🌎 | Bild: Djnateakabakaman (via YouTube)

DJ Nate “Take off Mode album” April 26th 💯🤟🏾🎧💫✈️🌎

Deadbeat & Camara - Trinity Thirty

Was für eine Idee: zum 30. Geburtstag von „The Trinity Sessions“ das komplette Album der legendären Cowboy Junkies zu covern. Die Hommage kommt von Landsleuten der kanadischen Ambient-Country-Band. Deadbeat & Camara machen es zwar auch leise und knisternd, aber elektronisch. Klar, die Beiden leben in Berlin. Sie kamen extra für die Verbeugung zusammen. Bei uns mag „The Trinity Sessions“ nicht so bekannt sein, in Kanada und in den USA holte die Platte in den späten 80ern Platin. Auch weil sie einige bezaubernde Covers enthielt. Wie ´Blue Moon´ oder ´Sweet Jane´. Die Band spielte es zusammen in einer Kirche ein – mit nur einem Mikrofon und in nur einem Take. Das schafften Scott von Deadbeat & Fatima Camara dann doch nicht – aber ein interessantes Update eines fast vergessenen Klassikers. Die Interpretation lebt von seinem Akustik-/Electronica-Mix, den Pole (!) gemischt hat. Passt! (7,0 von 10 Punkten)

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Deadbeat & Camara | "Working On A Building" | Bild: Constellation (via YouTube)

Deadbeat & Camara | "Working On A Building"

Astrobal – L´Infini, l´Universe et les Mondes    

Als ob Stereolab mit Toro Y Moi im Studio gewesen wären oder französische Carpenters eine Art spacigen Chill Wave machen würden. Hinter Astrobal steckt Emmanuel Mario, der in den letzten Jahren tatsächlich öfter mit Laetita Sadier gearbeitet hat, der Sängerin von Stereolab. Der Franzose ist Drummer und Producer und schwurbelt gerade bei den langen, ausufernden Songs auch den späten, psychedelischen Air entgegen. Passt zum Thema seines Zweitlings: der Unendlichkeit und dem All. Angenehm eskapistisch. (8,5 von 10 Punkten)  

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Astrobal - 100 000 Ans | Bild: Karaoke Kalk (via YouTube)

Astrobal - 100 000 Ans

The Mountain Goats - In League with Dragons

Zuletzt hat er eher als Romanautor Schlagzeilen gemacht: John Darnielle von The Mountain Goats hat neue wilde Geschichten zu einem Album seiner Band zusammengefasst. „In League With Dragons“ wurde in Nashville/Tennessee aufgenommen und ist eine Rock-Oper über Drachen und Zauberer: „mit Rache und Erlösung, mit Helden am Scheideweg und große Gestalten im Niedergang“, wie Darnielle sagt. Aber übertragen in die Vereinigten Staaten von heute. „Dragon Noir“ würde er gern als neues Genre etablieren. Statt der gewohnten Lo-Fi-Folk-Recordings gibt’s auch wippende Bässe, wilde Saxophone und Disco-Streicher zu hören. Letztere eingespielt vom Radio-Sinfonie-Orchester Mazedoniens. Die Drachen stehen den Bergziegen gut. (7,5 von 10 Punkten)

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The Mountain Goats "Sicilian Crest" (Official Audio) | Bild: Merge Records on Youtube (via YouTube)

The Mountain Goats "Sicilian Crest" (Official Audio)

SOAK - Grim Town

Ob der lesbische Ex-Teeniestar mit dem Titel ihre Heimatstadt meint, die gerade wegen dem New IRA-Mord an einer Journalistin in aller Munde bzw. Medien ist, ist ungewiss: „Grim Town“ könnte durchaus für (London-)Derry in Nord-Irland stehen. SOAK ist in Derry geboren und gleich mit ihrem Debüt gelang ihr der internationale Durchbruch, „Before We Forgot How To Dream“ gewann den wichtigsten irischen Musikpreis. Nun ist Bridie Monds-Watson erwachsen und legt Album Nummer 2 vor. Auf „Grim Town“ geht es ums Ende der Jugend, die neuen Zweifel und die Frage, wie sehr man sich selbst schaden kann? Der Erfolg von SOAK – einem Kofferwort aus ´Soul´ und ´Folk´ - kommt von ihrer einzigartigen Stimme. Wir sind froh, dass sie inzwischen in Manchester lebt. Und sich nicht mehr mit den Entscheidungen, auf welcher Seite sie sein will, im ´Pulverfass´ Derry herumschlagen muss. In SOAKS Leben gibt es bestimmt wichtigere Dinge als Religion. (6,5 von 10 Punkten)

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SOAK - Valentine Shmalentine | Bild: SoakOfficial (via YouTube)

SOAK - Valentine Shmalentine

King Gizzard & The Lizard Wizard - Fishing for Fishies 

Nach den fünf Alben im Jahr 2017 haben sich die Australier über ein Jahr Zeit gelassen für die neue Platte. Es hätte ein Blues-Album werden sollen, wie Sänger Stu Mackenzie betont: „ein Blues-Boogie-Shuffle-Ding, aber die Songs kämpften dagegen an. Oder wir kämpften dagegen an. Wir haben die neuen Lieder uns dann führen lassen. Sie waren ja stark genug: manche heller, manche dunkler. Die Aufnahmen waren eine Reise der Verwandlung.“
Live spielen King Gizzard & The Lizard Wizard diesmal ihre psychedelischen Lieder nicht in München, sondern nur in Köln, Berlin und Zürich. (7,5 von 10 Punkten)

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King Gizzard & The Lizard Wizard - Plastic Boogie | Bild: Bruise Pristine (via YouTube)

King Gizzard & The Lizard Wizard - Plastic Boogie

JJ CALE – Stay Around

Das erste Mal seit einer guten Dekade kommen seine Fans in den Genuss von unveröffentlichten Songs. 2013 starb der „most important artist in the history of rock“ - wie Eric Clapton über JJ Cale sagte. Clapton hatte Lieder wie „Cocaine“ oder „After Midnight“ von ihm gecovert. Sein minimaler Tulsa-Sound war von Billie Holiday beeinflusst. Und wirkt auch heute noch wie eine warme, sanfte Brise aus dem Süden. Wie ein lässiger Mark Knopfler, ein Sultan of Southern Swing. Parallel zur ersten posthumen Platte von Cale, die seine Frau zusammengestellt hat, erscheint auch eine bisher nur auf CD erhältliche ältere Platte auf LP. (7,0 von 10 Punkten)

 


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