Bayern 2 - Nachtmix


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Neuerscheinungen der Woche The Black Keys | Thom Yorke | DJ Phyton

Die Neuheiten der Pop-Woche im kompakten Überblick: Wir hören hinein in die frischen Werke von den Black Keys, Thom Yorke, Jade Jackson, Moodymann, der Express Brass Band, Tunng, Mega Bog, Daughter of Swords, Chris Stamey, Freddie Gibbs & Madlib und DJ Phyton.

Von: Ralf Summer

Stand: 27.06.2019

Cover: Rhythms & Vibes From The Spirit Of Young Africa | Bild: Python Syndicate

Express Brass Band - Who’s following who

Von allen Blas- bzw Brass-Kapellen im Heimat-Sound-Gebiet haben sie wohl den weitesten musikalischen Horizont: die Express Brass Band aus München blickt seit 20 Jahren lieber hinter als vor die Alpen, um Neues zu entdecken: Afrobeat, Latin, New Orleans und diesmal - wenn man beim CD-Info spicken darf: Marokk-Soul. Der neue Münchner Zentrale Omnibus Bahnhof „ZOB“ - gleich beim BR-Funkhaus – er bekommt als An- und Abfahrtsplatz vieler Reisender endlich auch seine Hymne auf der neuen Platte „Who´s Following Who“. Den 20 Musikern der Express Brass Band kann man bedenkenlos überallhin folgen. Morgen, Freitag 28.6., z. B. zum Release-Konzert nach München ins Ampere. Bis September sind Constanze Alvarez, Wolfi Schlick & Co dann noch fünf Mal live in der Stadt. (8 von 10 Punkten)

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Happy | Bild: Express Brass Band - Topic (via YouTube)

Happy

V.A. Taxi Sampler 01 - Rhythms & Vibes From The Spirit Of Young Africa

Taxi Waves heißt eine neue Videodoku über die blühenden Musik-Szenen in Teilen Afrikas. Nun kommt quasi die Tonspur dazu. Der Taxi-Sampler bietet eine klasse Zusammenzustellung mit energiegeladener afrikanischer Musik u. a. aus Nigeria, Mosambik und Äthiopien: HipHop, House, B(r)ass-Sounds in seinen leicht abgewandelten Spielarten vom Schwarzen Kontinent: Afrobass, Gqom, Kuduro… Zwischen den Instrumental-Tracks gibt's Interview-Schnipsel aus der Video-Doku. Der Doppel-LP liegt ein 26-seitiges Booklet über die Hintergründe und Biographien der hier vorgestellten Musik*innen bei. Sehr spannend! (9,0 von 10 Punkten)

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RVDICAL THE KID - Free Spirit | Bild: Quality Over Quantity Music (via YouTube)

RVDICAL THE KID - Free Spirit

Tunng - Magpie Bites and other Cuts

Seit eineinhalb Jahrzehnten machen die Londoner Folktronica. Die neue Platte von Tunng ist eine Compilation aus B-Seiten, Hidden Tracks, neuen Versionen und Unveröffentlichtem – entstanden zwischen 2004 und 2018. Auch wenn naturgemäss kein Hit auf so einer Sammlung sein kann, trifft die Stimmung doch immer den richtigen, den bekannten Tunng-Ton. Lauter nette, neue Bekannte – und meist so schüchtern! (7 von 10 Punkten)

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tunng - heatwave [official audio] | Bild: Full Time Hobby (via YouTube)

tunng - heatwave [official audio]

Thom Yorke - Anima

Der Radiohead-Sänger bringt heute am Donnerstag mit "Anima" ein neues Digital-Album raus – begleitet von einem 14-Minuten-Kurzfilm von Paul Thomas Anderson, einem Freund seiner Band. Kommt auf Netflix, ab 21 Uhr. Für den US-Kino-Regisseur schreibt Radiohead-Gitarrist Johnny Greenwood seit Jahren alle Soundtracks. Die neuen Stücke von Thom Yorke beschäftigen sich mit "Anima" und "Animus“, den Begriffen des Psychologen C. G. Jung, mit unseren dominanten männlichen/weiblichen Identitäten – und den Ausgleichsmechanismen, die wir haben. Yorke spielt schon im Teaser zur Platte mit einer erfundenen Firma, Anima Technologies, die ihre Dienstleistungen an Menschen vermarkten: „Du bist ein einer surrealen Welt. Du kannst jeder und jede sein.“ In der Londoner U-Bahn warb er damit, dass „Anima Technologies“ alle Träume zurückbringen würden, die man hatte. Für Thom Yorke ist das Internet der Ort des kollektiven Unbewussten geworden. Was Jung und Freud wohl dazu sagen würden? Jeder kann im Netz seinen Avatar auftreten und lügen lassen, was das Zeug hält. Höre "Not The News" - der Song, in dem er eiskalte Synthies benutzt. Das Album ist wie zu erwarten voller elektronischer Sounds, düster gehalten, Droney Traumtanzmusik. Von einem Künstler, der sich nicht an seine Träume erinnert. Macht beste schlechte Laune. Die LP/CD erscheinen erst Mitte Juli - auf Vinyl wird es einen Bonustrack geben: „Ladies & Gentleman, Thank You For Coming“. Yorke kommt auch live: 2.7. Köln-Palladium und 3.7. Frankfurt-Jahrhunderthalle. (8,5 von 10 Punkten)

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Thom Yorke - Not The News | Bild: Thom Yorke (via YouTube)

Thom Yorke - Not The News

Mega Bog - Dolphine

Erin Birgy ist eine Multi-Instrumentalistin aus den USA: begleitet wird sie in ihrer Band Mega Bog u. a. von Musikern der im Nachtmix und Zündfunk gern gespielten Indie-Folkern von Big Thief und Hand Habits – auch der Indie-Souler Nick Hakim hat auf den Songs auf „Dolphine“ geholfen. „It is hyper-sexual, Aquarian music“, hat Erin einmal den Sound von Mega Bog beschrieben. Wasser, das Thema passt auch für die neue Platte. Die ist von Sci-Fi und mythischen Bildern inspiriert – es geht um eine Menschenrasse, die wie Delfine in den Meeren leben. Eine Folk-Art-Konzeptplatte, für die man sich beim Drin-Abtauchen Zeit lassen muss. (7,5 von 10 Punkten)

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Mega Bog - For the Old World | Bild: MegaBogVEVO (via YouTube)

Mega Bog - For the Old World

Daughter of Swords – Dawnbreaker

Es ist schon erstaunlich, dass Stimme und Akustikgitarre nach all den Jahrzehnten doch noch immer reichen, um einen als Hörer in den Bann zu ziehen. Gut, eine gewisse Form von Magie muss schon mitschwingen bei so einer Minimalausstattung. Bei Daughter Of Swords reicht das, auch wenn hier und dann auch Mundharmonika, leichter Bass oder federnde Drums begleiten. Daughter Of Swords ist das Solo-Projekt von Alexandra Sauser-Monnig, bisher Teil der US-Band Mountain Man, bekannt für ihre gern im Acapella-Stil vorgetragene Folk-Balladen. Bei ihren neuen Solo-Songs verarbeitet sie: jawoll, richtig geraten, eine gescheiterte Beziehung, die sie ausserhalb ihrer Mädels-Band verhandeln wollte. Dabei klingt zumindest die Musik der Schwerttochter alles andere als schneidend-bös. (7 von 10 Punkten)

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Daughter of Swords - Dawnbreaker [OFFICIAL VIDEO] | Bild: Daughter of Swords (via YouTube)

Daughter of Swords - Dawnbreaker [OFFICIAL VIDEO]

The Black Keys - Let’s rock

Mit sechs Grammys zählen sie zu den preisgekrönten Rock-Bands unserer Tage: mit "Let´s Rock" melden sich The Black Keys zurück. Fünf Jahre Plattenpause liegen hinter ihnen, in der Dan Auerbach und Patrick Carney vielen anderen Musikern und Bands beim Aufnehmen/Produzieren geholfen haben: u. a. Calvin Johnson, Tobias Jesse Jr. Sonny Smith – und den Soundtrack zur Serie "BoJack Horseman". "Let´s Rock" macht genau das, was der Titel verspricht, um dann es aber auch gemütlich angehen zu lassen. Oder in hymnischem Radio-Pop zu münden – wie bei "Under The Gun" am Ende der Platte. Der Blues der Black Keys kommt 2019 etwas kurz. Aber die Fans freuen sich, sie wiedervereint erleben zu dürfen, nicht wahr? (7 von 10 Punkten)

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The Black Keys - "Let's Rock" [Promo #11] | Bild: The Black Keys (via YouTube)

The Black Keys - "Let's Rock" [Promo #11]

Chris Stamey - New Songs for the 20st Century

In den 80ern kannten ihn die Indie-Fans durch seine Band The dB´s – neben R.E.M. und Dream Syndicate liessen die DB's Folk, Psychedelia und Power-Pop hochleben. Chris Stamey kaufte sich vor vier Jahren ein Klavier und drei Jahre später wachte er mit grauem Bart und einem Doppel-Album auf – wie er sagt. Voller Coversongs seiner Lieblingskomponisten wie Cole Porter, Henry Mancini oder Irving Berlin. Eingespielt hat es Stamey mit befreundeten Musikern - darunter Brandford Marsalis, Bill Frisell oder auch sein Ex-Band-Kollege Peter Holsapple "New Songs For The 20th Century" klingt dementsprechend zeitlos – hat etwas von einem jazzy Brunch-Soundtrack oder easy Veranda-Nachmittag. Milde Sorte! (7 von 10 Punkten)

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Omnivore Chris Stamey Songs For The 20th Century trailer | Bild: OmnivoreRecordings (via YouTube)

Omnivore Chris Stamey Songs For The 20th Century trailer

Jade Jackson - Wilderness

Sie ist ein Pechvogel – aber macht nun das Beste draus: Kurz nach ihrem 20. Geburtstag stürzte die Musikerin Jade Jackson beim Klettern ein paar Meter in die Tiefe. Durch die Behandlung mit Schmerzmitteln wurde sie medikamentenabhängig, zwang sich die Tabletten abzusetzen und glitt in eine Depression. Darum handelt das neue, leicht countryeske Album der kalifornischen Singer-Songwriterin auch von Themen wie Wildnis, Schmerz oder Einsamkeit. Die Lieder sind zurückgenommen und nachdenklich – als ob Jade sie auch draussen in der Natur spielen wollen würde. Am Lagerfeuer wäre man gern dabei – nur vorm Klettern würden wir Jade Jackson abhalten. (7 von 10 Punkten)

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Jade Jackson - "Bottle It Up" | Bild: ANTI- Records (via YouTube)

Jade Jackson - "Bottle It Up"

Freddie Gibbs & Madlib - Bandana

2014 begeisterten die beiden US-Hip-Hop-Größen: ihr erstes gemeinsames "Pinata"-Album war dank der smooven Beats von Madlib und den eingängigen Raps von Gibbs eine bemerkenswerte Platte. 2016 dann der Tiefpunkt in Gibbs' Karriere: Nach einem Konzert wird er in Frankreich verhaftet: aufgrund eines Europäischen Haftbefehls – ausgeschrieben in Österreich. Zwei weibliche Fans hatten ihn angezeigt – Vorwurf: Vergewaltigung nach seinem Wien-Konzert. Aufgrund fehlender eindeutiger Beweise hat das Gericht „im Zweifel für den Angeklagten“ entschieden – Gibbs wurde freigesprochen, trat seither nicht mehr in Österreich auf.  "Bandana" berührt mich nicht mehr so wie die elegante "Pinata" vor fünf Jahren. Da helfen auch Gäste wie Yasiin Bey (Mos Def), Black Thought, Killer Mike oder Pusha T nicht. (7 von 10 Punkten)

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Freddie Gibbs & Madlib - Crime Pays (Official) | Bild: Freddie Gibbs (via YouTube)

Freddie Gibbs & Madlib - Crime Pays (Official)

MOODYMANN – Sinner EP

Seit 25 Jahren veröffentlicht Kenny Dixon Jr aka Moodymann nun schon Platten. Die Club-Welt wartet seit einem Jahr auf ein neues Album des gefeierten Detroit-House-Pioniers. Wie jetzt zu lesen ist, verschenkte er die 2018er Platte wohl bei seinen Sets in den USA. Als Ersatz gibt's nun aber eine Doppel-Vinyl-Maxi, die „Sinner EP“ – auch digital. Sieben Tracks (auf Platte: fünf) zwischen Detroit-House und jazzy Funk. Dicke Bässe, Prince-artige Vocals, ausgesuchte Samples – u. a. "Take Yo´Praise" von Camille Yarbrough, das Fatboy Slim einst für seinen Über-Hit "Praise You" benutzt hat. Das klasse "Got Me Coming Back Right Now" - die Vorabsingle zum nie erschienen Album ist dann doch dabei – sein Knaller "I Got Werk" (Bonustrack auf dem letzten Album 2014) ist einer Live-Version dabei. Und seinem Ruf als der "Prince of House-Music" macht er auf dem schwülen Schwofer "Downtown" alle Ehre. Moodymann wieder mal mit größtenteils unwiderstehlichen, warmen, eleganten Grooves. (8,5 von 10 Punkten)

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Moodymann - If I Gave U My Love [SINNER | KDJ 48] | Bild: soundsgroovy (via YouTube)

Moodymann - If I Gave U My Love [SINNER | KDJ 48]

DJ PYTHON – Derretirse EP

Der New Yorker DJ Python – Fans auch bekannt als Deejay Xanax und DJ Wey, sprich Brian Pineyro - der südamerikanisch-stämmige Produzent veröffentlicht eine Sechs-Track-EP auf Dekmantel, dem niederländischen Qualitäts-Label für Clubmusik. „Derretirse“ heisst im Portugiesischen „schmelzen“ - und das kann man auch – angesichts dieser geschmeidigen Late-Night-Musik: geschmackvolle Instrumentals zwischen blubbernd-dubbigem Boards Of Canada-Sound ("Lampara"), tropisch-zwitscherndem Yoga-House ("Cunado"), spooky Global Beats ("Espero") und My-Life-In-The-Bush-Of-Ghosts-für-2019-Updates ("Be Si To"). Herrlich trippiger, fliegender Klangteppich. (9,5 von 10 Punkten)

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DJ Python - Lampara [DKMNTL067] | Bild: cobra cobra (via YouTube)

DJ Python - Lampara [DKMNTL067]


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