Bayern 2 - Nachtmix


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Neuerscheinungen der Woche Neue Alben von Sufjan Stevens, Damon Locks, Modeselektor und Taylor Swift

Die Neuheiten der Woche im Überblick. Mit dabei sind u. a. Françoiz Breut, Damon Locks, Modeselektor, Rhiannon Giddens, Ruf Rundell, Benny Sings, Reds, Pinks and Purples, Delgres und Taylor Swift...

Von: Thomas Mehringer

Stand: 08.04.2021 15:30 Uhr

Cover: NOW - Damon Locks and the Black Monument Ensemble | Bild: International Anthem, Artwork by Damon Locks

Benny Sings - Music

Der Niederländer Benny Sings macht seit Jahren diesen Easy-Peasy-Pop, der nur wenigen so leicht vom Mikrofon geht. Mit dem Briten Rex Orange County zusammen, hatte er kürzlich erst einen kleinen Pop-Hit weltweit. Am Erfolg von “Loving Is Easy” will er auf seinem neuen Album “Music” anknüpfen, hört man von der ersten Sekunde. Leider gibt es nur ein paar Songs, die das Potential haben - und selbst die meint man, schon von anderen Benny Sings-Alben zu kennen. Höhepunkte sind darum die Kooperationen mit Mac DeMarco, dem Rapper Kyle und vor allem der Song mit Emily King und Peter Cottontale. (6,7 von 10 Punkten)

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Benny Sings - Here It Comes | Bild: Stones Throw (via YouTube)

Benny Sings - Here It Comes

Françoiz Breut - Flux Flou De La Foule

Denk ich an Françoiz Breut, denk ich an den Song “Letter To Françoiz” von Howe Gelb, den er ihr gewidmet hat. Auch Calexico und Herman Düne sind Fans der Französin, die längst aus der Rolle der französischen Indie-Heldin rausgewachsen ist. Der Titel ihres neuen Albums lässt sich übersetzen mit “der wabernde Fluss der Masse” - dem versucht sie immer noch zu entfliehen, diesmal nicht mehr mit einer klassischen Band, sondern zwei jungen Produzenten, die sie in die Welt des Chanson électronique entführen. Steht ihr sehr gut. Françoiz Breut reiht sich in die ehemaligen Indie-Helden ein, die sich stetig und in Würde weiterentwickeln - gibt es ja auch gar nicht mal so viele davon. (7,2 von 10 Punkten)

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Françoiz Breut - Mes péchés s'accumulent (official video) | Bild: francoizbreut (via YouTube)

Françoiz Breut - Mes péchés s'accumulent (official video)

Raf Rundell - O.M. Days

Raf Rundell kennt man zusammen mit Joe Goddard von Hot Chip als The 2 Bears. Einer der Bären, nämlich Rundell, bringt jetzt sein zweites Solo-Album raus. Das Cover der Platte erinnert an die Kunst des verstorbenen Künstlers Keith Haring, kommt aber vom Zeichner Ben Edge. Auf dem Cover sieht man einen blauen Riesen auf gelbem Hintergrund, der sowohl Mensch als auch Pflanze ist und männlich wie weiblich. Eine Figur, die den Neuanfang symbolisiert - und die wir jetzt in der Krise ganz gut gebrauchen können. Raf Rundell arbeitet sich mit zahlreichen Gäste aus der britischen Szene an der Figur ab. Wir hören Blue Eyed Soul, Disco und relativ entspannten Neo-R&B. Solide, eklektische Platte, die uns die Zeit bis zum nächsten Hot-Chip-Album versüßt. (6,8 von 10 Punkten)

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Raf Rundell - O.M. DAYS | Bild: Raf Rundell Official (via YouTube)

Raf Rundell - O.M. DAYS

Taylor Swift – Fearless (Taylor’s Version)

Dass eine der größten lebenden Popstars keine freie Künstlerin sein soll, ist eigentlich unvorstellbar, aber im Falle von Taylor Swift Fakt. Die Rechte an ihren ersten sechs Alben gehören nicht ihr, sondern einem Investment-Unternehmen. Ihr Ex-Manager Scooter Braun hat die Verwertungsrechte für mehr als 300 Millionen Dollar dorthin verkauft. Und weil kein Gericht die sogenannten “master tapes” zurückbringt, hören wir jetzt das erste dieser sechs Alben in neuem Gewand, neu aufgenommen, damit die Rechte auch wirklich bei Taylor Swift bzw. ihrem neuen Label Universal liegen. Das neue Album heißt nach wie vor “Fearless”, jetzt nur mit dem Zusatz “Taylor’s Version”. Und klar, die Versionen sind nicht mehr die, die wir von der Erstveröffentlichung 2008 kennen - aber wir hören immer noch Mainstream-Pop für die US-Radios. Was bleiben wird bei “Fearless (Taylor’s Version): es ist ihr Emanzipationsalbum. Für viele gilt Swift als feministisches, empowerndes Role Model, das wird sich mit dieser Neuaufnahmen-Reihe weiter verfestigen. (6,9 von 10 Punkten)

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Taylor Swift - Mr. Perfectly Fine (Taylor’s Version) (From The Vault) (Lyric Video) | Bild: TaylorSwiftVEVO (via YouTube)

Taylor Swift - Mr. Perfectly Fine (Taylor’s Version) (From The Vault) (Lyric Video)

Rhiannon Giddens – They’re Calling Me Home

Die aus North Carolina stammende Folkmusikerin Rhiannon Giddens hat vor knapp 15 Jahren nach Irland geheiratet. Dort hat sie auch die Pandemie zu großen Teilen verbracht - und mit “They’re Calling Me Home” hören wir jetzt ihr Lockdown-Album. Zusammen mit einem anderen Wahl-Iren: dem italienischen Multi-Instrumentalisten Francesco Turrisi. Mit ihm hat sie alte amerikanische sowie italienische Traditionals aufgenommen und neue Songs, die so klingen als wären sie altes irisches Liedgut - und das alles unter dem Motto “Calling Me Home”, also Songs, die Sehnsucht nach Heimat ausdrücken. Dieses Gefühl, das uns gen Heimat treibt, kennen viele in der Pandemie, sagt Rhiannon Giddens. Recht hat sie. Aber noch eine zweite Ebene macht sich beim Albumtitel auf, nämlich die des Todes: „They’re Calling Me Home“. (7,7 von 10 Punkten)

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Rhiannon Giddens - Calling Me Home (with Francesco Turrisi) | Bild: Rhiannon Giddens (via YouTube)

Rhiannon Giddens - Calling Me Home (with Francesco Turrisi)

Delgres - 4:00AM

Delgres sind ein Bluesrock-Trio aus Frankreich um den Frontmann Pascal Danaë. Er singt in französischer, kreolischer und englischer Sprache. Hört sich für mich an wie ein karibische Version der Black Keys, aber die Beschreibung ist natürlich stark verkürzt. Bei Delgres steckt viel drin, allein die Vita des Frontmanns Danaë bringt viel Erfahrung mit, leider auch nicht so gute: Rassismuserfahrung, Entwurzelung, Abschied und das Älterwerden in einer sich immer drehenden Welt. Was mich aber besonders gefreut hat: ich höre auch die Einflüsse von African-Rock-Bands wie Osibisa aus den 70ern raus. Das Konzept des Caribic-Blues funktioniert gut auf dem zweiten Album der Delgres, es enttäuschen nur die Songs, die sich zu sehr am klassischen Garage-Rock orientieren. (7,3 von 10 Punkten)

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Delgres - Assez Assez (Magic Mirrors Live Session) | Bild: Delgres (via YouTube)

Delgres - Assez Assez (Magic Mirrors Live Session)

Damon Locks - Black Monument Ensemble – NOW

Der Schwarze Multimedia-Künstler und Aktivist Damon Locks aus Chicago hat sein Black Monument Ensemble mittlerweile als Jazz-Kollektiv erweitert und etabliert. Das jüngste Kollektivmitglied ist 9 Jahre jung, das älteste 52 - unter ihnen, als feste Mitglieder, die von mir sehr geschätzten Ben Lamar Gay und auch Angel Bat Dawid. Locks kommt eigentlich vom Sampling, aber hier fusioniert er seine Samplekunst mit dem gefeierten, politischen Jazz der Clique rund um das Chicagoer International Anthem-Label. Die Fusion funktioniert außergewöhnlich gut. Und auch die Gedanken, die ich auf “NOW” höre, bewegen mich. Denn hier wird nochmal festgehalten, dass die Corona-Pandemie die Schwarze Community in den USA besonders stark getroffen hat. Aber als positiv und empowernd wird verbucht, dass selbst Corona den Impact der Black Lives Matter-Bewegung nicht bremsen konnte. Hier stehen wir jetzt, also “Now”, sagt Damon Locks, aber es muss und wird weiter gehen. (8,7 von 10 Punkten)

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Damon Locks - Black Monument Ensemble - "NOW (Forever Momentary Space)" | Bild: International Anthem (via YouTube)

Damon Locks - Black Monument Ensemble - "NOW (Forever Momentary Space)"

Modeselektor – Extendend

Er vermisst die Vergiftung, hat Sebastian Szary Ralf Summer im Interview verraten, als es um die Zeit in der Pandemie ging. Tja, was machen die zwei Berliner Club-DJs und Produzenten von Weltrang, wenn während der Pandemie die Clubs zu sind? Man fängt an, in alten Aufnahmen und Skizzen rumzukramen, die bis ins Jahr 2007 zurückreichen - und beschließt, ein Mixtape daraus zu machen. War eh ein kleiner Traum, sagen Gernot und Sebastian von Modeselektor. Vorbild war ein Fabric Mix aus den Nuller Jahren von Ricardo Villalobos. 27 unveröffentlichte Tracks haben die beiden zu einem Mixtape zusammengestrickt, der Großteil davon ziemliche Banger. Mich haben dabei die gelungenen Ausflüge zu Riddim und Dub sehr überrascht - positiv überrascht. Wenn die Clubs wieder aufmachen, ist das 1a-Material zum Steilgehen. Bis es soweit ist, veröffentlichen Modeselektor mit dem Mixtape namens “Extended” auch ein einstündiges Tanzvideo. Als LP wird „Extended“ übrigens nicht erscheinen, sondern nur auf CD und Tape – damit der Mix ja nicht unterbrochen wird. (8,4 von 10 Punkten)

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Modeselektor - Extended (09.04.2021) | Bild: therealmodeselektor (via YouTube)

Modeselektor - Extended (09.04.2021)

Sufjan Stevens – Meditations

Am 6. April wurde es überraschend angekündigt, jetzt erscheint schon Teil 1: Sufjan Stevens wird eine fünfteilige Reihe namens “Convocations” veröffentlichen, heißt so viel wie Einberufungen. Die Reihe ist seinem biologischen Vater gewidmet, der im letzten Jahr gestorben ist, zwei Tage nach der Veröffentlichung seines letzten Albums “The Ascension”. Das erste Album wird heißen “Meditations”, Meditationen, erscheint morgen. Es folgen Alben mit den Titeln: Wehklagen, Offenbarungen, Feierlichkeiten und die Beschwörung. Ich bin sehr gespannt auf diesen väterlichen Zyklus. (keine Wertung möglich)

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Sufjan Stevens - Meditation V - Convocations [Official Audio and Visual] | Bild: Sufjan Stevens (via YouTube)

Sufjan Stevens - Meditation V - Convocations [Official Audio and Visual]


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