Bayern 2 - Nachtmix

Neuerscheinungen der Woche Oneohtrix Point Never | Father John Misty | Lump

Die Neuheiten der Pop-Woche im kompakten Überblick: Wir hören hinein in die frischen Werke von Dave Alvin & Jimmie Dale Gilmore, Brian Jonestown Massacre, Bodega, The Saxophones, Lump, Natalie Prass, Jamie Isaac, Morcheeba, Oneohtrix Point Never, Father John Misty und Âme.

Von: Roderich Fabian

Stand: 31.05.2018

Father John Misty | Bild: PIAS

DAVE ALVIN & JIMMIE DALE GILMORE - “Downey to Lubbock” (YepROC)

Die US-Südstaatler Dave Alvin (bekannt von den Blasters) und Austin-Legende Jimmy Dale Gilmore feiern die Gegenkultur-Hymne “Get together” auf ihrem gemeinsamen Album, zusammen mit elf anderen Songs, die ebenfalls gut abgehangen und “raunchy” klingen - es sind halt Outlaw-Cowboys bis zum Abwinken, was hoffentlich noch nicht so bald kommt. (5,5 von 10 Punkten)

BRIAN JONESTOWN MASSACRE - “Something Else” (A Recordings)

Die Kalifornier können auf eine stattliche Discographie verweisen. Seit 1995 macht die Band unermüdlich Platten, die nicht viel anders klingen als “Something Else”. Insofern ist der Name irrefühernd. Wieder gibt es hier Neo-Psychedelia, der dem ewigen Underground verpflichtet ist. Das ist nicht unangenehm, aber so flüchtig wie ein alter Acid Trip. (6 von 10 Punkten)

BODEGA - “Endless Scroll” (What’s your Rupture)

Sie werden immer gern in die Schublade “Art Rock” sortiert, dabei ist das hier ziemlich lupenreiner, also “dirty” Punkrock New Yorker Schule. Trotzdem klingt die Band auf ihrem Debütalbum frisch und angriffslustig. Ich bin da leider befangen, so etwas gefällt mir immer, auch wenn Bodega genau das auch 1979 hätten veröffentlichen können. (7,5 von 10 Punkten)

FATHER JOHN MISTY - “God’s Favorite Customer” (Bella Union)

Tief in die Retrokiste greift der schrullige Ex-Drummer der Fleet Foxes hier. Das Titelstück sagt wieder mal “Goodbye Yellow Brick Road”. Auch auf seiner neuen Platte ist das Klavier das bestimmende Instrument, das Tempo gediegen und nicht nur seine Stimme erinnert pausenlos an Elton John, aber immerhin an den besten Elton John so Anfang der 70er, bevor er mit “Crocodile Rock” dann einfach zu reich wurde, um noch ernst genommen zu werden. (7,5 von 10 Punkten)

THE SAXOPHONES - “Songs of the Saxophones” (Full Time Hobby)

Das Ehepaar aus Oakland nimmt alles mit Humor. Sie sehen nicht nur ein bisschen so aus wie das Spionpaar aus der Serie “The Americans”, auch David Lynch hätte sie sich ausdenken können - sie machen Easy-Listening-Songs zwischen Hawaii-Nostalgie-Kitsch und der minimalistischen Position der Young Marble Giants. Das Album - auf dem natürlich nie ein Saxophon zu hören ist - ist schon ziemlich großartig, als Konzept und als Album. (7,5 von 10 Punkten)

NATALIE PRASS - “The Past and the Future” (ATO)

Auch diese Amerikanerin hämmert in die Retrokerbe, aber ihr zweites Album ist fett produziert und liefert 1.000 Assoziationen. Natalie Prass schafft es manchmal wie Joni Mitchell, manchmal wie Carly Simon und manchmal wie Natalie Prass zu klingen. Angeblich hat sie bereits angefangene Songs umgeschrieben nachdem Trump Präsident geworden ist, aber besonders zornig ist sie hier eigentlich nie. (7 von 10 Punkten)

JAMIE ISAAC - “(4:30) Idler” (Marathon Artists)

Dieser friedliche Brite betitelt sich als “Rumhänger um halb fünf” auf seiner zweiten Platte. Solche Art von Bossa-Nova-Soul mit leichten Anleihen bei Stevie Wonder kommt schon seit vielen Jahren nur noch aus England, wo ja die vitalste Souljazz-Szene besteht. Isaac wird als Spezi von King Krule und Rejjie Snow beschrieben, was mich nicht wundern würde - und man kann bei dieser Platte des fleißigen Faulenzers perfekt wegdösen. (6,5 von 10 Punkten)

LUMP - “Lump” (Dead Oceans)

Dieses kontemplative Duo besteht aus dem Tunng-Mitglied Mike Lindsay und der unnachahmlichen Laura Marling. Es weist durchaus in apokalyptische Richtung. Lump ist sowohl für Marling als auch für Lindsay ein Nebenprojekt, aber die Texte und die Musik sind voller Dinglichkeit, beschäftigen sie sich doch mit der virtuell anmutenden Existenz als Person des öffentlichen Interesses. Das Album erinnert mich nur vom Anspruch her manchmal an “Days of Future Passed” der Moody Blues, was ja auch ein überambitionierter Konzeptbrocken war. (6 von 10 Punkten)

MORCHEEBA - “Blaze away” (Kartel)

Dies ist das auch schon neunte Album von Morcheeba seit 1996. Sie tun einfach so, als sei die Trip-Hop-Ära nie zuende gegangen und liefern Gebrauchsmusik für die Werbeagentur. Irgendwie sind die Briten beim Cappuchino stehengeblieben ist, wo die meisten doch längst Latte Macchiato trinken. Die Zeit wartet eben auf niemanden. (5 von 10 Punkten)

ONEOHTRIX POINT NEVER - “Age of” (Warp)

Wenn jemand den Zeitgeist richtig verstanden hat, dann ist es der 35-jährige Daniel Lopatin aus New York. Als Oneohtrix Point Never macht er Musik, die sich sowohl für die Ausstellungseröffnung als auch für den Arthouse-Film als auch für den Club eignet. Und von allen wird er auch gebucht. Nach diversen experimentellen Alben kommt jetzt die Platte, die ihn wirklich berühmt machen wird. Denn hier sind auch diverse Vocaltracks versammelt. Daniel Lopatin hat selbst gesungen, aber auch Ahnoni. Es gibt viele märchenhafte, ja zauberhafte Tracks hier und zeigt den Meister auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Ein wenig Hilfe von James Blake soll auch im Spiel gewesen sein - auf jeden Fall ein Album, an dem man 2018 nicht vorbeikommt. (9 von 10 Punkten)

ÂME - „Dream House“ (Innervisons)

Das Berliner Duo Âme wäre auch gern so etwas wie Daniel Lopatin, und hip und elektronisch sind sie ja schon mal. Auch auf ihrer neuen Platte gibt es elegische Stimmen, aber irgendwie versuchen Âme gleichzeitig auch noch die Dancefloor-Fraktion einzubinden. So entstand ein solides, aber etwas uneinheitliches Album mit Höhen und Tiefen.  (6,5 von 10 Punkten)