Bayern 2 - Nachtmix

Neuerscheinungen der Woche Goat Girl | Eels | Wye Oak

Der kompakte Überblick über die Neuerscheinungen der Woche: Unter anderem mit folgenden Künstlern: Christina Vantzou, Sloan, Hinds, Goat Girl, Island, Eels, Wye Oak, Unknown Mortal Orchestra, Cardi B, Dr. Octagon, Kwes und Sly & Robbie meets Nils Peter Molvaer.

Von: Roderich Fabian

Stand: 05.04.2018

Cover: Goat Girl - Goat Girl | Bild: Pias

CHRISTINA VANTZOU - “No.4”

Ambientmusik von Christina Vantzou, der Belgierin, die wirklich zauberhaft schöne Musik macht auf ihrem vierten Album. Hier entstehen tatsächliche Soundlandschaften, die immer auch cineastische Assoziationen wecken. Das reicht vom gepflegten Horrorfilm bis zu den surrealen Welten à la David Lynch. Musikalisch ist sie auf den Spuren Brian Enos. (7,4 von 10 Punkten)

SLOAN - „12“                       

Beatleshaften Powerpop machen sie schon lange, seit den frühen 90er Jahren. Und tatsächlich sind Sloan auch eine sehr erfolgreiche Band, allerdings nur in ihrer kanadischen Heimat. Weder in den USA noch in Europa konnten sie sich bislang durchsetzen, dabei schreiben sie wirklich sehr eingängige, manchmal vielleicht zu eingängige Songs. Ob also ihr zwölftes Album den weltweiten Durchbruch schaffen wird, bleibt zu bezweifeln, weil dies nicht gerade der Sound ist, auf den die Welt gewartet hat. (6,5 von 10 Punkten)

HINDS - „I don’t run“

Die Hinds sind eine weibliche Gitarrenband aus Madrid, die auf bekannte Muster zurückgreift, auch auf ihrem zweiten Album. Und ich kann nicht anders, als an die frühen 80er zu denken, an die Slits oder die Raincoats, die ebenfalls nicht viel darauf gegeben haben, perfekt zu spielen, sondern vor allem auf die richtige Attitude achten. Der Garagensound der Band ist eine klare Absage an die Schöngeister und Perfektionisten der Gegenwart. (6,0 von 10 Punkten)

GOAT GIRL - „Goat Girl“

Vielleicht ist es auch langsam gut mit Casting Shows und Virtuosität, vielleicht gibt es ja ein weiteres Rock'n'Roll-Revival. Das kann man glauben,wenn man das Debütalbum dieser Londoner Band hört. Hier sind eindeutige Einflüsse von Velvet Underground bis zu den Cramps spürbar. Die Songs sind kurz, manchmal unter einer Minute. Angeblich gehört die Band zum Freundeskreis von King Krule und Shame, was passen würde. Nichts ist hier wirklich neu, aber alles unglaublich cool. Auch hier steht also die Haltung über allem, verzeichnen wir mal als absolut genehmigt. (7,5 von 10 Punkten)

ISLAND - „Feels like Air“

Island haben alles drauf, von U2 bis Oasis, die Gitarren klingen perfekt inszeniert, der Sänger schwer betroffen. Viele Songs hier drehen sich - seltsamerweise - um den Tod oder die Sehnsucht danach. Aber insgesamt klingen mir Island zu sehr danach, zum Exporterfolg britischer Rockmusik beitragen zu müssen, also sozusagen subventionierte Musik zu machen. (5,0 von 10 Punkten)

EELS - „The Deconstruction“

Mark Oliver Everett kommt aus Los Angeles und hat sich längst mit seinem Schicksal als verkanntes und damit unterbezahltes Genie abgefunden. 15 Alben in zwölf Jahren sind die stolze Bilanz. Das neueste wird Mark Everett weder berühmter noch reicher machen, aber das stört ihn kaum. Das Album hat - auch dies wie gewohnt - eine große Bandbreite von Emotionen zu bieten. Es reicht von sanfter Verzweiflung bis zu bescheidener Zufriedenheit mit dem Erreichten - absolut okay. (7,0 von 10 Punkten)

WYE OAK - “The louder I call, the faster it runs”

Das Paar aus Baltimore versucht aber noch, neue Tricks auszuprobieren. Der Titel des Albums kommentiert den Zeitgeist. Es geht den beiden tatsächlich darum, gegen den grassierende Wahnsinn anzuschreien, der ja nicht nur die USA befallen hat. Dazu verwenden sie jetzt verstärkt elektronische Sounds, schreiben weiterhin komplexe Songs, die allerdings manchmal gefährlich in die Richtung Roxette gehen, wozu sicherlich auch die Stimme von Sängerin Jenn Wasner beiträgt. Aber die Stimme ist nunmal gottgegeben. (6,2 von 10 Punkten)

UNKNOWN MORTAL ORCHESTRA - „Sex and Food“

Die sind reif für den großen Durchbruch. Das Projekt von Ruban Neilson war bisher ein Darling der Indiemedien. Und daran wird auch das neue Album nichts ändern. Die Songs hier sind sehr unterschiedlich ausgefallen, gehen von heavy bis funky, und alles was es an Weirdem dazwischen so gibt. So klingen die Songs hier jedenfalls unglaublich ambitioniert- ein bisschen anstrengend allerdings auch. (7,8 von 10 Punkten)

CARDI B - „Invasion of Privacy“

Cardi B aus New York soll nun endlich die große weibliche Rapperin werden, also größer noch als Nicki Minaj. Bekannt wurde sie in einer Reality-TV-Show, alle Singles waren in Amerika große Hits, sie ist clever and dirty, tough und selbstironisch und natürlich sind für das Album “Invasion of Privacy” die angesagtesten Produzenten am Start. Jetzt fragt es sich, ob dieser Businessplan auch aufgehen wird – auf jeden Fall: Das nächste große Ding im amerikanischen HipHop. Ich würde ihr den Erfolg wünschen, aber die Gefahr bei diesem ganzen Hype ist die böse Vergänglichkeit. (6,6 von 10 Punkten)

DR. OCTAGON - „Moosebumps“

Keith Thornton alias Kool Keith alias Dr. Dooom alias Dr. Octagon ist seit mehr als 30 Jahren als Rapper unterwegs. Er ist einer der witzigsten und smartesten Typen der Szene und inzwischen 55 Jahre alt. Seit den Ultramagnetic MCs hat Kool Keith geliefert, und morgen ist mal wieder ein Comeback seines Alias Dr. Octagon fällig: “Moosebumps” heißt es und alle vier Tracks, die ich bislang hören konnte, sind wirklich ein großer Spaß, Old School, klar, aber was soll’s? Das ist ein Mann, der sich weder von Trump noch von Gangstern die Laune verderben lässt - lang lebe Kool Keith! (ohne Wertung)

SLY & ROBBIE MEETS NILS PETTER MOLVAER FEAT. EIVIND AARSET & VLADISLAW DELAY - “Nordub”

Sly and Robbie, das Drum'n'Bass-Duo aus Jamaika sind über alles erhaben. Die beiden haben sich mit Jazz-Pop-Trompeter Nils Petter Molvaer, dem norwegischen Gitarren-Maestro Eivind Aarset und dem genialen finnischen Elektroniker Vladislav Delay zusammengetan - Skandinavien trifft die Karibik. Das Ergebnis ist keine Wasserlandung im Atlantik, sondern eine starke, wenn auch erwartbare Platte. (6,2 von 10 Punkten)

KWES - “Songs for Midi EP”

Dies ist ein kleiner Geniestreich des Londoner Produzenten. Der hat schon die Werke von Kelela, Loyle Carner und Solange veredelt. Als Solist macht Kwes allerdings keine Gefangenen und lässt den Geist (und die Samples) frei fliegen. (7,1 von 10 Punkten)