Bayern 2 - Nachtmix


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Neuerscheinungen der Woche Lana Del Rey | Common | Ezra Furman

Die Neuheiten der Sommer-Ferien-Pop-Woche im kompakten Überblick: Wir hören u. a. hinein in die frischen Werke von Ilgen-Nur, The S.L.P., Ezra Furman, Common, Velvet Negroni, Salami Rose Joe Louis, Lana Del Rey, Gross Net, Whitney und Tool.

Von: Roderich Fabian

Stand: 29.08.2019

Cover: Salami Rose Joe Louis - "Zdenka 2080" | Bild: Brainfeeder

Auch wenn immer noch August ist, gehört das Sommerloch 2019 bereits zur Vergangenheit, zumindest was die Veröffentlichungspolitik der Plattenfirmen angeht. Das beweist diese Ausgabe der „Musik von morgen“, die mit Namen wie Lana Del Rey, Common, Whitney und Tool prunken kann.

ILGEN-NUR - „Power Nap“

Mit diversen Songs und EPs hat sie sich hierzulande schon einen Namen gemacht. Morgen erscheint nun ihr Debutalbum. Die Sängerin aus Hamburg verrät auf diesen zehn Tracks vor allem eine Vorliebe für den Sound der Smiths. Verhaltene Romantik und sanfte Exzentrik ist nämlich ihr Ding. Und dafür, dass Morrissey inzwischen eine Unperson geworden ist, kann die 23jährige natürlich nichts. Manko: Die Songs hier klingen alle ein bisschen ähnlich.  (6,6 von 10 Punkten)

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ILGEN-NUR — EASY WAY OUT (Official Video) | Bild: ILGEN-NUR (via YouTube)

ILGEN-NUR — EASY WAY OUT (Official Video)

THE S.L.P. - „The S.L.P.“

S.L.P.” – das steht für die Initialen des Kasabian-Sängers Sergio Lorenzo Pizzorno. Sein Großvater emigrierte vor Jahrzehnten von Genua nach Leicester, Mittelengland. Pizzorno hasst angeblich „Indie Rock“ und würde seine und die Musik von Kasabian eher als „Future Rock“ bezeichnen, aber das Gegenteil ist hier der Fall: „The S.L.P.“ klingen wie die typische Brit-Rock-Band aus den 90ern, mit gelegentlich Dance-Anleihen, aber – bei aller professionellen Produktion – doch ziemlich austauschbar. (6,0 von 10 Punkten)

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THE S.L.P. - The Wu (Audio) | Bild: KasabianVEVO (via YouTube)

THE S.L.P. - The Wu (Audio)

EZRA FURMAN - “Twelve Nudes”

Das Album heißt so, weil hier zwölf unbekleidete, aus der nicht vorhandenen Hose gespielte Punk-Songs zu hören sind. Ezra Furman bleibt dabei aber ein toller Songwriter, der sich inhaltlich auch mit den Texten entblößt mit Songs wie „I wanna be your Girlfriend“. Ich mag solche Rückhaltlosigkeit. (7,8 von 10 Punkten)

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Ezra Furman - Evening Prayer (Official Audio) | Bild: bellaunioninc (via YouTube)

Ezra Furman - Evening Prayer (Official Audio)

COMMON - “Let Love”

Das ganze Album ist durch Commons Autiobiographie „Let Love have the last Word” inspiriert, in dem er sich als geläuterter Wilder outet und die wahren Werte des Lebens erst jetzt, mit 47, zu erkennen glaubt. Musikalisch hat das Alles hier null mit den Strömungen des aktuellen US-HipHop zu tun. Man denkt eher an die jazzigen Gang Star oder an den späten Marvin Gaye. „Let Love“ ist HipHop für die Midlife Crisis.  (7,4 von 10 Punkten)

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Common - The Light | Bild: CommonVEVO (via YouTube)

Common - The Light

VELVET NEGRONI - “Neon Brown”

Eigentlich heißt er Jeremy Nutzman und kommt aus Minneapolis, aber Velvet Negroni klingt natürlich besser, wie ein Drink in der Abendsonne. Und diese Art von Eleganz strahlt der Sänger auch auf dem ganzen Debut-Album „Neon Brown“ aus. Manche Stücke hier könnten dazu verleiten, ihn als experimentellen R&B-Sänger zu klassifizieren, aber dann wird’s auch schon wieder konventioneller, will sagen: auf den amerikanischen Markt schielender. Kanye West hat seine Musik auch schon gesampelt, kann also nicht mehr viel schief gehen mit der Karriere. (6,8 von 10 Punkten)

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Velvet Negroni - CONFETTI (Official Video) | Bild: 4AD (via YouTube)

Velvet Negroni - CONFETTI (Official Video)

SALAMI ROSE JOE LOUIS - “Zdenka 2080”

Es ist Musik, die ein wenig an den elektronischen Soul des Sa-Ra-Collectives denken lässt, und sie stammt von der kalifornischen Musikerin Jenny Olsen, die sich ziemlich queer “Salami Rose Joe Louis” nennt und damit auch an den Boxweltmeister der 30er Jahre, Joe Louis, erinnert, warum auch immer.  Ihr Debutalbum ist mit dem Flying-Lotus-Label “Breainfeeder Records” genau an der richtigen Adresse. Denn die Musikerin agiert sehr frei, im Sinne des Jazz, ohne dass das hier Jazz ist. “Zdenka 2080” ist außerdem ein Konzeptalbum, beschreibt es doch eine dystopische Zukunft, in der eine Handvoll Konzerne komplette Kontrolle über die Weltbevölkerung ausüben - oder geht’s hier vielleicht doch um die Gegenwart? Mein Album der Woche. (8,8 von 10 Punkten)   

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Salami Rose Joe Louis - 'Sitting with Thoughts' (Official Audio) | Bild: Brainfeeder (via YouTube)

Salami Rose Joe Louis - 'Sitting with Thoughts' (Official Audio)

LANA DEL REY - “Norman Fucking Rockwell!“

Es ist unglaublich cool, wie „Venice Bitch“ – das als Folk-Ballade beginnt - am Ende abdreht und zu einem Mysterium wird. Es ist eines von sechs Vorab-Tracks vom neuen Lana-Del-Rey-Album. Der Titel spielt despektierlich auf den Maler und Zeichner Norman Rockwell an, der bis zu seinem Tod im Jahr 1978 als Illustrator des amerikanischen Patriotismus galt und seine Werke vor allem in Zeitschriften veröffentlichte. Der ausgrenzende Nationalismus Rockwells wird von Lana Del Rey hier an den Pranger gestellt - und es ist klar, wen sie mit diesem Titel eigentlich meint. Musikalisch bleibt sie bei ihren sehnsüchtig-nostalgischen Leisten. Bei der Produktion unterstützt wurde sie von dem zur Zeit schwer angesagten Jack Antonoff, der sich schon auf den Songs von St. Vincent bis Taylor Swift als Mann für alle Fälle erwiesen hat. (8,5 von 10 Punkten)

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Norman fucking Rockwell | Bild: Lana Del Rey - Topic (via YouTube)

Norman fucking Rockwell

GROSS NET - „Gross Net means Gross Net“

Irgendwo zwischen Dark Wave und New Order ist die Musik von Gross Net aus Belfast zuhause. Und die Texte sind streng politisch. “Gross Net means Gross Net” heißt das Album und spielt auf Theresa Mays Ansage “Brexit means Brexit” an. Phillip Quinn ist als Nordire vom Brexit betroffen, aber er regt sich auch über andere aktuelle Phänomene auf – z. B. die “Gentrification”. Das Album ist so ziemlich das Gegenteil amerikanischer Großproduktionen, der Musiker hat hier alles allein auf dem Laptop zusammengebaut - minimalistisch, aber glaubwürdig. (6,3 von 10 Punkten)

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Gross Net  - Of Late Capitalism (Official Music Video) | Bild: felte (via YouTube)

Gross Net - Of Late Capitalism (Official Music Video)

WHITNEY - “Forever turned around”

Die Band, die 2016 mit “No Woman” auf dem zweiten Platz der Zündfunk-Singles-Charts landete, schlägt auch jetzt wieder in die gleiche Kerbe. Wir hören soulvolle, leicht Country-fizierte Lovesongs voller Melancholie und Sehnsucht. Whitney bieten also nicht unbedingt eine Fortentwicklung an, sondern liefern den Fans mehr von dem, was das Duo aus Chicago vor drei Jahren zu einem Überraschungserfolg gemacht hat. (7,2 von 10 Punkten)

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Whitney - Used To Be Lonely | Bild: WhitneyVEVO (via YouTube)

Whitney - Used To Be Lonely

TOOL - "Fear Inoculum“

Dreizehn Jahre sind seit dem letzten Album der Alternative-Metal-Band vergangen. Neben den Nine Inch Nails waren Tool seit den 90ern die wegweisende Band für das Genre. Das Vehikel des Songwriters Maynard James Keenan musste danach wegen Copyright-Streitereien mit der Plattenfirma den Namen “Tool” ruhen lassen. Keenan vergnügte sich in der Zwischenzeit mit seiner Nebenband “A Perfect Circle”. Nun sind Tool zurück. Vorab wurde aber nur einen Track herausgerückt hat, das aber immerhin zehnminütige Titelstück. Und das ist so gut, dass es auf ein großes Comeback hoffen lässt (ohne Wertung).

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TOOL - Fear Inoculum (Audio) | Bild: TOOLVEVO (via YouTube)

TOOL - Fear Inoculum (Audio)


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