Bayern 2 - Nachtmix


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Neuerscheinungen der Woche Neue Alben von Hayley Williams, Mark Lanegan und El Michels Affair

Die Neuheiten der Woche im kompakten Überblick. Wir hören hinein in die frischen Werke von Shantel, El Michaels Affair, Peaking Lights, Pupkulies & Rebecca, Buscabulla, Bishop Nehru, Mark Lanegan, A Journey Into Soulful Jazz And Funk From The 70s, Östro 430, Hayley Williams, Eve Owen, Fake Names und Pollyester.

Von: Ralf Summer

Stand: 07.05.2020

Buscabulla – Regresa (Cover) | Bild: Domino

Ein wichtiger Hinweis: Den meisten Bands und Künstler*innen in dieser Übersicht sind gerade alle Auftrittsmöglichkeiten weggefallen und damit auch ihr Einkommen. Was wir tun können, um sie jetzt zu unterstützen, damit sie auch nach der Coronakrise weiterhin für uns Musik machen können: Ihre Songs streamen oder noch besser kaufen. Am besten geht das über die Seiten der Bands, über Mailorder bei Plattenläden, die ihre Läden haben dicht machen mussten oder auch via Seiten wie bandcamp.com.

BUSCABULLA - Regresa

Sie sind in Puerto Rico geboren, lernten sich in New York kennen und leben nun wieder in der Heimat. Das Duo besteht aus Sängerin/DJ Raquel Berrios und Multi-Instrumentalist Luis Alfredo Del Valle. Im puerto-ricanischen Slang bedeutet „Buscabulla“ „Unruhestifter“. Dabei klingt das alles sehr friedlich, sehr freundlich und rund. Sonst hätte wahrscheinlich Dev Hynes (aka Blood Orange nicht schon 2014 die Debüt-EP fürs Kitsuné-Label produziert). Nach dem Hurrikan Maria kehrten die Beiden 2017 auf die Insel zurück. In einer kleinen Stadt an der Küste Puerto Ricos ließen sich Buscabulla nieder um ihr Debütalbum aufzunehmen. „Regresa“ ist komplett spanisch gesungen und kommt im friedvollen Vibe daher: „die Platte steht für die Freude zurück zu sein, trägt aber auch Melancholie in sich“, so Raquel - „du kannst dich wie ein Fremder in deiner eigenen Heimat fühlen, weil das Land in harten Zeiten lebt und sich stark wandelt. Die meisten unserer Ex-Freunde sind geflohen.“ Buscabulla sind zurück und peppen musikalische Traditionen ihrer Heimat auf: der Video-Song „NTE“ (steht für „No Te Equivoques“ / „Versteh das nicht falsch“) und die meisten anderen Stücke – klingen mondän, soulful, exotisch – verspielt wie japanischer 90er Pop von Towa Tei / Pizzicato 5. Die Latte für tollen Tropical Pop 2020 ist damit hochgelegt. (7,5 von 10 Punkten)

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Buscabulla - NTE (Official Video) | Bild: Buscabulla (via YouTube)

Buscabulla - NTE (Official Video)

SHANTEL & CÜMBÜS CEMAAT - Istanbul

Mr. Balkan Sound ist zurück: Shantel hat sich erst mit „Bucovina“ und dann mit „Disko Partizani“ die Welt erschunkelt. Nun ist der Frankfurter Kosmopolit in der Türkei gelandet – er wohnt im Istanbuler Stadtteil Kadiköy. Ein logischer Schritt, wenn man bedenkt, dass „Disko Partizani“ 2006 das bestverkaufte Album eines ausländischen Künstlers in der Türkei war. Der Titel-Song lief als Jingle für die Übertragungen von Fußballspielen im Fernsehen und vor allen Erst- und Zweitliga-Spielen. Shantel: „Istanbul hat mich adoptiert und eingebürgert. Die Stadt gibt mir immer mehr Liebe zurück als Frankfurt. Es war so, als ob die Stadt auf einen neuen Soundtrack gewartet hätte.“ Den liefert er nun: „Istanbul“ entstand mit der türkischen Band Cümbis Cemaat („Remmidemmi-Gemeinde“), die seit 13 Jahren zusammenspielt, 500 Lieder im Repertoire hat – aber noch keines aufgenommen. Nun die ersten Zehn für ihre Platte mit Shantel: allesamt türkisch gesungen, weniger auf die Zwölf und am Ende sogar leicht dubby. Aufgenommen wurde in Frankfurt – die neun türkischen Stücke lagen Shantel und Cümbüs Cemaat schon lange am Herzen. Lediglich den Schluss-Track, den Dub-Song, hat Hantel komponiert. Shantel: „Es geht darum, den hypnotischen Anteil von Anatolian Neo-Folk auf eine neue Ebene zu heben. Man stelle sich gut abgehangenen Blues vor, der sich in ein 70er Jahre Disco-Stück mit Electro-Beat verwandelt. Letztendlich so, wie wir es von elektrischer Saz-Musik oder Anadolu-Rock (Barış Manço, Erkin Koray und Selda Bağcan) kennen. Diese Produktion ist eine Utopie in dystopischen Zeiten. Ein Dialog der Kulturen.“ Und wir fragen uns: wie weit wird es Shantel musikalisch noch treiben? Die grobe Richtung ist Süd-Süd-Ost. Beim nächsten Mal vielleicht Syrien oder der Iran? (7,5 von 10 Punkten)

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Shantel & Cümbüş Cemaat - Atım Araptır Benim (Suda Balık Oynuyor) | Bild: Gloss Musik GmbH (via YouTube)

Shantel & Cümbüş Cemaat - Atım Araptır Benim (Suda Balık Oynuyor)

EL MICHELS AFFAIR - Adult Themes

Wie ein Mix aus Filmmusik und Instrumental-Soul kommt der Sound der El Michels Affair daher. Leon Michels ist ein gesuchter Zulieferer für die unterschiedlichsten Pop-Stars: der New Yorker Multi-Instrumentalist arbeitete schon für Adele, Aloe Blacc oder Lana Del Rey. Auch im Rap suchten schon der Wu-Tang Clan, Jay-Z und dessen Frau Beyoncé die Zusammenarbeit mit ihm. Die kurze Phase, in der Michels Mitglied der Tourband des Wu-Tang Clan war, führte zu zwei gemeinsamen Alben: "Enter the 37th Chamber" (2009) und "Return To The 37th Chamber" (2017). Mit „Adult Themes“ liegt nach 15 Jahren endlich wieder ein Album mit eigenen Songs vor. Die El Michels Affair liefert die Musik zu einem fiktiven Film: hier trifft ´Cinematic Soul´ auf Sleazy Listening. Toll, wie sich Instrumental-Soul zu einem eigenen Genre entwickelt: der fehlende Soul-Gesang wird durch eine cineastische Produktion aufgefangen. In der zweiten Generation: Leons Sohn wirkt beim Song „Life of Pablo“ mit. Ihr Soul Noir ist generationsübergreifender Spaß & Sound. (8,5 von 10 Punkten)

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El Michels - Life Of Pablo | Bild: Big Crown Records (via YouTube)

El Michels - Life Of Pablo

PEAKING LIGHTS - Escape

Das US-Pärchen bringt Dub, Electro und Indie auf eigene Art zusammen. Inzwischen sind Aaron Coyes und Indra Dunis aus dem US-Bundesstaat Wisconsin nach Europa gezogen: sie wohnen nun am Ort ihres neuen Labels Dekmantel: in Amsterdam. Nach einer Maxi für die niederländische Firma nun das Album-Debüt für Dekmantel. Die erste Hälfte ist gewohnt-poppig ausgefallen. Nach Hinten raus kriegen die Peaking Lights dann doch wieder die Kurve melancholische Indietronica-Dub-Stimmung. Nicht umsonst hat sich Kevin Morby auch schon von Beiden remixen sprich dubben lassen. Wir sagen sie es: „for both dreamers AND dancers“. (8,0 von 10 Punkten)

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Peaking Lights - EVP (DKMNTL081) | Bild: dkmntl (via YouTube)

Peaking Lights - EVP (DKMNTL081)

PUPKULIES & REBECCA – Bente

Normoton Records in Karlstadt / Unterfranken hat viel Elektronisches aus dem Süden veröffentlicht: Musik von Acts wie Electroserge, Landesvatter, Uphill Racer, Andreas Heiszenberger, Strassmann - oder Karo. Inzwischen ist es ruhig geworden - und Pupkulies & Rebecca haben sich zur letzten beständigen Band des fränkischen Labels entwickelt. Und das mittlerweile in Berlin lebende Trio hat einen langen Weg hinter sich. Nachdem sie fürs letzte Studioalbum auf den Kapverden waren und dort den Vibe der vor der afrikanischen Küste liegenden Atlantik-Inseln aufgenommen haben, sind sie nun in Europa geblieben. Ihr drittes Mitglied Sepp Singwald, Keyboarder, der den Neo-Klassiker Nils Frahm auf Tour begleitet, wurde an der Hamburger Elbphilharmonie eingepackt und es ging nach Dänemark. In der Nähe von Roskilde entstand in einer Ferienwohnung ihre swingende, sechste Platte. Das nach dem Vermieter benannte Album „Bente“ ist ein Mix aus sanftem Chanson-Techno und Roisin-Murphy-Deep-House – dazu ein Schuss Global Beats à la Acid Pauli, der sie schon remixte. In „Florist“ klingen sie wie eine Downbeat-Variant der Doors. An die „Cafe Del Flore-Phase“ Matthew Herberts erinnert der Track „Au Bord De La Mer“. Man meint die entspannte Stimmung in einem kleinen Bungalow im Stil der 60er-Jahre zwischen Dünen und Lagunen zu hören. Es müssen nicht immer die Kapverden sein. Nordsee tut es auch. Pupkulies & Rebecca machen es im Corona-Jahr vor. (8,0 von 10 Punkten)

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Pupkulies & Rebecca - Bente (Album Teaser) | Bild: normoton (via YouTube)

Pupkulies & Rebecca - Bente (Album Teaser)

BISHOP NEHRU – Nehruvia: My Disregarded Thoughts

„Mein Album ist eine Konzeptplatte, die davon handelt, „wie man sich von geistiger Versklavung befreit“, so der New Yorker Rapper. Zwei Stücke auf dem 23jährigen wurden von DJ Premier (Gang Starr) produziert: „Colder“ und „Too Lost“. Die Texte handeln davon, wie junge Schwarze einer kranken Kultur entkommen können und sie mehr auf sich und ihr Leben achten – und nicht jung sterben. „Little Suzy“ handelt von Drogen, „In My Zone“ betrachtet er als seinen Trap-Track. „Whydoesthenightskytalktome“ soll die Rap-Entsprechung von Red Hot Chilli Peppers „Porcelain“ sein. Auf „Meathead“ ist MF Doom dabei, sein Mentor und Vorbild. „Es geht um mich, wie ich mich verändere und älter werde. Ich hoffe, andere Afro-AmerikanerInnen können auch ihren eigenen Schatten abschütteln – so wird die Welt ein besserer Ort“. (keine Wertung, da nur einzelne Tracks vorhörbar)

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Bishop Nehru - MEATHEAD feat. MF DOOM (Official Video) | Bild: Bishop Nehru (via YouTube)

Bishop Nehru - MEATHEAD feat. MF DOOM (Official Video)

MARK LANEGAN - Straight Songs of Sorrow

Mark Lanegan war der Kopf der US-Band Screaming Trees - bevor er Mitglied der Queens Of The Stone Age wurde. Lanegan, der auch mit Kurt Cobain und Musikern von Dinosaur Jr und Belle & Sebastian spielte, hat nun seine Memoiren verfasst. Beim Niederschreiben ploppten dem US-Musiker viele Erinnerungen auf, die er nun zu Stücken geformt hat – den Soundtrack zum (noch nicht veröffentlichten) Buch. Bei manchen Stücken, gern mit der Akustischen gespielt, wie „Ketamine“, kann man froh sein, dass er das, was er singt, überlebt hat. Es waren harte Zeiten in der Grunge-Szene Seattles in den 90ern – und die Drogen blieben auch danach. Nun verarbeitet er alles: Schlüsselerlebnisse und -personen widmet er einzelne Lieder. „Es war eine Befreiung, das alles niederzuschreiben. Ich begriff, dass das Buch ein Geschenk war. Sofort danach, als die Erinnerungen noch frisch waren, flossen die Songs dieser Platte nur so aus mir. Ich bin stolz auf sie.“ (7,5 von 10 Punkten)

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Mark Lanegan - 'Bleed All Over' | Bild: Mark Lanegan (via YouTube)

Mark Lanegan - 'Bleed All Over'

V. A. - PRAISE POEMS 7 – A Journey Into Soulful Jazz And Funk From The 70s

17 seltene Stücke hat Tobi Kirmayer zusammengetragen – von Privat-Pressungen oder Kleinlabels - Aufnahmen, die meist längst vergessen und vergriffen sind. Darunter die ungewöhnliche Co-Version der aus der Nähe von Bonn stammenden Formation Promotion Soul Concern, die sich an Gershwins „Summertime“ probierten – und es von der Klassik her dachten bzw. angingen. Meine Favoriten sind die Psychedelic-Pop-Stücke „Flower Song“ von Shalynn (eher folky), „Oh Brother“ von Watter Brothers (verflötet/mehrstimmig) und das Schlusslied „A Blind Man Who Can See“ von einem gewissen Edmund Sullivan. Fast alle Stücke erscheinen erstmals auf LP/CD/Digital – nach 40 Jahren. Danke fürs Hochtauchen! (7,5 von 10 Punkten)

Östro 430 - Keine Krise kann mich schocken (1981-1983)

Die Düsseldorfer-Punk-Frauenband hat ihre kompletten Songs auf eine CD bzw. eine Doppel-LP versammelt, die zwischen 1981-1983 aufnahmen. „Weiber Wie Wir“ hieß ihr Debüt und „Sexueller Notstand“ ihr Punk-Hit – dazu ein Cover der „Dallas“-TV-Titelmelodie. Keine Gitarren, dafür Saxophon und Keyboard. Das Schöne: die beiden Gründerinnen Martina Weith und Bettina Flörchinger treten heute wieder gemeinsam auf. Und Düsseldorfs Promi-Punk Campino hat die Linernotes zur Compilation verfasst – u. a. erinnert sich noch ein Konzert der englischen Post-Punk-Band Wire im Ratinger Hof - mit Östro 430 als Support Act – im November 1978. „Zwei zusammengeschobene Billardtische dienten als Bühne, die Eintrittskarten waren mit Stempel versehene Bierdeckel. Jeder, aber auch wirklich jeder aus der Düsseldorfer Punkszene war an diesem Abend dabei. Und alle hatten dasselbe Gefühl: Hier passiert heute etwas ganz Großes! Dass die Band nur aus Frauen bestand, war zu der damaligen Zeit eine Besonderheit, selbst in der Punkszene. Aus Zürich kam die Band Kleenex, in Berlin gab es Malaria, in London natürlich die genialen Slits und die Raincoats, aber dann wurde es auch schon eng.
Die Tatsache, eine reine Frauenband zu sein, hatte teilweise Vorteile, aber auch krasse Nachteile. Dumpfe Pöbeleien wie „Ausziehen, ausziehen“ waren Standard-Repertoire, aber Martina hatte immer das letzte Wort: „Kannst du haben! Aber erst zeigst du selbst mal, was du hast!“ war noch eines ihrer Friedensangebote, sie konnte definitiv auch anders.

Wenn ich ihre alten Platten heute höre, fällt mir auf, welche Vorreiterrolle für die heutige Gleichberechtigungsdebatte sie damals eigentlich innehatten. Sie waren mutig und provokativ und eine absolute Bereicherung nicht nur für Düsseldorf, sondern für die ganze (überwiegend von Männern dominierte) deutsche Musikszene. Ich bin froh, aus demselben „Sumpf“ wie Östro 430 zu kommen und sie ein Stück ihres Weges begleitet zu haben. Ein letzter Gedanke: Neulich hat mich Koljah, Rapper der Antilopen Gang, zu Hause besucht, und ich wollte wissen, was er als 1980 noch gar nicht geborener Textspezialist heute zu den Liedern von Östro 430 sagt, sozusagen als unvoreingenommener Sachverständiger. Ich zitiere: „Da ist ja alles voll von Slogans, die man auf T-Shirts drucken könnte!“ (für die Slogans 9 Punkte, für die Musik 7 Punkte)

Hayley Williams - Petals for Armor

Hayley Williams ist die Sängerin von Paramore: die US-Rock-Band ist sehr erfolgreich: eine Milliarde Song-Streams, zwei Milliarden Youtube-Play, eine Grammy- bzw. Platin-dekorierte Formation. Nach fünf Alben legt Sängerin Williams nun solo los. Und zwar mit neuem Sound: sie will den Pop-Mainstream knacken. Auf „Petals For Armor“ verarbeitet Williams laut Plattenfirma eine Therapie, als sie an Depressionen litt: „sie spricht sich gegen Zigaretten, Alkohol und Drogen aus.“ Seit 2013 hat sie eine eigene Kosmetik-Kollektion, seit 2016 vertreibt sie eigene Haarfärbemittel – sie trägt ihre Eigenen gern bunt. Williams, die Teil von Fernsehshows ist, hat auch schon ein Video für Taylor Swift gedreht. Die SZ freut sich über „düster-verträumte Radiohead-Intimität“ und die „ruhige Erdhaftung vom Song ´Roses...“ - eingespielt mit Boygenius.“ Die beiden „Petals For Armor“ EPs, die nun zu einem Album zusammengeführt werden, runden die Produktpalette eines Superstars ab. (6,5 von 10 Punkten)

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Hayley Williams – Dead Horse [Official Audio] | Bild: Hayley Williams (via YouTube)

Hayley Williams – Dead Horse [Official Audio]

Eve Owen - Don’t let the Ink dry

Eine neue, junge Stimme aus den USA – entdeckt von The National. Auf deren jüngstem Album „I Am Easy To Find“ ist sie als Gast-Sängerin zu hören. Nun die eigene Platte – produziert, klar, einem Musiker von The National: Aaron Dessner. Er holte Musiker verschiedener Bands ins Studio: u. a. Mitglieder von Bon Iver und Father John Misty. Im Laufe von drei Jahren nahmen sie 40 Songs in Dessners Scheunen- und Bauernhaus-Studio im Hudson Valley bei New York auf. Auf den melancholisch-gedämpften Songs von Eve Owen geht es um Angst, Verletzlichkeit und Entfremdung. „So Still For You“ - mit Video von ihrer Schwester Hannah – handelt davon, „wie flüchtig Liebe sein kann, aber wie dauerhaft Worte sind“, so Eve - und geht unter die Haut. Ähnlich wie „After The Love“ und „She Says“. Es geht um den Kampf zwischen Vergänglichkeit und Bleibendem. „Don´t Let The Ink Dry“ (den Titel schnappte sie in einem Siebdruckkurs auf) ist eine unüberhörbare Platte. Und Eve Owen eine aufregende Debütantin – von gerade mal 20 Jahren. Indie-Pop-Amerika darf sich bereichert fühlen. (8,0 von 10 Punkten)

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Eve Owen - So Still For You | Bild: Eve Owen (via YouTube)

Eve Owen - So Still For You

Fake Names - Fake Names

Die neue Punk-Supergroup mit Musikern von Bad Religion, Girls Against Boys, The International Noise Conspiracy – deren Sänger Dennix Lyxzén ist hier Frontman. Sie trafen sich 2016 in Washington / D.C. Und die neue Band sollte „laut und zornig – Musik für die Eingeweide“. Nun ist das Debüt da. Und klingt wie Power-Pop / Punk-Rock seit Bad Religion klingt. Klar: Banken, große Firmen und der Kapitalismus bekommen ihr Fett ab. In „Brick“ werden alle Feinde der Band bzw. Punks genannt. (6,5 von 10 Punkten)

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Fake Names - "Being Them" | Bild: Epitaph Records (via YouTube)

Fake Names - "Being Them"

Pollyester – Mr. Shmorone (EP)

Die Münchenerin hat während des Lockdowns eine 4-Track-EP eingespielt und auf Bandcamp zum Verkauf gestellt. "Mr. Shmoroner" heißt die Corona-EP, darauf vertont die Münchnerin drei Gedichte von W. Mayakowsi und covert „Sex Machine“ der Flying Lizards (ok, ganz im Original von James Brown) und schreibt, dass sie sich vom Staat keinen unfreiwilligen Urlaub bezahlen lässt (hat keine Hilfe beantragt), lieber würde sie einen neuen Beruf lernen.

Der Corona-Lockdown bringt KünstlerInnen und Fans näher zusammen, weil wir mit unseren MP3-Käufen deren Unabhängigkeit erhalten. Wir hoffen, es kommt genug zusammen durch die Digital-EP, Polly! (7,5 von 10 Punkten)


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