Bayern 2 - Nachtmix


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Neuerscheinungen der Woche Deichkind | John Coltrane | Stefanie Schrank

Die Neuheiten der Woche im kompakten Überblick: Wir hören hinein in die frischen Werke von Emel Mathlouthi, Deichkind, Stefanie Schrank, Automatic, Moon Duo, Kefaya + Elaha Soroor, Girl Band, Thaiboy Digital, Felix Lee, John Coltrane und Jas Shaw.

Von: Roderich Fabian

Stand: 26.09.2019

Cover: Emel Mathlouthi  | Bild: Partisan

EMEL MATHLOUTHI - „Everywhere we looked was burning“ (Partisan)

Sie wurde 2012 weltbekannt, als Sängerin der Hymne der tunesischen Revolution, 2015 trat sie bei der Verleihung des Friedensnobelpreises auf. Aber die revolutionären Träume sind bekanntlich nicht erfüllt worden. Emel Mathlouthi lebt heute in den USA, und dort hat sie auch das wirklich tolle Album aufgenommen, das geschickt arabische und amerikanische Einflüsse unter einen Hut bringt und eminent politisch bleibt - eine absolute Empfehlung. (8,0 von 10 Punkten)

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Emel Mathlouthi - Wakers Of The Wind - (Official Video) | Bild: E M E L Mathlouthi آمال مثلوثي (via YouTube)

Emel Mathlouthi - Wakers Of The Wind - (Official Video)

DEICHKIND - „Wer sagt denn das“ (Universal)

Die live überwältigenden Spaß-Rapper aus Hamburg präsentieren ein schwieriges Album in schwierigen Zeiten. Wie soll man im aktuellen, politischen Klima noch unbeschwert Party machen, fragen sie sich und verteidigen ihre ironischen Positionen, die in den Diskursen - gerade an der Reeperbahn - natürlich nicht mehr so angesagt sind. Dafür, dass sie jetzt etwas selbstkritischer ballern, aber ihrem Stil treu bleiben, dafür sollte man ihnen dankbar sein. Ansonsten bleibt das Musik für Fans, die so etwas mögen. (7,2 von 10 Punkten)

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Deichkind - Wer Sagt Denn Das? (Official Albumsnippet) | Bild: deichkindTV (via YouTube)

Deichkind - Wer Sagt Denn Das? (Official Albumsnippet)

STEFANIE SCHRANK - „Unter der Haut eine überhitzte Fabrik“ (Staatsakt)

Sie ist Bassistin der Kölner Band „Locas in Love“ und wollte mal etwas Anderes machen. Und so bekommen wir auf dem Album poetische Texte zu analogen Synthie-Sounds im Stile der 80er. Die Songs sind toll, sehr individuell und intensiv, eigentlich sollte sie sofort eine Solo-Karriere starten, was sicherlich auch vom Erfolg dieser Platte abhängt. (8,5 von 10 Punkten)

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Stefanie Schrank - Fabrik | Bild: staatsakt label (via YouTube)

Stefanie Schrank - Fabrik

AUTOMATIC - “Signal” (Stones Throw)

Nicht zufällig heißt ein Song hier „Suicide in Texas“, erinnert er doch verdammt an den Sound des New Yorker Electro-Punk-Duos Suicide. Aber die Nummer kommt von drei Frauen aus Los Angeles, zu denen mit Lola Dompé auch die Tochter des Drummers der britischen Post-Punk-Band Bauhaus gehört. „Automatic“ haben sich übrigens nach einem Song der Frauenband „The Go-Go’s“ von 1982 benannt.  Es regnet also in jeder Beziehung 80er-Bezüge und knarzt herrlich analog zwischen den Sequenzen. (7,0 von 10 Punkten)

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Automatic - Signal | Bild: Stones Throw (via YouTube)

Automatic - Signal

MOON DUO - „Stars are the Light“ (Sacred Bones)

Das Moon Duo - das sind seit zehn Jahren Ripley Johnson von den Wooden Shjips und die Sängerin Sanae Yamada aus San Francisco. Das Album verbreitet schon im Titel einen Hauch von Esoterik, wie auch die treibende Musik, die Sanae Yamade sich als Begleitung eines Tanzes unterm Sternenzelt vorstellt. Ripley Johnsons Loops sorgen aber dafür, dass das Ganze nicht abhebt, sondern down-to-earth bleibt - für mich das bislang stärkste Album des Moon Duos, ihre immerhin schon siebte Platte. (8,7 von 10 Punkten)

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Moon Duo - Eternal Shore (Official Audio) | Bild: Sacred Bones Records (via YouTube)

Moon Duo - Eternal Shore (Official Audio)

KEFAYA + ELAHA SOROOR - „Songs of our Mothers“ (Bella Union)

Eine originelle Mischung gibt’s hier: Heftige Beats, arabischer Gesang und mittendrin auch mal ein Solo auf der Bassklarinette. Dafür gesorgt hat das Londoner Duo Kefaya, das sich auf die moderne Umsetzung traditioneller Volksmusik spezialisiert hat, und die Sängerin Elaha Soroor, die 2009 mal den Fernsehwettbewerb „Afghan Star“ gewonnen hat. Meist regiert hier eher konventionelle Folklore mit Dub-Reggae-Einflüssen. (6,2 von 10 Punkten)

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Kefaya + Elaha Soroor - Gole Be Khar | Bild: bellaunioninc (via YouTube)

Kefaya + Elaha Soroor - Gole Be Khar

GIRL BAND - “The Talkies” (Rough Trade)

Dies sind vier Typen aus Dublin, keine Girls dabei. Auch sonst ist es derber Humor und derber Sound, den das zweite Album der Band nach vier Jahren Pause so zu bieten hat. Es ist kompromissloser Noise-Rock, der keine Gefangenen macht und keine Erwartungen erfüllt. Man denkt an The Fall oder McLusky, also an integre Widerständler. Allerdings ist das dann eher der Sound einer vergangenen Ära, aber dafür kann die Girl Band ja nichts. (7,4 von 10 Punkten)

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Girl Band - Going Norway (Official Video) | Bild: GirlBandDublin (via YouTube)

Girl Band - Going Norway (Official Video)

THAIBOY DIGITAL - „Legendary Member“ (YEAR0001)

Der Name des Künstlers ist Programm: Thanapat Thaothawong stammt aus Thailand, ist aber in Schweden aufgewachsen und hat sich in der dortigen Trap-Szene einen Namen gemacht. 2015 wurde er nach Thailand abgeschoben, hat aber weiter produziert und legt jetzt sein Debütalbum vor. Längst haben auch die Amerikaner das Talent dieses 25jährigen erkannt. Leute wir „Yung Lean“ machen sich dafür stark, dass er wieder zurück in den Westen darf -- das Album hier ist ein starkes Argument dafür, völlig moderne, abgehobene Musik. (7,6 von 10 Punkten)

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Thaiboy Digital - Legendary Member ft. Bladee, Ecco2K, Yung Lean (Official Audio) | Bild: drain gang (via YouTube)

Thaiboy Digital - Legendary Member ft. Bladee, Ecco2K, Yung Lean (Official Audio)

FELIX LEE - “Inna Daze” (Planet Mu)

Der britischen Sound-Experimentalist nannte sich früher Lexxi und gehört zum Kosmos des tollen Labels “Planet Mu”. Aber Felix Lee ist eben auch Hip-Hop-informiert und sorgt für eine Annäherung zwischen Trap und Electro-Avantgarde. Mit Thaiboy Digital teilt er sich sogar einen Kollaborateur, den Rapper “Ecco2K” - der Sound der unverminderten Globalisierung, mit vielen Vocal-Tracks. (7,7 von 10 Punkten)

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Felix Lee - Emeralds | Bild: Planet Mu (via YouTube)

Felix Lee - Emeralds

JOHN COLTRANE - “Blue World” (7,5) (Verve)

Die Tracks hier wurden ursprünglich 1964 aufgenommen für den Soundtrack eines Films, aber bislang nie offiziell veröffentlicht. Wir hören hier das klassische, beste Coltrane-Quartett mit Jimmy Garrsion. Elvin Jones und McCoy Tyner, was natürlich großartig ist. Ein richtiges Album ist es eigentlich nicht, so gibt es hier allein drei Takes des Stückes “Village Blues”, aber bei derartiger Weltklasse darf man sich natürlich nicht beschweren. (7,5 von 10 Punkten)

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Blue World | Bild: John Coltrane - Topic (via YouTube)

Blue World

JAS SHAW - “Exquisite Cops” (Delicacies)

Jas Shaw ist die eine Hälfte der “Simian Mobile Disco”, kämpfte in den vergangenen Jahren mit einer Krebserkrankung, hat nun aber dieses solide Techno-Album hergestellt, das sich aus diversen Epochen – vor allem aus den Roots aus Detroit – frei bedient. (6,6 von 10 Punkten)

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Jas Shaw - A Bird With No Feet | Bild: Jas Shaw (via YouTube)

Jas Shaw - A Bird With No Feet


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