Bayern 2 - Land und Leute


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Bayerische Traumpaare Ludwig Ganghofer und Ludwig Thoma

Ganghofer und Thoma: der doppelte Wiggerl. Ein distinguierter Grandseigneur der eine, ein empfindsamer Poltergeist der andere, hatten sie zwar von ihrem Naturell her nicht sehr viel gemein, aber ansonsten gab es eben doch sehr viel, das sie miteinander verband. Die kritische Würdigung einer literarischen Männerfreundschaft aus Anlass von Ludwig Thomas 150. Geburtstag.

Von: Thomas Grasberger

Stand: 15.01.2017 | Archiv

Der Schriftsteller Ludwig Thoma (1867-1921).

Männerfreundschaften gehorchen bekanntlich oft eigenen Gesetzen, zumal in Bayern. Kein Wunder also, wenn sich zarte Wertschätzung manchmal hinter einer rauen Fassade verbirgt. Wie im Fall Ludwig Thomas, der am 22. August 1906 seinem Freund Ludwig Ganghofer mit folgenden Briefzeilen zum anstehenden Namenstag gratuliert: „Lieber Ludwigl, in Lenggries und Jachenau ist es Brauch, ein Namenstagskind kräftig am Halse zu würgen und beim Schütteln ihm alles Gute zu wünschen. Diese Zeremonie ist durch die Distanz vereitelt.“

Thoma fand in Ganghofer einen Freund fürs Leben

Aber nicht immer vereitelte Distanz die engen Bande zwischen Ganghofer und Thoma. Der Kaiser-Freund und der Kaiser-Spötter sind sich erstmals im Jahr 1903 näher gekommen, zu einer Zeit, als der Humorist Thoma in einer Lebenskrise steckte. Thoma besuchte Ganghofer auf Schloss Hubertus im Wetterstein, fand "innerliche Ruhe und Freude" und in dem zwölf Jahre älteren Heimatdichter einen Freund fürs Leben. Denn nicht zuletzt fühlte sich der Jüngere "an seine Kindheit erinnert", wenn die beiden bei der Gamsenjagd "mit der Bix in den Bergen" herum kletterten. Siebzehn Jahre später wird Ludwig Thoma am offenen Grab seines Freundes die Rede halten, "ein Akt von großer symbolischer Kraft", wie Carl von Ossietzky schreibt: "Denn wenn auch Thoma und Ganghofer alte Freunde waren: er hat doch schon vor zwanzig Jahren die Ganghoferei beerdigt."

Traumpaar oder Alb-Traumpaar?

Der Schriftsteller Ludwig Ganghofer (1855-1920).

Der Männerfreundschaft hat das – so Thomas Grasberger – keinen Abbruch getan. Sie bestand über den Tod hinaus. Thoma ließ sich in weiser Voraussicht gleich das Nachbargrab auf dem Rottacher Friedhof reservieren. Ein bayerisches Traumpaar also? Angesichts blinder Ganghoferscher Kaisertreue, beiderseits geteilter Weltkriegsbegeisterung und posthum bekannt gewordener antisemitischer Ausfälle Thomas im "Miesbacher Anzeiger" mag mancher auch von einem bayerischen "Alb-Traumpaar" sprechen.

Eine Sendung zum 150. Geburtstag von Ludwig Thoma am 21. Januar 2017

An dieser Stelle gratulieren wir dem Autor unserer Sendung zum "Ernst-Hoferichter-Preis 2017" – und zitieren aus der Begründung der Jury: "Thomas Grasberger ist ein vielseitiger Autor und Journalist, mit weitem Horizont und eigenwilligem Zugriff auf seine Sujets, witzig und humorvoll, gründlich und hintergründig. Drei Kriterien muss ein Ernst-Hoferichter-Preisträger erfüllen: Originalität, Weltoffenheit und Humor. Thomas Grasberger, befindet der Stiftungsbeirat, besteht die Prüfung in jeder Hinsicht bravourös."


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