Bayern 2 - Land und Leute


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Therese von Bayern Brasilien-Expedition mit Max von Speidel

Therese Prinzessin von Bayern, unternehmungslustige Tochter des Prinzregenten Luitpold, war eine eifrige Naturforscherin. Im Sommer 1888 brach sie unter falschem Namen zu ihrer ersten großen Brasilien-Expedition auf. Als "Reisekavalier" begleitete sie Max von Speidel, ein pedantischer Zeitgenosse, der sich von der umtriebigen Wittelsbacher Prinzessin ein ums andere Mal überfordert fühlte. - Rainer Firmbach schildert die frühe Amazonas-Expedition aus den unterschiedlichen Blickwinkeln.

Von: Rainer Firmbach

Stand: 27.09.2015 | Archiv

Therese, Prinzessin von Bayern, Tochter von Prinzregent Luitpold | Bild: Scherl/Süddeutsche Zeitung Photo

Skurrile Sammelobjekte

"Ja, interessant ist, dass Therese nicht nur 'Objekte' gesammelt hat wie Schmuck oder archäologische Dinge. Sondern dass sie durchaus auch bewusst Dinge gesammelt hat, wo sie wusste, dass das so einen exotisierenden Effekt hier hervorruft. Und die gerade in der damaligen, doch recht prüden Gesellschaft irgendwie für Aufsehen sorgen würden. So hat sie zum Beispiel Peniskapseln gesammelt, die man ja hierzulande eher weniger verwendet. Und offenbar wurden diese Peniskapseln schon um die Jahrhundertwende, 1900 rum, auch für den touristischen Markt gefertigt, weil sich meistens in außereuropäischen Regionen sehr schnell herumgesprochen hat, auf was die Europäer stehen, und auf was nicht so." (Hadumod Bußmann)

Im Sommer 1888 bricht Therese von Bayern (1850-1925) unter dem Pseudonym "Gräfin Therese Elpen" zu ihrer ersten großen Brasilienreise auf. Was die reiselustige Tochter des Prinzregenten Luitpold, die elf Sprachen beherrscht und schon als Jugendliche die Bücher Alexander von Humboldts mit Feuereifer verschlang, nach Südamerika lockt, ist die "Sehnsucht nach den Tropen". Ziel der Expedition sind die damals noch unerforschten Regenwälder am Amazonas. Reisegefährten an der Seite der leidenschaftlichen Naturforscherin sind ihr treuer Diener Max Auer, die Hofdame Franziska von Lerchenfeld, und als "dienstthuender Reisemarschall" Max von Speidel. Er managt als "Mädchen für alles" Behördengänge, bucht die Schiffspassagen, sorgt für die Unterkünfte, verwaltet die Reisekasse.

"Gräfin Therese Elpen" in Brasilien

"Wenn man das erste Mal den Ocean quert und liegt des Nachts schlaflos in seiner Koje, da keimen mitunter in der Phantasie alle Schreckbilder einer Reise auf hoher See empor. Nur dünne Wände trennen den kühnen Herrn der Schöpfung von einem gähnenden Abgrund, welcher 6000-7000 Meter in die Tiefe geht. Und wenn sich ein Unglück ereignet, kann das Schiff mit Mann und Maus untergehen, ohne dass je eine lebende Seele das Wie und Wo in Erfahrung bringt. Bei solchen Betrachtungen fühlt der Mensch eine unverantwortliche Waghalsigkeit, fühlt er sich ohnmächtig und verlassen."

(Therese von Bayern)

Feindselige Indianerstämme, Stromschnellen, heimtückische Giftschlangen

Reisemarschall Max von Speidel

Zwischen der unerschrockenen Wittelsbacher Prinzessin und dem eher spröden Max von Speidel liegen Welten: Hier die emanzipierte Naturwissenschaftlerin mit ihrem zielstrebigen Unternehmungsgeist, dort der pedantische, für eine militärische Karriere erzogene jugendliche Freiherr. Ein Umstand, der für allerhand zwischenmenschliche Irritationen, aber auch unfreiwillige Komik sorgt. Feindselige Indianerstämme, Stromschnellen, heimtückische Giftschlangen und das Malariafieber machen den Urwaldtrip durch die "Grüne Hölle" zu einem oft lebensbedrohlichen Abenteuer, schildert Rainer Firmbach in seiner Sendung. Er hat sich im Münchner Museum Fünf Kontinente umgesehen und hat mit Hadumod Bußmann gesprochen. Die renommierte Autorin hat Speidels Reisetagebuch, das erst jüngst in einem Nachlass entdeckt wurde und einen bis dato unbekannten Blickwinkel auf Thereses Brasilienreise bietet, in ihrem neuesten Werk "Die Prinzessin und ihr Kavalier" der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

"Also, ein Münchner hat das erste Therese-Buch gelesen, und gesagt: Da war doch was, da auf dem Dachboden, und so. Und hat eben festgestellt, dass da das Tagebuch des Reisemarschalls, des Kavaliers der Therese, erhalten geblieben ist. Handschriftlich, in einem schönen, schwarzen, Art lackledernen Tagebuch. Erworben in der Theatinerstraße in München. Das steht noch drin."

(Hadumod Bußmann)

Buchtipps:

Die Prinzessin und ihr "Kavalier"

  • Broschiert: 196 Seiten
  • Autor: Hadumod Bußmann
  • Verlag: Allitera, 2013
  • ISBN-10: 3869061855
  • ISBN-13: 978-3869061856

Ich habe mich vor nichts im Leben gefürchtet: Die ungewöhnliche Geschichte der Therese Prinzessin von Bayern 1850-1925

  • Taschenbuch: 346 Seiten
  • Autor: Hadumod Bußmann
  • Verlag: Insel Verlag; Auflage: 2 (17. Februar 2014)
  • ISBN-10: 3458359893
  • ISBN-13: 978-3458359890

Prinzessin Dr. h.c. Therese von Bayern

  • Autor: Hadumod Bußmann
  • Broschiert: 280 Seiten
  • Verlag: Allitera Verlag; Auflage: 1 (26. Oktober 2015)
  • ISBN-10: 3869067470
  • ISBN-13: 978-3869067476

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