Bayern 2 - Land und Leute


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Bayerisches Beuteltier Der Rucksack und seine Träger

Thomas Kernert - selbst Beuteltier aus Überzeugung - philosophiert über den Rucksack als idealen Begleiter in allen Lebens- und Modelagen, ob in der U-Bahn, auf dem Fahrrad oder im Himalaya.

Von: Thomas Kernert

Stand: 17.07.2016 | Archiv

"Was wissen wir über den Rucksack? Wir wissen, dass er älter als das Rad ist und insofern jenseits aller Diskussionen steht. Wir wissen weiter, dass er in seiner Urform noch keine Fell-, Lodenstoff-, Nylon- oder Polyester-Ummantelung besaß und insofern zunächst einmal weniger „Sack“, als vor allem „Ruck“ war, sprich: ein Gestell, das dem Tragen von Lasten auf dem Rücken diente: Auf einer Kraxe boten die Buckelkrämer des Mittelalters ihre Waren feil. Mit einer Kraxe durchstreifte Ötzi, die Gletschermumie, vor 5000 Jahren Südtirol. Mit einer Kraxe transportierten die ersten sesshaft gewordenen Bauern vor 10.000 Jahren im fruchtbaren Halbmond ihre Feldfrüchte zum Marktplatz. Gut möglich, dass bereits Adam und Eva ihre Habseligkeiten auf einer Kraxe beförderten, nachdem sie im Paradies Hausverbot bekommen hatten."

(Thomas Kernert)

Obgleich uralt, ist er immer dabei

Ultra-cooler "Cinchpack"

Zu keinem anderen Transportmittel unterhält der Bayer ein innigeres Verhältnis als zum Rucksack. Selbst Plastiktüte, Aktenkoffer oder Notebook-Trolley haben dieses nie ernsthaft gefährden können. Obgleich uralt, ist er immer dabei. Mit Gebirge hat das eher weniger zu tun, sehr viel aber mit seiner Anpassungsfähigkeit und seinem Variantenreichtum. Rucksäcke können fast alle Formen, Farben und Konstruktionen annehmen, von der Kraxe,  über den Tornister und den Schulranzen, bis hin zum hippen Bodybag oder ultra-coolen Cinchpack: Dem alten Sack entfleucht immer wieder ein neuer Geist! Dies macht ihn zu einem idealen Begleiter durch alle Lebens- und Modelagen, ob in der U-Bahn, auf dem Fahrrad oder im Himalaya.

Ein universales, körpernahes Transportmittel

Ein charakterfester Begleiter

Gerade in Zeiten, die sich durch eine hohe Entsolidarisierung und "postfamiliale Lebensformen" auszeichnen, hält er dem Rücken unverbrüchlich die Treue. Er ist der charakterfeste Begleiter, der einem auch in schwierigen Situationen die Hände freihält, der verschwiegene Freund, der alles für sich behält, der unkomplizierte Kumpel, der alles einsteckt. Mit einem Rucksack ist man nie alleine. - Thomas Kernert, Beuteltier aus Überzeugung und seit Jahrzehnten mit einem alten Eastpak verheiratet, singt dem Affen ein inbrünstiges, bayerisches Loblied.

"Mit einem Rucksack durch einsames, unbekanntes und prekäres Gelände zu gehen, ist deshalb auch etwas ganz anderes als ohne ihn. Auch wenn sein Gewicht die Körpermuskulatur belastet, entlastet es die Seele. Man hat etwas deutlich Fühlbares bei sich, hat etwas im Rücken, auf das man im Fall der Fälle zurückgreifen kann. Vorausgesetzt freilich, man hat nicht ausschließlich  Steine eingepackt. Merke:  Kein Rucksack ist klüger als der, der ihn gepackt hat. Menschen, die im Hochgebirge ohne Rucksack unterwegs sind, machen sich verdächtig: Entweder sind sie Narren, Preußen oder aber Androiden."

(Thomas Kernert)


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