Bayern 2 - Land und Leute


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Requiem für Bello Von der Trauer ums geliebte Tier

Ulrich Zwack versucht, möglichst behutsam den verschiedenen Spielarten der Trauer ums geliebte Tier mit dem Mikrofon nachzuspüren. Er besuchte unter anderem ein Tierbestattungsinstitut, ein Krematorium und einen Tierfriedhof.

Von: Ulrich Zwack

Stand: 01.11.2017 | Archiv

"Also wir dürfen Hunde bis zu einem Gewicht von 100 Kilo einäschern. Wir arbeiten momentan im Drei-Schicht-Betrieb. Man kann sich vorstellen, was da im Lauf des Jahres so zusammen kommt. Die Einäscherung eines kleines Tieres dauert 30 Minuten und die eines großen Hundes kann bis zu 90 Minuten dauern."

(Wolfgang Duckstein, Tierkrematorium München-Riem)

Steigender Bedarf an Tierkrematorien

Wolfgang Duckstein, Tierkrematorium München-Riem

Wolfgang Duckstein gebietet über das erste deutsche Tierkrematorium, errichtet 1978 in München-Riem. Inzwischen gibt es bundesweit über zwanzig weitere solche Einrichtungen. Bedarf weiterhin steigend. Immer mehr Haus- und Heimtierbesitzer wollen ihre verstorbenen vierbeinigen oder gefiederten Lieblinge kremieren lassen. So werden unter Herrn Ducksteins Regie nicht nur Hunde oder Katzen eingeäschert, sondern auch alle möglichen anderen Haustiere:

"Wir hatten auch schon mal Rennmäuse. Wellensittich, Zwerghamster. Auch diese Tiere äschern wir ein."

(Wolfgang Duckstein, Tierkrematorium München-Riem)

Untröstlich über den Tod des Lieblingstieres

Friedrich II. , König von Preußen mit seinen geliebten Hunden in seinem Arbeitszimmer zu "Sanssouci"

Für Außenstehende ist es oft kaum nachvollziehbar: Die Besitzer von Haustieren trauern beim Verlust ihrer vierbeinigen, gefiederten oder geschuppten Freunde oft nicht weniger tief als beim Tod eines nahestehenden Menschen. Damit befinden sie sich freilich in allerbester historischer Gesellschaft. Selbst ein so unsentimentaler Herrscher wie Alexander der Große war über den Tod seines Lieblingspferdes ebenso untröstlich wie über den des Lieblingshundes; nicht anders erging es dem Preußenkönig Friedrich dem Zweiten und Otto von Bismarck.

Der Historiker und Augenzeuge Hans Delbrück über den Tod von Bismarcks deutscher Dogge "Sultan" im Jahr 1877:

Otto von Bismarck mit seinen geliebten Doggen (1886)

"Unten bot sich uns ein wirklich erschütternder Anblick. Auf dem Fußboden saß der Fürst, den Kopf des sterbenden Hundes auf seinem Schoß haltend. Er flüsterte ihm liebkosende Worte zu und versuchte, seine Tränen vor uns zu verbergen. Bald darauf starb der Hund, der Fürst erhob sich und ging auf sein Zimmer, kam an diesem Abend auch nur auf kurze Zeit wieder, um Gutenacht zu sagen."

Der Kanzler trauerte noch lange Zeit um Dogge Sultan, schämte sich jedoch schrecklich deswegen, denn:

"Es sei sündlich, so wie er getan, sein Herz an ein Tier zu hängen, er habe aber nichts Lieberes auf der Welt gehabt und (er machte) sich Vorwürfe, dass er über den Tod eines Tieres so lange und so tief trauere."

Trauernde Katzenmama auf dem Weg zum Tierkrematorim:

"Tiere enttäuschen einen Menschen nie!"

"Tiere enttäuschen einen Menschen nie. Sie lieben einen so, wie man ist. Und es ist für mich ein Familienmitglied. Da gibt‘s keinen Unterschied. Grade wenn man sie noch selber aufzieht. Das erste Mal, wenn sie selber auf die Toilette gehen. Das erste Mal, wenn sie selber fressen. Das ist im Endeffekt wie bei einem kleinen Kind, das sich dann halt auch weiterentwickelt."

Die trauernde Frau ist mit einer Freundin ins Krematorium gekommen. Einmal weil sie heute seelischen Beistand braucht, zum anderen weil sie es sich in Anbetracht der gefühlsmäßigen Stresssituation nicht zugetraut hat, selber mit dem Auto zu fahren. Warum sie Ihre verstorbenen Katzen einäschern lässt?  Weil sie der festen Überzeugung ist, ihren Tieren eine würdevolle Bestattung schuldig zu sein.

Tier-Krematorien und Tierfriedhöfe

Feierliches Begräbnis einer Ratte auf einem Tierfriedhof

Heutzutage gibt es professionelle Hilfe bei der tierbezogenen Trauerbewältigung. Spezielle Tierbestattungsunternehmen erleichtern ein würdevolles Abschiednehmen. Statt wie früher einfach im Garten vergraben oder gar auf den Müll geworfen zu werden, kommen die verstorbenen Lieblinge heute in eigene Tier-Krematorien und werden auf Tierfriedhöfen bestattet. Es gibt Tiersärge, Tiergrabsteine und Selbsthilfegruppen zur seelischen Bewältigung des traumatischen Verlustes.

Tierbestattung auf Privatgrund

Otto Gäng, Pfarrer der Kirche St. Benedikt in Gauting

Einen anderen Weg hat Otto Gäng beschritten, seines Zeichens Pfarrer der Kirche St. Benedikt in Gauting. Vor wenigen Wochen hat er seinen geliebten Belgischen Schäferhund im Garten des Pfarrhauses begraben. Die gesetzlichen Bestimmungen für eine Tierbestattung auf Privatgrund hat er selbstverständlich eingehalten. Das Grab liegt in keinem Wasserschutzgebiet, es ist in mehr als 1m Abstand zu einem öffentlichen Weg, und mindestens 50cm Erde bedecken die sterblichen Überreste des Tiers.

"Wir waren über 13 Jahre zusammen, 13 ½ Jahre, und nur einen Tag getrennt! Das kriegt in unserer heutigen mobilen Zeit, glaub ich, noch nicht mal ein Ehepaar hin. Also wir waren wirklich nur einen Tag auseinander. Und insofern glaube ich, ist es dann auch so, dass er ein Begleiter ist, der vielleicht dichter an mir dran war wie mancher Freund. Insofern geht es hier wirklich auch um eine enge Bindung, weil er näher an einem dran ist wie manch anderer Mensch. Das ist das eine. Und das zweite ist: Er greift auch natürlich die Emotionen ab, die da sind. Und versucht natürlich, die Welt wieder schön zu machen. Das ist der tolle Instinkt, den so ein Tier auch hat."


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