Bayern 2 - Land und Leute


17

Die Kartoffelrevolution Wie "Pfanni" Kochgeschichte schrieb

Pfanni steht zum einen für die Geschichte einer bayerischen Handwerker- und Unternehmerfamilie, deren Wurzeln bis in die Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg zurück reichen. Pfanni steht zum anderen für eine Revolution in den deutschen Küchen während der goldenen Zeit des Wirtschaftswunders. - Und dann gibt es noch unzählige kleine, mehr oder weniger nostalgische Pfanni-Geschichten ...

Von: Markus Metz und Georg Seeßlen

Stand: 19.06.2016 | Archiv

Die Geschichte des bayerischen Familienunternehmens Pfanni ist auch eine Erfolgsgeschichte rund um das wichtigste Grundnahrungsmittel der Deutschen, die Kartoffel. Und es ist die Geschichte einer Veränderung in deutschen Küchen und Kantinen - exemplarisch für Nachkriegszeit und Wirtschaftswunder.

Pfanni Kartoffel-Impressionen

Der "Pfanni-Knödel" wurde zum Inbegriff von Fertignahrung

1949 brachte Firmengründer Werner Eckart mit dem ersten Pfanni-Produkt die Kartoffelrevolution ins Rollen: Er erfand ein Kartoffelpulver, das sich sowohl in Reibekuchen als auch in Knödelteig verwandeln lässt und leicht und zeitsparend zuzubereiten ist. Der "Pfanni-Knödel" wird zum Inbegriff von Fertignahrung und zum Wegbereiter von Fast Food.

Soja ließ zunächst das Knödelmehl schnell verderben

Sojafreies Knödelpulver brachte den Durchbruch

Im September 1949 - gerade mal ein Vierteljahr nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland -  präsentierte Pfanni das erste Knödelpulver-Produkt - und wäre damit beinahe auch gleich wieder untergegangen. Das Soja im Knödelmehl verdarb nach wenigen Monaten und die Verbraucher bekamen davon arge Darmbeschwerden. Zunächst nahm Pfanni die Ware wieder zurück, später konnte man sich dies jedoch aus finanziellen Gründen nicht mehr leisten. Die Firma stand vor dem Aus. Grundstücke mussten verkauft werden. Doch im zweiten Anlauf gelang es schließlich, das verlorene Vertrauen des Handels wieder zu gewinnen. Das gefährliche Soja wurde aus der Rezeptur verbannt. Und Pfanni bot gleichsam ein Wundermittel an, das sich, je nachdem wieviel Wasser man zugibt, entweder in Kartoffelpuffer oder in Knödel verwandelt.

"Dieser Kartoffelpuffer war eigentlich so eine kleine Mehrzweckwaffe, weil auf der Packungsrückseite stand: 'Wenn Sie weniger Wasser nehmen, dann können Sie da auch Knödel draus machen'. Da hat man dann also Packungen gemacht, wo auf der einen Schauseite Kartoffelpuffer stand und auf der anderen Schauseite stand Kartoffelknödel. Aus diesen Kartoffelpuffern, weil das das erste Produkt war, erklärt sich eben auch der Name Pfanni: Ein Kartoffelpuffer wird in der Pfanne gemacht und in Bayern macht es halt gerne mal die Fanni oder s'Fannerl und die Fanni mit der Pfanne ergab dann das Wort Pfanni. Das war so einprägsam und hat so gut geklungen, das haben die Leute auch gemocht. Deshalb ist dieser Markenname also sehr schnell sehr bekannt und beliebt geworden."

(Barbara Kosler, Kartoffelmuseum München)

Mehr Freizeit versprach Pfanni der modernen Frau

"Viel Zeit für gute Bücher" dank Pfanni

Der "Pfanni-Knödel" war so sehr das Versprechen einer Befreiung wie die technische Aufrüstung der Küche mit Kühlschrank und Mixer. Noch war das nicht mit einer auch beruflichen Emanzipation verbunden; die Hausfrauen blieben ihren nun freilich erleichterten Haushaltspflichten treu. "Viel Zeit für gute Bücher" versprach Pfanni der modernen Frau. Auch im Campingurlaub durfte sie hoffen, nicht mehr durch langwierige Kochaktivitäten von den Freuden von Sonne und Wasser abgehalten zu werden. Vom Instant-Püree über den Kartoffelknödel im Kochbeutel führte Pfannis Kartoffelrevolution zum praktischen Fertiggericht.

Und auch der Urlaub auf dem Campingplatz war dank Pfanni gerettet:

"Das Pfanni-Knödellied"



"Frau Unsinn ist von früh bis spät
vor ihrem Campingzelt am Kochen,
und das moderne Grillgerät
verschafft ihr saure Urlaubswochen.
Doch nebenan die schlaue Fanny
kann einmal richtig Dame spielen.
Sie kocht im Handumdrehn mit Pfanni
und kann dann in die Sonne schielen."
(Pfanni-Werbung)

Buchtipps:

Die Kartoffel: Geschichte und Zukunft einer Kulturpflanze (Arbeit und Leben auf dem Lande)

  • Herausgeber: Helmut Ottenjann und Karl H. Ziessow
  • Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
  • Verlag: Stiftung Museumsdorf Cloppenburg (1. Januar 1992)
  • ISBN-10: 3923675305
  • ISBN-13: 978-3923675302


Das Buch "Die Kartoffel: Kulturprägung durch Nahrung"

  • Verlag: Edition Infotainment, München
  • (Erhältlich im Museumsshop des Kartoffelmuseums)
  • Die Verbreitung und Bedeutung der Kartoffel wird hier international behandelt.

17