Bayern 2 - Land und Leute


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Nikolaus und Krampus Ein bayerisches Traumpaar?

Ulrich Zwack beschäftigt sich mit dem Traumpaar Nikolaus und Krampus in Vergangenheit und Gegenwart. - Er schildert auch die Erfahrungen verschiedener Leute als oder mit Nikolaus und Krampus.

Von: Ulrich Zwack

Stand: 06.12.2015 | Archiv

Nikolaus und Krampus bei der Arbeit | Bild: picture-alliance/dpa

Nikolaus und Krampus haben einen bösen Karriereknick hinter sich. Bevor Christkind, Weihnachtsmann und Santa Claus im Laufe des 20. Jahrhunderts auch den Weißwurstäquator überquerten, spielte das bayerische Traumpaar in unseren Breiten zur Weihnachtszeit die absolute Hauptrolle.  Der Besuch der beiden wurde am Nikolausabend von jedem Kind teils freudig, teils voller Bangen erwartet. Der Nikolaus brachte Leckereien und kleine Geschenke; der böse Krampus war fürs Ausschimpfen zuständig. Schon rein äußerlich ein wahrer Teufel mit Zottelfell, Hörnern, Ketten und Kuhglocken einen Höllenlärm veranstaltend. Seine Gaben bestanden neben Angst und Schrecken oft auch aus richtigen Rutenhieben, damit sich das Kind merken sollte, was ihm der Nikolaus aufgetragen hatte.

Wilder Krampus treibt sein Unwesen

"Der Nikolausbesuch, des is kein Besuch gewesen. Des war eher so was, wie ein Jesuitendrama. Wir hatten einen riesigen Studiersaal. Dann hörte man so Kettenrasseln und dann ging sozusagen die Show richtig los. Ein gütiger Heiliger mit Mitra, in voller Montur eines Bischofs, trat auf. Und stellte sich aufs Podest, wo sonst immer der Katheter stand. Und hat dann den Kindern ihre Sünden aus einem großen Goldenen Buch vorgelesen.Daneben war ein Krampus dabei, der hat uns richtig Angst gemacht. Der hatte Ketten. Der hatte ein Fell an, des war zottelig bis zum Geht-nicht-mehr. Zwischenzeugnisse, so würde man fast sagen, wurden dann da vorgelesen. Vor allem natürlich mit den Kopfnoten. Das Betragen und so. Aber auch die 5 in Latein wurde erwähnt, und das coram publico natürlich.

Und diejenigen, die da als schwarze Schäflein entlarvt wurden, die mussten dann zum Teil sogar in diesen Sack vom Krampus reinklettern und da wurde dann auch ab und an, vielleicht theatralisch überhöht, mit der Rute draufgehauen. Für den, der da in dem Sack drin war, war des vielleicht keine körperliche Qual, aber eine seelische auf jeden Fall. Ich hab am Anfang gesagt, des wär so was wie ein Jesuitendrama gewesen. Was die da nachgespielt haben. war eine Gerichtsszene, im Grunde genommen. Es war eine Form des Jüngsten Gerichts. Natürlich mit einem Apfel oder mit einer Mandarine oder mit einer Nuss garniert. Aber letztendlich: es war schauderlich."

(Thomas Kernert)

Zum Nikolaus eine Barbie oder ein Computerspiel?

Kleines Mädchen mit gefülltem Nikolaus-Stiefel

In der Stadt ist heute von solchen Bräuchen nicht mehr viel zu merken. Da stellen die Kinder am Nikolausabend einen Teller oder einen Schuh vor die Tür, in den die Eltern dann heimlich einen lila Schoko-Nikolaus, ein neues Computerspiel oder eine Barbie-Puppe legen. Manchmal kommt auch ein netter Mann vom Studentenschnellservice in rotweißer Wichtelkluft. Er spricht ein paar freundliche Worte, damit das Kind bloß keine Angst vor ihm hat, und überreicht die Geschenke. Auf dem Land verhält es sich dagegen schon noch anders:  Familienfilme zeigen Kinder, die sich voller Panik vor den grässlich rumorenden Kramperln hinter der Tür verstecken.

"Mir saßen vorm Fernseher, Rollladen war zu. Und auf einmal macht's einen Schlag gegen die Rollädentür und draußen brüllt einer rein: 'Aufmachen, aufmachen!' Wir warn in dem Moment totenstill, ham nicht gwusst, was los ist. Des Ganze zwei, drei Mal. Dann hamma uns zur Küchentür getraut. Und dann stand da ein gehörntes Wesen mit Eisenketten und Fell da. Hat uns dann ordentlich nochmal die Gschichte vom letzten Jahr durchleben lassen, dass des so überhaupt nicht geht. Mir ham, glaub ich, gar nix gsagt. Warn fix und fertig. Uns isses Herz in die Hosn grutscht. Also mir ham wirklich Schiss ghabt und des war des letzte Mal, dass der Krampus oder Nikolaus kam, aber des hab ich bis heute bhalten, die Gschicht. Ja, war heftig."

(Florian Hering)

Heute kommt der Nikolaus meist allein

Nikolaus mit goldenem Buch

Da ist es eigentlich nur zu begrüßen, wenn das Traumpaar Nikolaus und Krampus heute weitgehend getrennt lebt, und der Nikolaus allein zu den Kindern geht. Natürlich soll man Traditionen aufrecht erhalten. Doch nicht um jeden Preis. Die Seelenpein, die der Krampus früher bei vielen Kindern hinterließ und teilweise noch hinterlässt, kann bestimmt nicht mit ein paar Äpfeln, Mandarinen und Nüssen einfach aus der Welt geschafft werden. Mitunter sind ja schon die Einträge, die der Nikolaus aus dem Goldenen Buch vorliest, ziemlich grenzwertig.

Nikolaus und Krampus in Vergangenheit und Gegenwart

Ulrich Zwack, selbst jahrelang Nikolausdarsteller in einer Münchner Kindertagesstätte, beschäftigt sich mit dem Traumpaar Nikolaus und Krampus in Vergangenheit und Gegenwart. Er schildert auch die Erfahrungen verschiedener Leute als oder mit Nikolaus und Krampus.


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