Bayern 2 - Land und Leute


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Biedermann mit Stacheln Mecki und die Zauberer aus Gräfelfing

Er ist der berühmteste aller Igel, machte Karriere als Filmstar und Comicfigur, wurde Vorbild für einen nach ihm benannten Haarschnitt: Mecki, das gut gelaunte Familientier. Seinen ersten Auftritt hatte er als Hauptfigur in einem Puppentrickfilm aus den renommierten Diehl-Studios in Gräfelfing bei München. Carola Zinner folgt der Fährte des vermenschlichten Igels - oder "verigelten" Menschen - bis zu seinen Ursprüngen.

Von: Carola Zinner

Stand: 18.12.2016 | Archiv

Mecki ist der berühmteste aller Igel - gleichzeitig Familientier, Schlitzohr und Oberlehrer. Seine Karriere als Filmstar und Comicfigur begann mit dem Märchen vom Wettlauf zwischen dem Hasen und dem Igel. Die Brüder Diehl, Wegbereiter des Puppentrickfilms, bannten die Geschichte 1936/37 in ihren Gräfelfinger Studios auf Zelluloid. Der Streifen lief als "Unterrichtsfilm" in den Schulen und wurde dank der - allen Diehl-Filmen eigenen - Mischung aus leisem Humor und Detailbesessenheit bei Figuren, Dekoration und Kostümen  enorm populär.

Filmproduktion im Dachgeschoss des Elternhauses

Im Jahr 1936 galten die Diehl-Studios bereits als herausragend im Puppentrickfilm. Die Brüder Ferdinand und Hermann Diehl hatten zunächst in der  "EMELKA" gearbeitet, der Vorläuferin der späteren Bavaria, bevor sie im  Dachgeschoss des elterlichen Hauses in Gräfelfing zusammen mit einem weiteren Bruder, dem Lehrer Paul Diehl, die eigene Produktion gründeten.

"Kalif Storch war der Anfang. Da hat man sich bemüht, das überhaupt in Gang zu bringen. Und dann haben sie versucht, Puppenfilme zu machen, die als Beiprogramm für Filme liefen. Bis dann etwas später, Mitte der 30er Jahre, hat man versucht - sicher mein Onkel Paul, hat Kontakt aufgenommen zur  FWU ... ('Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht', damals noch 'Reichsstelle für Unterrichtsfilm'). Der Onkel Paul hatte natürlich zu den Schulmeistern guten Kontakt. Und dann hat man Märchenfilme für die Schulen gemacht und hat dann einen Auftrag nach dem anderen gekriegt."

(Anton Diehl)

Hans Held, Zeichner der Mecki Comicfigur

Mecki wurde zur bekanntesten Comicfigur Deutschlands

Mecki und Micki (Puppen der Marke "Steiff")

Zum "Mecki" aber wurde die Figur erst nach dem Krieg, als der Chefredakteur der Rundfunkzeitung "Hör Zu" eine Werbepostkarte zum Film auf die Titelseite setzte und verkündete, man werde den Igel ab sofort in jeder Ausgabe finden. Pikanterweise geschah das ohne jede Absprache mit den Diehls. Es gab einen Rechtsstreit, man einigte sich, und Mecki wurde zur bekanntesten Comicfigur Deutschlands, Symbol für Wirtschaftswunder und Biedermann-Leben der 50er Jahre. Neben den gezeichneten Mecki-Geschichten in jeder Ausgabe der "Hör Zu" gab es die "Mecki-Frisur" und zahlreiche Merchandising-Produkte, die heute Sammlerherzen höher schlagen lassen: Becher, Schlüsselanhänger, Taschentücher, "Mecki's Melodie" auf Schallplatte und Mecki-Puppen von Steiff. Der Diehl'sche Ur-Mecki aber führte ungerührt von all dem sein verborgenes Leben in Gräfelfing weiter, wo Anton Diehl als Nachfolger des Vaters und der Onkel bis heute die Erinnerung an die einzigartige Geschichte wach hält.

Meckis Karriere als "Hör Zu"-Maskottchen

"Hörzu"-Chefredakteur Eduard Rhein

1949 wurde der Igel als Redaktionsmitglied eingeführt. Sein neuer "Chef": Eduard Rhein, ein ausgebuffter Medienprofi, der 1946 die Leitung einer Rundfunkzeitung übernahm, die er wenig später "Hör Zu!" taufte. Der Name war Programm: Rhein hörte zu: er wusste, was Nachkriegs-Leser wollen. Kochrezepte und Lebensberatung, Modetipps, Rätsel und Fortsetzungsroman - und natürlich ein ausführliches Radio- und bald auch Fernsehprogramm. Und: Mecki, anfangs nur ein gezeichneter Lückenfüller, schon bald aber der Held eines eigenen, teils ganzseitigen Comic-Strips. Die Abenteuer des "Hör-Zu"-Igels wurden schnell zur heiß begehrten Lektüre der medial wenig verwöhnten Nachkriegs-Kinder und - ihrer Eltern. Anders als Micky Mouse und Donald Duck, als "amerikanischer Schund" verpönt und in vielen Haushalten streng tabu, war der deutsche Mecki salonfähig. Oder besser gesagt: Wohnküchenfähig.

Film-Tipp: "Mecki und seine Abenteuer"

  • Regisseure: Ferdinand und Hermann Diehl
  • Format: PAL
  • Region: Region 2
  • Bildseitenformat: 4:3 - 1.33:1
  • Anzahl Disks: 1
  • Studio: Tacker Film (Alive)
  • Erscheinungstermin: 22. Mai 2009
  • Spieldauer: 50 Minuten
  • ASIN: B0002V2E3S


Sämtliche Puppenfilme der Gebrüder Diehl mit dem stets freundlichen und
fröhlichen Igel Mecki sind auf dieser DVD erstmals vollständig zu sehen.


Extras:

  • Dokumentation über Meckis Entstehungsgeschichte
  • Interview Anton Diehl

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