Bayern 2 - Land und Leute


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"Bye-bye, Busby Babes" Manchester United und das Flugunglück 1958

Elke Worg erinnert an Manchester United und das tragische Flugzeugunglück vom 6. Februar 1958 in München, bei dem acht führende Spieler der legendären englischen Fußballmannschaft ums Leben kamen.

Von: Elke Worg

Stand: 31.01.2016 | Archiv

Die Spieler von Manchester United betreten ein Flugzeug, dass sie zu ihrem Europapokalspiel nach Belgrad fliegen wird. - Auf dem Rückflug ereignete sich am 6.2.1958 in München ein Flugzeugunglück, bei dem acht von ihnen ums Leben kamen. | Bild: picture-alliance/dpa; PA Wire

Manchester United zählt zu den reichsten und populärsten Fußballvereinen der Welt. Doch die Geschichte des Vereins kennt nicht nur Erfolge. Der Mythos, der ihn umgibt, gründet sich zum Teil auf eine Tragödie, die sich an einem kalten Wintertag in München ereignete:

"Winning isn’t everything"

Am 6. Februar 1958 landet die Mannschaft von Manchester United mit einer zweimotorigen Propeller-Maschine vom Typ "Elizabethan" in München-Riem. Die "Busby Babes", wie das Team nach dem schottischen Trainer Matt Busby genannt wird, sind guter Dinge. Sie haben am Vorabend gegen "Roter Stern Belgrad" gespielt und durch ein 3:3 das Halbfinale des Europapokals erreicht. "Winning isn’t everything", versucht Busby seinen Spielern immer wieder einzutrichtern. Das Spiel muss seiner Meinung nach auch Unterhaltungswert besitzen. Diese Vorgabe zu erfüllen gelingt der jungen Fußball-Elf mit einem Durchschnittsalter von nur 24 Jahren vorzüglich.

Der dritte Startversuch endete in einer Katastrophe

Es herrschten denkbar schlechte Wetterverhältnisse

An jenem denkwürdigen Februartag herrschen in München schwierige Wetterverhältnisse mit Schnee, Eis und Nebel. Als die Maschine nach der geglückten Zwischenlandung mit aufgefüllten Tanks zum Weiterflug auf die Startbahn rollt, beginnen die Probleme. Zwei Startversuche müssen abgebrochen werden. Der dritte endet in einer Katastrophe. 23 Passagiere verlieren in den Trümmern ihr Leben; darunter acht hoffnungsvolle Spieler von Manchester United.

Die Höllenfahrt der Airspeed Ambassador G-ALZU / "BEA-Flug 609"

Einer der schneebedeckten Flugzeugmotoren der Airspeed Ambassador G-ALZU

In einem letzten verzweifelten Versuch versucht der Pilot den Steuerhebel zu sich heranzuziehen, um die Maschine doch noch vom Boden hochzubringen. Aber das Flugzeug ist längst über die Startbahn hinausgeschossen. Das Flugzeug durchbricht den Zaun, der das Gelände Riem begrenzt und trifft als erstes auf eine Gärtnerei.

Nachdem die Maschine die Gärtnerei verwüstet hat, streift sie einen Baum und prallt mit dem Heck auf eine Baracke, in der eine Familie lebt. Das Haus steht sofort in Flammen. Wie durch ein Wunder kann die Mutter mit ihren drei Kindern unverletzt entkommen. Durch die Kollision mit dem Haus reißt ein Teil der linken Außenbord-Tragfläche ab. Die Maschine rutscht weiter, direkt in einen Baum, der die linke Seite des Cockpits demoliert. Hier sitzt Pilot Rayment, der schwere Verletzungen erleidet, denen er zwei Wochen später erliegen wird.

Doch noch ist die Höllenfahrt nicht zu Ende. 90 Meter weiter rammt das Flugzeug mit der rechten Rumpfhälfte einen Holzschuppen, in dem ein Lastwagen steht. Der Tank des Lastwagens explodiert; das gesamte Flugzeug-Heck bricht auseinander. Der vordere Teil der Maschine schlittert noch weiter durch den Schnee, bevor er nach 60 Metern endlich zum Stillstand kommt.

Für einen Moment liegt gespenstische Ruhe über der Szenerie ...

Bis heute werden United-Fans als "Munichs" verspottet

Die "Busby Babes" gab es nicht mehr. Trainer Matt Busby lag wochenlang im Klinikum Rechts der Isar. Er brauchte zehn Jahre, um ein neues, erfolgreiches Team aufzubauen, das 1968 den Europapokal holte. Wie Phönix aus der Asche wurde Manchester United zu einem Synonym für den Sieg über ein grausames Schicksal, das "Munich" hieß. Bis heute werden United-Fans als "Munichs" verspottet - und gegnerische Fans setzen mit ausgestreckten Armen zum Sturzflug an, wenn ihre Mannschaft ein Tor erzielt hat.

Die Gegner verhöhnten Manchester United und Duncan Edwards

Schon am 19. Februar 1958, also knapp zwei Wochen nach der Katastrophe, fand im Old Trafford Stadion in Manchester mit einer eilig zusammengewürfelten Mannschaft das erste Fußballspiel nach dem Unglück in München statt. Manchester gewann mit 3:0 Toren. Mit dabei waren Harry Gregg und Bill Foulkes. Die anderen überlebenden Fußballer waren noch nicht einsatzfähig. Zwei Tage später erlag Duncan Edwards, der Star der Busby Babes, in München seinen schweren Verletzungen.

Bald darauf fand erstmals die beleidigende Abkürzung "ManU" Eingang in den englischen Sprachgebrauch. Die Gegner hatten sich einen Spottvers ausgedacht, um United und den verstorbenen Duncan Edwards zu verhöhnen.

"Duncan Edwards is manure, rotting in his grave, Man U are manure, rotting in your grave."

Der verstorbene Duncan Edwards verrotte in seinem Grab, heißt es in dem Vers. Edwards wurde als "Dung", als "Mist" bezeichnet. Denn genau das bedeutet "manure".

Elke Worg erinnert an die Tragödie der "Busby Babes", die bis heute allgegenwärtig ist und untrennbar mit München verbunden bleibt.


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