Bayern 2 - Land und Leute


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Lola Montez Die Gräfin und ihr Verehrer Elias Peißner

Justina Schreiber erzählt, wie ein junger Korpsstudent namens Elias Peißner das Herz der Gräfin Landsfeld eroberte und zum Nebenbuhler des bayerischen Königs Ludwig I. wurde.

Von: Justina Schreiber

Stand: 29.05.2016 | Archiv

"Die Lola Montez, das war eigentlich eine bildhübsche junge schwarzhaarige Frau, das war dem König Ludwig dem Ersten seine Geliebte. Also die Frau war in München überhaupt nicht beliebt. Da hat einmal der Erzbischof von München hat einen Brief geschrieben an den König, er soll doch die Finger lassen von der Lola. Da hat der König zurückgeschrieben: bleib du bei deiner Stola, und lass mir meine Lola."

(Josef Eierer, Touristenführer in Vilseck)

Ausgelassene Stimmung in Lolas Palais in der Barerstraße

Elias Peißner als Student

Zigtausende von Gulden mussten aus Ludwig I. Geldschatulle fließen, bis im Mai 1847 Lola Montez endlich ihr prachtvolles Palais in der Münchner Barerstraße 7 beziehen konnte. Die wenigen Studenten, die der Einladung in den Salon der von den Einheimischen verachteten Mätresse des Königs folgten, waren Mitglieder des Corps Palatia. Am späten Abend des 18. Juni 1847 ließ sich der Vorsitzende der Studentenverbindung, der 21-jährige Elias Peißner aus Vilseck, dazu hinreißen, der schönen Lola sein Käppi auf die schwarzen Locken zu drücken. Die Stimmung war ausgelassen.

Peißner hielt den König für einen väterlichen Freund

König Ludwig I.

Anfangs soll der  junge Korpsstudent etwas g‘schamig gewesen sein. Aber dann gelang es Lola Montez doch recht schnell, den 22-jährigen Elias Peißner aus Vilseck zu verführen. Naiv gestand er seinem Nebenbuhler, König Ludwig I., den er für einen väterlichen Freund der Geliebten hielt:

"Ich fühlte, was ich nie zuvor gefühlt. Ich wusste nicht, wie mir geschehen."

Es dauerte eine Weile, bis Peißner die Spielchen seiner angeblichen Braut durchschaute. Da hatte sie ihn allerdings schon in allerlei Schwierigkeiten gebracht. Die Ehrengarde Alemannia, die er zu ihrem Schutz gegründet hatte, erntete nicht nur den Spott der Münchner. Die "Lolamannen" zogen sich auch den Zorn des eifersüchtigen bayerischen Herrschers zu. Mitgehangen, mitgefangen - plötzlich stand Peißner auch politisch an der Seite einer Frau, die mit ihren Intrigen gegen die antiliberalen, ultramontanen, also papsttreuen Staats- und Kirchenmänner des Volkes Zorn reizte. Der König ließ sich nämlich beeinflussen und feuerte fast das gesamte Kabinett.

"Und das war so schlimm: die Frau hat nimmer allein auf die Straße gehen können, weil die Bevölkerung hat mit Pferdeäpfel nach ihr geschmissen und da hat sie einen Bodyguard, einen Leibwächter gebraucht. Und der Elias Peissner, jetzt kommt der Hammer, das war ein Bursch mit 1 Meter 90, den hat der König eingestellt als Bodyguard."

(Josef Eierer, Touristenführer in Vilseck)

Lola Montez und Elias Peißner

Lola hatte Elias gelehrt, was Freiheit bedeutet

Sicher hatte der fesche Jüngling wegen der falschen Spanierin einigen (Liebes-)Kummer zu erleiden. Aber von ihr lernte er auch, was Freiheit bedeutet. 1849, kurz nach Lolas Flucht aus Bayern, wanderte er in die Vereinigten Staaten aus. Dort engagierte er sich leidenschaftlich gegen die Sklaverei. Peißner, der die Unionstruppen von Präsident Lincoln im Bürgerkrieg unterstützte, fiel am 2. Mai 1863 im Alter von 37 Jahren auf dem Schlachtfeld. Justina Schreiber schildert das abenteuerliche Leben des Oberpfälzer Türmersohns.

Die Affäre Lola Montez


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