Bayern 2 - Land und Leute


33

Klee und Kandinsky "Die Farbe hat mich. Ich bin Maler."

Paul Klee und Wassily Kandinsky, zwei der Gründerväter der klassischen Moderne in der Malerei, verband zeitlebens eine facettenreiche Freundschaft. Sie waren Nachbarn und Kollegen - erst in München, dann am Bauhaus in Weimar und später in Dessau -, aber sie waren auch Konkurrenten.

Von: Heidi Wolf

Stand: 18.10.2015 | Archiv

Wassily Kandinsky (l.) und Paul Klee | Bild: Sammlung Megele/Süddeutsche Zeitung Photo; SZ Photo/Süddeutsche Zeitung Photo

Der Maler Paul Klee hat entscheidende Jahre seines Lebens in München verbracht. Hier studierte er, tauchte in die Schwabinger Bohème mit ihren rauschenden Festen ein, hier fand er seine Frau Lily, eine Pianistin, hier kam der einzige Sohn Felix zur Welt. In der Ainmillerstraße lernte er 1911 Wassily Kandinsky kennen, der nur ein paar Häuser weiter wohnte. Die Freundschaft zwischen den beiden Künstlern, die als Gründungsväter der "Klassischen Moderne" gelten, setzte sich am Bauhaus erst in Weimar, dann in Dessau fort, wo sie beide als Lehrer tätig waren.

1933 endete die gemeinsame Zeit

Als die Nationalsozialisten die Macht ergriffen, endete diese gemeinsame Zeit: Kandinsky emigrierte nach Paris, Klee kehrte in seine Schweizer Heimat zurück, wo er ein beachtliches Spätwerk schuf, ehe er 1940 starb. Klees Weg vom Zeichner zum Maler war mühsam. Den Durchbruch brachte die legendäre Reise nach Tunesien, die er 1914 mit August Macke und seinem Schweizer Jugendfreund und Künstler Louis René Moilliet unternahm. Er tauchte dabei in eine völlig neue Welt ein und schrieb anschließend begeistert: "Die Farbe hat mich. Ich bin Maler".

Paul Klee (1911)

"Dieser Kandinsky übt immerzu eine große Anziehung auf Moilliet aus. Er geht öfter hinüber, nimmt manchmal Arbeiten von mir mit und bringt Bilder ohne Gegenstand von jenem Russen wieder zu mir zurück. Sehr merkwürdige Bilder. Dieser Kandinsky will eine neue Gemeinschaft von Künstlern zusammenrufen. Ich habe bei persönlicher Bekanntschaft ein gewisses tieferes Vertrauen zu ihm gefasst. Er ist wer und hat einen ausnehmend schönen und klaren Kopf. Zuerst trafen wir uns in einem öffentlichen Lokal der Stadt. Dann verabredeten wir, auf der Trambahn nach Hause fahrend, weitere Pflege von Beziehungen."

(Paul Klee)

"Gestern durch Moilliet den Klee kennen gelernt. Da sitzt schon was in der Seele."

(Wassily Kandinsky)

Kandinsky war Klee in seiner künstlerischen Entwicklung weit voraus ...

Dr. Christine Hopfengart

"Er war tatkräftig, er war sehr selbstbewusst, er hatte durch sein Studium und sein Leben in Russland gelernt, sich durchzusetzen. Und er hatte sowas wie eine Mission. Er wollte nämlich die Kunst erneuern. Er wollte die abstrakte Kunst durchsetzen. Klee dagegen war jemand, der sehr selbstkritisch war, fast skrupulös, sehr selbstreflektiert, der sich immer wieder in Frage gestellt hat, der zwar schon wusste, was er möchte, nämlich eine möglichst authentische Ausdrucksform, eine, mit der er hundertprozentig übereinstimmt. Aber er hatte noch keine Bildsprache dafür gefunden. Und so versuchte er sich in verschiedenen Richtungen, war eben häufig mit sich selbst unzufrieden. Und hat deswegen sehr viel länger gebraucht als Kandinsky. Er selbst sagte das später und Kandinsky auch: Er war, als die beiden sich kennenlernten, noch sehr klein. Klein im Sinne der künstlerischen Entwicklung."
(Dr. Christine Hopfengart, Kunsthistorikerin und Kuratorin der Ausstellung 'Klee & Kandinsky')

Erste Ausstellung in der Galerie Thannhauser

Bis zum Ersten Weltkrieg hatte sich Paul Klee als Münchner gefühlt. 1911 fand seine erste Ausstellung in der Galerie Thannhauser statt, 1912 beteiligte er sich an der zweiten Ausstellung des "Blauen Reiters". Er führte einen lebhaften Briefwechsel mit Alfred Kubin, der Klees Talent als einer der Ersten erkannte und seine Zeichnungen sammelte. Wie seine Frau Lily liebte auch Paul Klee die Musik. Er war ein hervorragender Geiger, verehrte Mozart, hielt engen Kontakt zu Igor Strawinsky und Paul Hindemith.

"Kandinsky war eher derjenige, der Musik intensiv hörte. Klee war der Praktiker, der Musik spielte. Klee hat in der Musik auch mehr das Kunstwerk gesehen: Wie ist ein musikalisches Stück aufgebaut? Welche Struktur hat ein musikalisches Stück: Rhythmus, Takt, Tonart? Und hat darüber nachgedacht, welche Konsequenzen er daraus für sein bildnerisches Werk ziehen kann. Kandinsky dagegen hat sich mehr dem Klang der Musik hingegeben und hat in seiner Theorie auch bestimmte Farben bestimmten Instrumenten zugeordnet, zum Beispiel das Gelb der Trompete oder das Rot der Tuba. Das heißt, er hat in Klängen gedacht, er hat die Musik in Form von Klängen aufgenommen, während Klee eher der analytische Musikhörer und Musikspieler war."

(Dr. Christine Hopfengart, Kunsthistorikerin und Kuratorin der Ausstellung 'Klee & Kandinsky')

"Die Farbe ist die Taste. Das Auge ist der Hammer. Die Seele ist das Klavier mit vielen Saiten. Der Künstler ist die Hand, die durch diese oder jene Taste zweckmäßig die menschliche Seele in Verbindung bringt."

(Wassily Kandinsky)

Große Ausstellung im Lenbachhaus

Das Lenbachhaus in München erinnert mit einer großen Ausstellung vom 21. Oktober 2015 bis 24. Januar 2016 an Paul Klee und Wassily Kandinsky: "Nachbarn, Freunde, Konkurrenten" - Bayern 2 unterstützt die Schau als Medienpartner.


33