Bayern 2 - Land und Leute


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Josef Popfingers Reisen Mit 5,40 Mark um die Welt!

Josef Popfinger war gerade mal 17 Jahre alt, arbeitslos, einer von etwa 70 000 Vagabunden, die es in der Zeit um die Weltwirtschaftskrise von 1929 in Deutschland gab. Als "König der Schwarzfahrer" machte er von sich reden. Seine "Weltreise-Abenteuer" hat er aufgeschrieben. - Monika Dimpfl hat sie gelesen.

Von: Monika Dimpfl

Stand: 09.08.2015 | Archiv

Rucksack und Wanderschuhe | Bild: picture-alliance/dpa

"Heute bin ich erst 23 Jahre alt und es wird den Leser sicherlich interessieren, wie ich mit den größten Ozeandampfern öfter als ‘Blindpassagier’ fuhr, wie man mit Güterzügen ‘schwarz’ fährt und wie ich überhaupt durch etwa 30 Länder Europas, Afrikas, Asiens und Amerikas ohne Geld kam. Es ist mir nicht immer glänzend ergangen, tagelang habe ich oft gehungert; aber auch sehr schöne Zeiten kamen immer wieder."

(Josef Popfinger)

Lieber auf Wanderschaft als arbeitslos in Bayern

Wanderer mit Rucksack

Das Anfang 1933 erschienene Reisebuch von Josef Popfinger, Bürgermeistersohn aus dem Dorf Tödtenried bei Aichach, ist kein literarisches Werk, sondern der knapp, lebendig und authentisch erzählte Bericht eines abenteuerlustigen jungen Mannes vom Land. Statt arbeitslos daheim in Bayern zu bleiben, verwirklichte Popfinger in der Zeit einer Wirtschaftskrise seinen Reisetraum und machte sich mit Rucksack und Fotoapparat auf den Weg. "Vater und Mutter sagte ich überhaupt gar nichts, sondern marschierte an einem herrlichen Junitage ... Augsburg zu, mit dem festen Entschluss, mit 5.40 Mark durch die Welt zu bummeln."

"Den Kopf habe ich geschüttelt, als man mir eine Stempelkarte in die Hand drücken wollte, um mich in die Armee der Untätigen einzureihen. Endlich konnte nun doch mein Plan, „Ohne Geld um die Welt“ zu reisen, in Erfüllung gehen, ich wollte etwas von der Welt sehen, Abenteuer erleben. Als ich mich mit einigen Kleinigkeiten und Rucksack ausgerüstet hatte, nannte ich mein Eigen noch Reichsmark 5.40. Meinen Verwandten und Bekannten erzählte ich von dem Plane, alle lachten mich aus, sie glaubten, ich würde nicht weit kommen.

Vater und Mutter sagte ich überhaupt gar nichts, sondern marschierte, kaum 17jährig, an einem herrlichen Junitag des Jahres 1927 zum Tore hinaus, Augsburg zu, mit dem festen Entschluss, mit den 5.40 Mark durch die Welt zu bummeln.

Ich muß es offen gestehen, daß ich mir kein Kopfzerbrechen machte, wie ich überhaupt durchkommen würde, ich nahm an, daß sich alles mit der Zeit automatisch geben werde, und so war es auch. Zur Reiserei hatte ich nun einmal Lust und ich setzte mir in den Kopf, vor nichts zurückzuschrecken, es gibt hier kein Zurück! ..."

(Josef Popfinger)

Hansdampf in allen Gassen

Monika Dimpfl berichtet, wie sich Josef Popfinger als Tippelbruder, blinder Passagier, Heftpflasterhausierer, Verkäufer selbst entworfener „Weltreisepostkarten“ und immer wieder verliebter Wanderbursch in der Fremde durchschlug, was er dabei sah und erlebte ...

"Verraten will ich Ihnen noch, daß ich bei nächster Gelegenheit wieder in die weite Welt abdampfen werde, neuen Abenteuern entgegen. Wohin es allerdings geht, weiß ich selbst noch nicht, es kommt darauf an, nach welcher Richtung an diesem Tag der Wind zieht."

(Josef Popfinger)


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