Bayern 2 - Land und Leute


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"Landsberg Barbarians" Johnny Cash auf dem Fliegerhorst Penzing

Als er mit 19 in GI-Uniform nach Landsberg kam, war er noch ein Nobody. Fast drei Jahre blieb er in Bayern und tat Dienst in einer Spezialeinheit der US-Air Force. In dieser Zeit gründete er eine Band und legte so den Grundstein zu seiner späteren Karriere als Star der Country Music.

Von: Renate Eichmeier

Stand: 04.10.2015 | Archiv

Fanpostkarte von Johnny Cash, die 1955 für Sun Records produziert wurde | Bild: Sun Records

"Judith Schnaubelt:
'Is it true that you bought your first guitar in Germany?'
Johnny Cash:
'Landsberg am Lech. Süd München. Ja, I went downtown to a store in 1952 in Landsberg and paid about 25 marks for the guitar. That's where I learnt to play on.'"

(Journalistin Judith Schnaubelt im Interview mit Johnny Cash, 1994)

"Landsberg Air Base"

Ein Transall Transportflugzeug der Bundeswehr startet auf dem Fliegerhorst Penzing (2001)

Anfang der 50er Jahre. Die Deutschen räumten ihre kriegszerstörten Städte auf. GIs schlenderten kaugummikauend durch die Straßen. Hinter dem Eisernem Vorhang lauerte der kommunistische Feind. Und der Fliegerhorst Penzing bei Landsberg am Lech fungierte als "Landsberg Air Base". Von dort aus lauschte eine Spezialeinheit der Amerikaner in den gegnerischen Osten. 1951 stieß der 19jährige Südstaatler Johnny Cash zu ihnen. Damals noch ein Nobody. Im Abhören der sowjetischen Funkaktivitäten erwies sich der spätere Star der Countrymusik als außerordentlich begabt. Nach eigenen Angaben soll er es gewesen sein, der als erster einen Funkspruch zu Stalins Tod abfing.

Die "Landsberg Barbarians"

Ansonsten war das Leben der Besatzer eher eintönig: amerikanische Clubs, Sport, Fischen. Nicht zuletzt deshalb gründete Johnny Cash mit Freunden eine Band, die "Landsberg Barbarians". 1954 kehrte er in die USA zurück, ließ sich in Memphis nieder, spielte bei dem Label Sun Records vor und veröffentlichte seine erste Single "Hey! Porter", einen Song, der vom Heimweh nach den Südstaaten erzählt. Seine Landsberger Erfahrungen flossen in dieses Lied ein und auch in spätere Hits wie "Folsom Prison Blues", "I walk the line" oder "Don't take your guns to town".

"Einen schrecklichen Moment lang dachte ich, sie würden versuchen, mich lebenslänglich an sich zu binden, aber das taten sie nicht. Sie ließen mich gehen. Es war gut, dass sie mich gehen ließen. Das Bier und die Wurst schmeckten hervorragend, aber ich sehnte mich danach, wieder in den Südstaaten zu sein."

(Johnny Cash, 1997)

Buchtipps:

I Walked the Line: My Life with Johnny

  • Author: Vivian Cash
  • Contributor: Ann Sharpsteen
  • Paperback: 341 pages
  • Publisher: Scribner; Reprint edition (October 21, 2008)
  • Language: English
  • ISBN-10: 1416532951
  • ISBN-13: 978-1416532958

"I Walked the Line is a chronicle of first love, long-kept secrets, betrayal, forgiveness, and the truth - told at last by Johnny Cash's first wife, the mother of his four daughters. It is a book that had the full support of Johnny Cash, who insisted it was time for their story to be told, despite any painful revelations that might come to light as a result ..."

Johnny Cashs Liebesbriefe an Vivian

13.10.1951

Liebste Viv,
heute bin ich in die Poststelle und habe nach meiner Post gefragt. Und stell dir vor! Ich habe von dir noch keine Briefe bekommen. Was ist los, Schatz? Hast du deinen Stift verloren? Gut, ich habe meinen noch, und ich werde dich mit meinen Briefen quälen, bis ich einen von dir kriege. Ich habe ohnehin nichts anderes zu tun, als zu schreiben, obwohl es Samstagabend ist. Ich hatte bisher einen sehr friedlichen Abend. Ich war heute im Kino und habe den Thriller "Folsom Prison" gesehen - und weißt du was? Wir haben heute Vollmond, und er ist fast so groß wie in Texas. Das einzige, was nicht passt, ist, dass wir nicht zusammen sind.

2.2.1952

Mein Schatz,
gestern und letzte Nacht habe ich die Langeweile hier gekillt. Wir hatten ein Faschingsfest im Fitnessstudio und ich war von gestern ein Uhr bis Mitternacht dort. Mein Vorgesetzter hatte mir freigegeben, so konnte ich singen. Und ich habe gesungen! Ich bin heute so heiser, dass ich nicht sprechen kann. Die Leute wollten, das sich singe und haben einen Dollar pro Lied bezahlt. Und ich habe fast 200 Dollar verdient! (...) Wir hatten eine Hillbilly Band und eine ziemlich gute dazu. Ich habe jedes Lied gesungen, das ich kenne. Und manche von ihnen Dutzende Male. Liebling, du wusstest wohl nicht, dass ich ein großer Sänger  bin? Hast du das Lied "One more ride" von Hank Snow gehört? Ich musste es sooft singen, dass ich es letzte Nacht im Schlaf hörte. Und jeder, den ich heute getroffen habe, nennt mich "Hank".

Juli 1953

Mein Schatz, meine zukünftige Frau, Liebling,
ich muss dir viel erzählen. Ich hoffe, es wird dich glücklich machen, und ich hoffe, du wirst das wollen. Liebling, ich habe mit dem Kaplan gesprochen und mit dem Stabsfeldwebel, mit dem befehlshabenden Offizier muss ich noch sprechen. Alle haben mich ermutigt. Ich bin gestern Morgen in die Stadt gegangen und habe eine Anzeige für ein Apartment aufgegeben. Ich möchte, dass du hierher kommst, Viv. Ich weiß, dass du vor langer Zeit kommen wolltest, Liebling. Und da wir lange nicht darüber gesprochen haben, weiß ich nicht, ob das noch aktuell ist. Aber gib mir einfach die Antwort, nachdem du alles gelesen hast. (...) Viv, es ist nicht so einfach, wie es scheint. Es gibt sehr viel Papierkram zu erledigen, es ist erbärmlich. Ich bin die letzten Tage an verschiedenen Stellen gewesen und ich denke, ich habe praktisch alles herausgefunden.

12.11.1953

Hello chicken,
ich wette, du weißt nicht, wo ich gerade bin, meine Süße? Ich glaube nicht, dass du es weißt. Ich bin in der Arbeit und Liebling, erzähl es niemandem, aber ich habe nicht viel zu tun. Ich soll mich abrackern, mein Land verteidigen, aber an manchen Tagen fühle ich mich einfach nicht danach. Ich sitze hinten im Zimmer, so dass ich jeden sehen kann, der kommt, damit ich nicht erwischt werde. Meine Süße, wenn ich an die Zeit zurückdenke, die wir getrennt sind, scheinen es Jahrhunderte gewesen zu sein. Diese ganze Zeit hast du auf mich gewartet. Ich habe heute an die letzten zwei Jahre gedacht. Ich erinnere mich an das erste Silvester, an dem ich hier war und ganz alleine in meinem Zimmer, ich hatte solche Sehnsucht nach dir, dass ich beinahe geheult hätte (...)

15.4.1954

(...) ich glaube nicht, dass ich dir in der Hochzeitsnacht etwas zeigen kann, Vivie. Ich werde nervös und schwach sein, weil du so schön bist und ich dich so sehr brauche. Wir werden beide Schmetterlinge im Bauch haben. Ich  möchte, dass wir gemeinsam lernen.

22.5.1954

Meine süße Viv,
ich kann es kaum glauben, dass ich in 18 Tagen auf dem Rückweg zu dir sein werde (...)
Ich hasse es, den Haufen Jungs hier zu lassen, mit denen ich so gerne zusammen bin. Aber ich darf nicht mehr daran denken. Mein Schiff ist das nächste, das fährt.

Cash – Die Autobiographie

  • Autoren: Johnny Cash und Patrick Carr
  • Palmyra Verlag, Heidelberg 1999
  • Vorwort von Kris Kristofferson 
  • Aus dem Amerikanischen von  Sylke Wintzer und Peter Dürr  
  • 390 Seiten · 19 Schwarzweißfotos · 13,5 x 21 cm · Broschur 
  • ISBN 3-930378-58-2

Johnny Cash - The Beast in Me: ... und die seltsame und schöne Welt der Countrymusik

  • Autor: Franz Dobler
  • Taschenbuch: 352 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag (1. Juni 2004)
  • ISBN-10: 3453879538
  • ISBN-13: 978-3453879539

Die Ausstellung

Johnny Cash (1991)

"Don't take your guns to town!" - Johnny Cash und die Amerikaner in Landsberg, 1951-1954

Das Landsberger Stadtmuseum thematisiert die amerikanische Truppenpräsenz und Johnny Cashs Zeit in Landsberg von 1951 bis 1954 anhand von Exponaten, Zeitzeugeninterviews sowie bislang unveröffentlichten Fotografien aus Privatbesitz.

Wann: 10. Oktober 2015 bis 31. Januar 2016

Wo: Landsberger Stadtmuseum
Von-Helfenstein-Gasse 426
86899 Landsberg
Di. bis Fr.: 14 bis 17 Uhr
Sa., So., Feiertage: 11 bis 17 Uhr
Link: stadtmuseum-landsberg.de


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