Bayern 2 - Land und Leute


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Reformator Jan Hus "Die Wahrheit wird siegen"

Vor 600 Jahren - wurde Jan Hus in Konstanz als Ketzer öffentlich verbrannt. Bereits Monate zuvor zog er von Prag Richtung Bodensee. Unterwegs war er auf der "Goldenen Straße", einem wichtigen Handelsweg, der damals mitten durch die Oberpfalz bis nach Nürnberg führte.

Von: Siegfried Höhne

Stand: 05.07.2015 | Archiv

"Ich Magister Jan Hus von Husinec, ehemals Rektor der Universität Prag, der ich zehn Jahre lang geprediget habe gegen den Reichtum der Kirche, gegen den Ablasshandel und die Hurerei des Klerus; der ich von der Kurie verurteilt und aus meinem geliebten Prag verbannt wurde: ich mache kund, dass ich bereit bin, zum Heiligen Konzil nach Konstanz zu ziehen und vor Papst und ganzem Klerus für meine Lehren einzustehen. Dank König Sigismund, der mir freies Geleit zugesichert hat - und mit Gottes Hilfe!!"

(Jan Hus)

Jan Hus unterwegs auf der "Goldenen Straße"

Am 6. Juli 1415 - vor genau 600 Jahren - wird der böhmische Reformator Jan Hus in Konstanz als Ketzer öffentlich verbrannt. Bereits Monate zuvor zieht er von seiner Heimatstadt Prag Richtung Bodensee. Unterwegs ist er auf der sogenannten "Goldenen Straße", einem wichtigen Handelsweg, der damals mitten durch die Oberpfalz bis nach Nürnberg führt. Die Oberpfälzer bereiten dem von der Kirche Geächteten einen triumphalen Empfang:

"Noch bevor ich in die Stadt Bärnau kam, hat mich der Pfarrer mit seinen geistlichen Gehilfen bereits erwartet, und wie ich die Stube betrat, da gab er mir sofort einen großen Humpen Wein zu trinken."

(So schreibt Jan Hus in seinem 'Reisebrief' vom Oktober 1414)

Historische Reisekarte des Jan Hus

Ähnliche Begrüßungen erlebt Jan Hus auch in Neustadt, Weiden, Sulzbach und Hirschau. Die Leute dort kennen Hus und dessen Kritik an der Habsucht der Kirche und dem Lasterleben des Klerus. Sie hoffen, dass Jan Hus rehabilitiert aus Konstanz zurückkehrt. Doch diese Erwartung  erfüllt sich nicht. Stattdessen erleben die Oberpfälzer die Folgen der Verbrennung von Jan Hus.

Die Verbrennung des 'Ketzers' Jan Hus

Jan Hus auf dem Scheiterhaufen

"Am 6. Juli 1415 hat diese Schandtat stattgefunden. Im Münster zu Konstanz haben sie ihm seine Priestergewänder vom Leib gerissen und eine Schandkrone aus Papier auf sein Haupt gesetzt. Dann hat die weltliche Obrigkeit ihn auf die Wiese hinausgeführt, ihn an einem Pfahl gefesselt und rundherum Holzbündel aufgeschichtet. Und dann hat der Wind ihm die Flamme ins Gesicht geschlagen. Und er ist sterbensstill geworden. Und die Henker haben geschürt und geschürt, das Herz gespießt und zurück ins Feuer geworfen bis nichts mehr als Asche da war. Die haben sie dann versenkt in den Rhein." (Historischer Augenzeugenbericht)

Ausbruch der Hussitenkriege

Szene aus dem bayerisch-tschechischen Hus-Spiel "Worte wie Flammen" in Bärnau

Nach der Verbrennung des Reformators brechen die Hussitenkriege aus und bringen den Städten und Gemeinden in der Oberpfalz und Teilen Frankens Tod und Verwüstung. Bis heute erinnern zahlreiche Freiluftspiele wie der "Drachenstich" in Furth im Wald oder "Der Hussenkrieg" in Neunburg vorm Wald an diese Schreckenszeit. Aber auch die triumphale Aufnahme von Jan Hus in der Oberpfalz wird auf vielfache Weise nachgespielt, z.B. in Bärnau und Tachau. Darüber hinaus befassen sich zahlreiche Schulen diesseits und jenseits der Grenze mit Jan Hus und dessen Weg nach Konstanz. Siegfried Höhne hat sich auf Zeitreise begeben und ist dabei auf völlig neue Forschungsergebnisse gestoßen. "Die Wahrheit wird siegen" - die Botschaft von Jan Hus wirkt auch heute noch nach.


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