Bayern 2 - Land und Leute


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Im Land der Derwische Herzog Maximilian auf Orient-Reise (1838)

Herzog Maximilian in Bayern unternahm 1838 eine für damalige Zeiten wahrlich abenteuerliche Reise. Acht Monate lang durchstreifte er das Heilige Land und den Orient. Gleich nach seiner Rückkehr entstand sein Reisebericht "Malerische Ansichten aus dem Orient", den sein Begleiter Heinrich von Mayr aufwendig illustrierte.

Von: Bernhard Setzwein

Stand: 16.08.2015 | Archiv

Herzog Max in Bayern (1828) | Bild: SZ Photo/Süddeutsche Zeitung Photo

Im Kloster Banz, wo sich alljährlich die CSU-Landtagsfraktion zu ihrer Herbst-Klausurtagung trifft, gibt es neben manch anderer Sehenswürdigkeit ein paar Ausstellungsstücke, die man nicht unbedingt in einer ehemaligen, bald 1000 Jahre alten Benediktinerabtei erwarten würde: Da hängt nämlich ein ausgestopftes Nilkrokodil an der Wand, da stehen ägyptische Mumien herum und da liegen Handschriften aus, verfaßt in einer geheimnisvollen Hieroglyphenschrift.

Mitgebracht nach Franken – und zwar von einer ausgedehnten Orientreise – hat dies alles ein in Bamberg geborener Wittelsbacher: Maximilian, Herzog in Bayern. Besser bekannt als: Der Zithermaxl!

Eine als wahres "Pulverfaß" empfundene Krisenregion

Kaiserin Sisi, Tochter des Herzog Max in Bayern

Um seinem "bis zur Unbequemlichkeit bequemen Alltagsleben, bei welchem man nicht mehr lebt, sondern nur vegetiert", zu entfliehen, unternahm Herzog Maximilian 1838 eine für damalige Zeiten wahrlich abenteuerliche Reise. Acht Monate lang durchstreifte er das Heilige Land und den Orient. Der aus Bamberg gebürtige Wittelsbacher, der den Ehrentitel "Herzog in Bayern" tragen durfte, war zu diesem Zeitpunkt 29 Jahre alt und eben erst von seiner Gattin, der bayerischen Königstochter Ludovika Wilhelmine, mit einer Tochter beschenkt worden; im Dezember 1837 war Elisabeth zur Welt gekommen, die spätere österreichische Kaiserin Sisi. Doch das konnte Maximilian nicht abhalten von seinem lang gehegten Plan. Im Januar 1838 brach er mit kleiner Gefolgschaft auf zu einer Expedition nicht nur in eine von Mitteleuropäern kaum bereiste Gegend, sondern in eine schon damals als wahres "Pulverfaß" empfundene Krisenregion.

Als "Mitbringsel" kaufte er in Kairo fünf Sklaven

"Das schwarze Pferd", Heinrich von Mayr (1806-1871)

So herrschte in Ägypten seinerzeit der despotische Mehemed-Ali, der berüchtigt war für seine Brutalität und die von ihm befohlenen Massenhinrichtungen. Das hinderte Herzog Maximilian aber nicht, das Land entlang des Nils zu bereisen, bis hinauf zu den berühmten Flußkatarakten. In Kairo auf dem Sklavenmarkt kaufte er fünf dunkelhäutige junge Burschen, die er mit heimbrachte nach München und in der Frauenkirche taufen ließ. Doch dies waren keineswegs seine einzigen Reise-"Mitbringsel": Eine Vielzahl an Erlebnissen, Abenteuern und Beobachtungen sammelte er, die er gleich nach seiner Rückkehr in einem nüchternen Reisebericht festhielt, den sein Begleiter Heinrich von Mayr aufwendig illustrierte.

"In begrenzter Auflage höchst aufwendig gedruckt, konnte er nur von Fürsten und Millionären und für wissenschaftliche Bibliotheken gekauft werden. Am Rande sei hier erwähnt, daß zu den Käufern später auch ein Schriftsteller gehörte, der aus ärmlichen Verhältnissen stammte und mit seinen Büchern über ferne Länder, unter anderem über den Orient, sowohl reich als auch weltberühmt wurde: Karl May."

(Walter Hansen)

Der "Zithermaxl" trat in Athen und Kairo auf

Anhand dieser "Malerischen Ansichten aus dem Orient" folgt Bernhard Setzwein der Reise des volkstümlichen Bayernherzogs, den das Volk daheim nur den "Zithermaxl" nannte. Seine legendäre Liebhaberei - das Spiel auf der alpenländischen Zither - pflegte er übrigens auch während der Orientfahrt: zusammen mit seinem Lehrer Johann Petzmayer trat er in Athen und Kairo auf.


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