Bayern 2 - Land und Leute


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Dietmar Holzapfel Wirt der "Deutschen Eiche" in München

Die "Deutsche Eiche" in München ist eine Traditionswirtschaft - und als Treffpunkt für Schwule eine Legende. - Heidi Wolf erzählt die Lebensgeschichte von Dietmar Holzapfel, dem Wirt der "Deutschen Eiche", die auch die veränderte Haltung der Gesellschaft gegenüber Homosexuellen widerspiegelt.

Von: Heidi Wolf

Stand: 03.05.2015 | Archiv

"Ich nehme Sie jetzt mit hinein in dieses Lokal und der Wirt Dietmar Holzapfel wird Sie erwarten, wird Ihnen ein bisschen was zum Haus erzählen und wird Ihnen vor allen Dingen zur homosexuellen Szene in München oder überhaupt, wie ein homosexueller Mensch lebt, erzählen. Wenn Sie Vorbehalte haben, stecken Sie sie ein bisschen zurück. Ich denke, die Begegnung mit diesem Menschen wird Sie auf alle Fälle bereichern!"

(Christa Diebel, Stadtführerin, unterwegs im Münchner Gärtnerplatzviertel)

Rainer Werner Fassbinder und Freddie Mercury

"Queen"-Sänger Freddie Mercury

Die „Deutsche Eiche“ in der Reichenbachstraße 13 im Gärtnerplatzviertel ist mit ihren über 150 Jahren eine Münchner Traditions-Wirtschaft. - Und einer der ältesten Schwulen-Treffpunkte in der Stadt. Rainer Werner Fassbinder, der von 1974 bis 1978 im Haus gegenüber wohnte, zählte zu den Stammgästen. Hier traf er seinen Geliebten Armin Meier, der in der „Deutschen Eiche“ als Schankkellner arbeitete und  in einigen Fassbinder-Filmen mitspielte. Auch Queen-Sänger Freddie Mercury zählte zu den Gästen. Dass die „Deutsche Eiche“ ein Treff für Homosexuelle sein soll, wies Wirtin Ella Reichenbach in den 1950-er Jahren noch entrüstet von sich: „Bei mia verkehren 90 Prozent Künstler und 10 Prozent von den Frauen enttäuschte Männer!“

Luxuriöse Männersauna als Treffpunkt für Schwule

Das Badehaus der "Deutschen Eiche"

Dietmar Holzapfel schmunzelt noch heute über diesen Satz. Zusammen mit seinem Adoptiv-Vater Niki Holzapfel und seinem Lebenspartner Sepp Sattler kaufte er 1993 die heruntergekommene Wirtschaft. „3,3 Millionen Euro haben wir für die Bruchbude auf den Tisch gelegt, alles über Kredite finanziert, zu einem Zinssatz von acht Prozent“, erinnert sich Holzapfel. Von der Gastronomie hatte nur Niki Holzapfel eine Ahnung, aber der starb schon ein Jahr später. Dietmar Holzapfel und der Werbefilmer Sepp Sattler entwickelten ein goldenes Händchen. Sie möbelten das Gasthaus und das zugehörige Hotel auf, bauten eine luxuriöse Männersauna als Treffpunkt für Schwule ein. Dietmar Holzapfel gab seinen Lehrer-Beruf auf, um nur mehr Wirt zu sein. Mehrmals in der Woche führt er Gruppen durch die „Deutsche Eiche“. „Manche Leute können einem anfangs gar nicht in die Augen schauen und hinterher bedanken sie sich für diesen Einblick in die andere Welt“, erzählt Dietmar Holzapfel. Er ist in Ingolstadt aufgewachsen, kam zum Studium nach München und fand hier den Mut, sich als Homosexueller zu outen. - Seine Mutter informierte er in einem Brief über seine sexuelle Orientierung und sie schrieb ihm nach ein paar Wochen zurück: Er werde immer ihr Sohn bleiben … Den Brief bewahrt Dietmar Holzapfel noch heute auf.

"Ich bin schwul und das ist auch gut so"

Klaus Wowereit (r.) und sein Lebensgefährte Jörn Kubicki (2014)

Dietmar Holzapfel hat sich zum Anwalt der Schwulen gemacht, weil er am eigenen Leib erlebt hat, wie schwer es fällt, sich als Homosexueller zu outen. Bei ihm war das Ende der 1970-er Jahre, als er von Ingolstadt nach München umzog, um hier Lehramt zu studieren. Damals hieß er noch Rieger. In der Münchner Schwulenszene fühlte sich Dietmar Holzapfel aufgefangen. Er erlebte Männer, die so tickten wie er, lernte seinen späteren Adoptivvater Nicki Holzapfel kennen und Sepp Sattler. Mit ihm ist er seit 37 Jahren zusammen, seit 2002 in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Beiden war bald klar: ihre Verbindung ist mehr als Sex. - Das war Ende der 1970-er Jahre, gut 20 Jahre, bevor Klaus Wowereit im Juni 2001 in Berlin sein berühmtes Bekenntnis ablegte:

"Damit auch keine Irritationen hochkommen, liebe Genossinnen und Genossen. Ich sag's euch auch, und wer es noch nicht gewusst hat: Ich bin schwul und das ist auch gut so, liebe Genossinnen und Genossen."

(Klaus Wowereit, ehemaliger Bürgermeister von Berlin)


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