Bayern 2 - Land und Leute


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Pferde für den Krieg Das vergessene Hippodrom von Benediktbeuern

Justina Schreiber begibt sich auf Spurensuche im weitläufigen Gelände der Klosteranlage Benediktbeuern. Erst vor kurzem entdeckten dort Archäologen auf Luftaufnahmen die Reliefspuren des heute komplett zugewachsenen Hippodroms, in dem einst Tausende von Pferden fürs Militär gedrillt wurden.

Von: Justina Schreiber

Stand: 16.10.2016 | Archiv

"Nach der Säkularisation 1803 hat der Staat den ganzen Waldbesitz des Klosters für sich in Anspruch genommen und hat dann 1839 diesen ganzen Waldbesitz markiert mit 'KW'-Steinen, also immer ein Stein mit 'KW' ('Königlicher Wald') und einer fortlaufenden Nummer da drunter. Was ich nicht wusste, was das 'MF' heißt. Und da hab ich dann rumgeforscht und dann erfuhr ich, das heißt 'Militärfohlenhof, Remontedepot'."

(Jost Gudelius, Hobbyforscher, beschäftigt sich mit den historischen Grenzsteinen rund um das Kloster Benediktbeuern)

"Also unter einer Remonte verstand man ein junges Pferd, das heißt, ein Pferd, das nicht älter als fünf Jahre alt war. Ungefähr so im Alter von drei Jahren wurden die Pferde vom Heer angekauft, in diesem Remontenalter, und wurden dann bis zum Alter von fünf Jahren auf den Remontendepots groß gezogen."

(Kathrin Kutter, Tierärztin, Mindelheim)

Aufgepäppelt und getrimmt für den Krieg

Deutsche Kavallerie-Division im 1. Weltkrieg

17.000 Pferde standen zu Beginn des Ersten Weltkriegs im Dienst der königlich bayerischen Armee. Schon zu Friedenszeiten war es keine leichte Aufgabe, genügend geeignete Tiere bereit zu halten. Denn die derben einheimischen Gäule eigneten sich allenfalls als Zugtiere für die Artillerie. Die edleren Reitpferde der Kavallerie dagegen mussten eigene Ankaufskommissionen meist aus Ostpreußen herbeischaffen. In sogenannten Remontendepots brachte man die minderjährigen Hengste und Stuten dann auf Vordermann.

Benediktbeuern und sein Hippodrom

Das Hippodrom ist heute nur noch aus der Luft als Relief zu erkennen

Rennbahn, Benediktbeuern, 3D-Luftaufnahme des Landesamts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung, München

Eine der militärischen Fohlenschulen befand sich von 1818 bis 1921 auf dem Gelände des damals säkularisierten Klosters Benediktbeuern. Erst vor kurzem entdeckten Archäologen hier die Reliefspuren des heute komplett zugewachsenen Hippodroms, in dem Tausende von Remonten brav ihre Runden drehten, um den - im Felde geforderten - "entschlossenen Gang nach vorwärts" zu trainieren.


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