Bayern 2 - Land und Leute


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Der Maler Henrik Moor "Die Wiesen blau, die Wolken schwefelgelb"

Anlässlich der Ausstellung "Henrik Moor (1876-1940). Avantgarde im Verborgenen", die noch bis zum 25. September im Museum Fürstenfeldbruck zu sehen ist, begab sich Sarah Khosh-Amoz auf die Spuren dieses zu Unrecht nur wenig bekannten Malers.

Von: Sarah Khosh-Amoz

Stand: 11.09.2016 | Archiv

"Mein Vater war zuvorkommend, sehr heiter, lustig, also, so hab ich ihn in Erinnerung, aber er ist in eine Zeit reingekommen, die entsetzlich war."

(Herbert Moor, Sohn)

"Der war ein Getriebener: Er musste ununterbrochen malen. Er hat einfach alles, was er gefunden hat, hat er bemalt. Ob das eine Zeitung war, Karton oder irgendeine alte Holzkiste. Auf Rupfen hat er gemalt, wenn er keine Leinwand hatte. Den fand ich außergewöhnlich, außerordentlich."

(Rita Ring, Verwalterin des schriftlichen Nachlasses der Familie Moor)

"Ein Künstler, der ungeheuer interessant ist, ein völlig unangepasster Zeitgenosse, der einfach in diesen Rahmen dieser Provinz zunächst gar nicht zu passen scheint."

(Klaus Wollenberg, Kulturreferent der Stadt Fürstenfeldbruck)

Ständige Auseinandersetzung mit den Kunstströmungen seiner Zeit

Henrik Moor (1876-1940) zählt zu den bedeutendsten Künstlern der Region Fürstenfeldbruck. Er hinterließ ein umfangreiches und vielfältiges Werk: Porträts, Landschaften, Städtebilder und szenische Darstellungen aus mehr als drei Jahrzehnten spiegeln Moors erstaunliche malerische Entwicklung. Sein Schaffen reicht von den Anfängen in der Tradition impressionistischer Malerei um 1900 bis hin zu Arbeiten der zwanziger und dreißiger Jahre, die Moor in ständiger Auseinandersetzung mit den wichtigsten Kunstströmungen seiner Zeit, dem Kubismus, Futurismus und der abstrakten Malerei zeigen. 

"Als Gegenpol zum hektischen Treiben in der großen Stadt malten die Fürstenfeldbrucker Künstler das ländliche, idyllische Leben – mit Ausnahme von Henrik Moor. Er widmete sich dem Großstadtleben: Er hielt Metropolen wie Paris, London und New York in impressionistischen Shilouetten fest: seinen pastosen, dickflüssigen, breiten Pinselstrich, freundlich und lichtdurchflutet - diesen Stil lernte ein internationales Publikum im Salon des Indépendants in Paris und auf der Biennale in Venedig kennen. Auch bei den Jahresausstellungen im Münchner Glaspalast wuden seine Werke gezeigt."

(Sarah Khosh-Amoz)

Malerei und Musik im Einklang

Henrik Moors Porträt des Cellisten Pablo Casals

Neben der Malerei bestimmt vor allem die Musik das Leben Henrik Moors. Sein Bruder Emanuel ist Musiker, Komponist und Erfinder von Musikinstrumenten. Zu ihm und seinen Musikerkollegen steht Henrik Moor in regem Kontakt. Er ist nicht nur selbst ein ausgezeichneter Pianist, sondern porträtiert immer wieder berühmte Musiker wie etwa Pablo Casals und sucht klangliche Phänomene in seinen Bildern visuell umzusetzen.

Trotz aller Widrigkeiten bleibt er der malerischen Avantgarde treu

"Dschingis Khan", um 1938

Moor stammt aus einer jüdisch-ungarischen Kantoren-Familie. Er führt das Leben eines Weltbürgers und ist schon in jungen Jahren in Metropolen wie Prag, New York, Wien London, Paris, Zürich und München zu Hause, bevor er mit Anfang 30 in Fürstenfeldbruck sesshaft wird. Während der NS-Zeit gelingt es ihm auf wundersame Weise, die jüdische Abstammung seiner Familie geheim zu halten. Von 1908 an bis zu seinem Tod im Jahr 1940 lebt er, vom NS-Regime unbehelligt, in Fürstenfeldbruck. Künstlerische Experimente sind nach 1933 jedoch nur noch im Verborgenen möglich - Henrik Moor bleibt der malerischen Avantgarde dennoch treu.

"Die Wiesen blau, die Wolken schwefelgelb"

Sarah Khosh-Amoz begibt sich auf Spurensuche und porträtiert eine beeindruckende Künstlerpersönlichkeit, die bisher nur wenigen Kunstliebhabern bekannt ist.

Ausstellungshinweis:


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