Bayern 2 - Land und Leute


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Henne oder Ei? (1) Ex ovo omnia

Es gibt viele Eier. Dennoch hat die Menschheit, wie der amerikanische Gastrosoph Waverley Roots in seiner "Enzyklopädie alles Essbaren" leicht verwundert feststellte, "ihre Begierde fast ausschließlich auf das Hühnerei konzentriert". Warum nicht auf Enteneier, Straußeneier, Wachtel- oder Kiebitzeier?

Von: Thomas Kernert

Stand: 05.04.2015 | Archiv

Verkaufsschild für Eier | Bild: picture-alliance/dpa

Wer war zuerst da, die Henne oder das Ei? Das Problem ist so alt wie das systematische menschliche Fragen, auch "Philosophie" genannt. Bereits Aristoteles kratzte sich bei dieser Frage verzweifelt am Hinterkopf. Für die moderne Evolutionsgenetik ist das Rätsel freilich eher marginal. Unter dem Hinweis, dass sich das Erbgut eines Tieres im Laufe seines Lebens nicht ändert, ist klar, dass das erste lebende Ding, das man unzweifelhaft zur Spezies der Hühner rechnen kann, ein befruchtetes Ei gewesen sein muss, egal von welchem Tier es gelegt wurde. Ähnliches behaupteten tendenziell schon die verschiedensten Schöpfungsmythen und Weltentstehungslehren. Immer wieder ist in ihnen von gewissen Eiern die Rede, aus denen die Welt einst hervorging. Der ägyptische Gott Amun beispielsweise entstammte einem Gänseei. Ein Hymnus besingt ihn als den "großen Gackerer". "Ex ovo omnia" hieß es folgerichtig bei den Lateinern: "Alles stammt vom Ei".

Eier sind mindestens so gesund wie Bier

Gesundes Ei im Becher

Das Hühnerei ist, ob im deftigen oder süßen Genre, ein Multitalent. Was wäre die italienische, die französische, die österreichische Küche ohne Ei?! Und nicht nur vielen Gerichten gereicht es zu einer beachtlichen Optimierung, sondern auch dem menschlichen Organismus. Eier sind mindestens so gesund wie Bier. Außer Vitamin C enthalten sie alle lebenswichtigen Vitamine, viele Nährwerte sowie einen hohen Gehalt an Proteinen und essentiellen Aminosäuren. Dioxin hingegen gehört nicht zu den natürlichen Bestandteilen des Eis.

"Viele Eier sind auch in der Computer-Industrie aktiv. Da gibt es den iMac, den iPod, das iPhone, das iPad. Doch auch in diesem Fall erübrigen sich kausale Spekulationen: Erst kam Steve Jobs, dann das Ei in den Apfel."

(Thomas Kernert)

Eierspeisen contra Brathuhn

Herstellung eines Riesen-Omeletts

Für den Bayern freilich ist die Sache so einfach nicht. Weder ist er ein Evolutionsgenetiker, noch ein Mythologe, und auch seine Lateinkenntnisse sind nicht lückenlos. Er ist eher ein Pragmatiker. Als solcher kennt er zwar hervorragende Eierspeisen, vom Omelette bis zur Eiermehlsuppe, auf das Brathuhn indes lässt er nur wenig kommen. Die alimentäre Vereinigung von Huhn und Mensch steht für ihn traditionell am Anfang eines ausgedehnten Bierzeltaufenthaltes, in dessen Verlauf sich die ganze Welt meist von selbst erklärt und er den "großen Gackerer" mimt. Der berüchtigte Morgen danach beginnt sodann nicht mit den Sphärenklängen eines wie auch immer gearteten Welteneis, sondern mit dem infernalen Krähen eines Hahns. Um alsdann wieder kontaktfähig zu werden, greift er vorzugsweise nach einer Tasse Hühnerbrühe.


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