Bayern 2 - Land und Leute


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Heinz Theuerjahr Tränen am Kilimandscharo

Der Bildhauer und Maler Heinz Theuerjahr liebte die Abgeschiedenheit und die Wildnis. Er lebte im Bayerischen Wald und ging für sein Leben gern auf Reisen, um Anregungen für sein künstlerisches Schaffen zu finden. Besonders am Herzen lag ihm die Tierwelt Afrikas. - Joseph Berlinger folgt dem Künstler durch den Osten des Schwarzen Kontinents - anhand von dessen "Tagebuch der ersten Afrikareise 1960".

Von: Joseph Berlinger

Stand: 30.08.2015 | Archiv

Heinz Theuerjahr in seinem Atelier | Bild: Hans-Georg Theuerjahr

"Afrika, das ist für mich: Herausgerissen sein aus aller Gewohnheit und Bequemlichkeit, das ist Anstrengung bis zur Erschöpfung aller physischen Kräfte. - Das ist fertig werden mit Unbekanntem, ausgeliefert sein einer Umgebung, die man nicht beherrscht und der man deshalb unterlegen ist - das ist Abenteuer, der heiße Duft der trockenen Steppen und des Busches - knisterndes Feuer vor der Hütte oder dem Zelt - der Schrei der Tiere in der Nacht - das Sausen des Windes in der Wüste und die unbekümmerte, zu Herzen gehende Fröhlichkeit unkomplizierter Menschen. - Das ist Überleben wollen - alle Kräfte auf dieses eine ausgerichtet."

(Heinz Theuerjahr)

Aufbruch nach Afrika

v.l. Zenzi Theuerjahr, Sohn Hans-Georg, Sohn Heinrich, Heinz Theuerjahr

Als der Zeichner und Bildhauer Heinz Theuerjahr im April 1960 zu seiner ersten langen Afrikareise aufbricht, ist er 47 Jahre alt. "Und nun, Alterchen, zeig, ob du noch jung genug bist, Dich umzustellen", notiert er in seinem Tagebuch. Zurück lässt er in seinem Steinhaus unter dem Lusen eine Frau und zwei Söhne, ein Atelier voller Tierskulpturen und ein gern frequentiertes Kanapee. "Welcher Satan trieb Dich, auf all das zu verzichten und dafür täglich, stündlich Entscheidungen treffen zu müssen, von denen Dein Leben abhängen kann?"

Bilder aus dem Leben und Werk von Heinz Theuerjahr

Was suchte Heinz Theuerjahr in Afrika?

Hätte er seine Tierstudien nicht auch im Bayerischen Wald machen können, oder im Münchner Tierpark Hellabrunn? Das hat er auch getan. Aber weit mehr als das gezähmte, das eingesperrte, das zivilisierte Tier interessierte ihn das frei lebende, das ungebändigte, das wilde Tier. Wie es in Afrika noch zu finden war.

Rare Glücksmomente

Heinz Theuerjahr, Großes Relief Jagd, II. 1965,

Theuerjahr jagt wie ein Wahnsinniger einem Bild von Afrika hinterher. Einem Afrika der wilden Tiere, der einsamen Landschaften, der unzivilisierten schwarzen Ureinwohner. Nach fünf Monaten Reisen ist er seinem Ziel in raren Glücksmomenten nahegekommen. Weit häufiger jedoch war er mit seiner Einsamkeit konfrontiert und mit seiner Angst, nachts allein im Zelt, im Busch ohne Pistole; mit seinem schlechten Gewissen, der kranken Ehefrau im Bayerischen Wald nicht beizustehen; mit weißhäutigen Zeitgenossen, alten Nazis und neuen Herrenmenschen, die ihre Probleme im Alkohol ertränken; mit Straßenhändlern , die mit Ramsch aus Europa die Geschmäcker verderben; mit irischen Missionaren, denen er auf einer Ziehharmonika das Horst-Wessel-Lied vorspielen soll.

Joseph Berlinger folgt Heinz Theuerjahr durch den Osten des Schwarzen Kontinents - anhand von dessen "Tagebuch der ersten Afrikareise1960".


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