Bayern 2 - Land und Leute


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5) Der Handstand-Lucki "Bayerische Charakterköpfe"

21. April 1967. Ludwig Hofmaier, bekannt unter dem Namen "Handstand Lucki", streift sich auf dem Regensburger Domplatz ein Paar Strickhandschuhe über und macht sich auf den Weg nach Rom. Er trägt die Handschuhe nicht etwa, weil es kalt ist, Ludwig Hofmaier hat sich vorgenommen, den Weg von Regensburg nach Rom ausschließlich auf seinen Händen zurückzulegen. Ein kühnes Vorhaben. Entsprechend hat sich ein Heer von Schaulustigen auf dem Domplatz eingefunden. Unter den zahlreichen Kamerateams ist auch ein Team von Universal News, das die Kunde vom Handstand-Lucki bis nach Amerika tragen wird.

Von: Hermann Scherm und Christoph Krix

Stand: 21.08.2016 | Archiv

1967. Vom beschaulichen Regensburg aus stellt ein Mann die natürliche Art der menschlichen Fortbewegung auf den Kopf. Ludwig Hofmaier, Sohn eines armen Schneiders aus Saal a. d. Donau, macht sich auf den Weg nach Rom. Das Außergewöhnliche dabei: er will die 1070 Kilometer vom Regensburger Domplatz über den Brenner bis in den Vatikan ausschließlich auf seinen Händen zurücklegen. 38 Tage soll die Reise dauern. Rund 28 Kilometer pro Tag mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von drei Kilometern pro Stunde. Dabei will Hofmaier jeweils einen Kilometer am Stück zurücklegen, ohne abzusetzen. Mit Pausen will er Rom spätestens nach drei Monaten erreicht haben. Die spektakuläre Aktion befördert den lediglich 1,55 Meter großen Hofmaier direkt - gleichsam im Handumdrehen - in die Schlagzeilen der Weltpresse. Von nun an wird er für alle nur noch "Der Handstand-Lucki" heißen. "Ich war damals öfter in den Zeitungen und Zeitschriften als der Papst", erinnert er sich heute an den Medienrummel von damals.

Es waren 15.000 DM zur Belohnung ausgesetzt

"Handstand-Lucki" Autogrammkarte

Lucki Hofmaier ist entschlossen, die Sache durchzuziehen, schließlich stehen 15.000 DM auf dem Spiel, die ein paar Regensburger Geschäftsleute ausgesetzt haben, wenn er es schafft. Und Lucki Hofmaier, der durch seine Handlauferei auch erfolgreicher Gastronom geworden ist und drei Lokale betreibt, ist überzeugt, dass er das Ding "reißen" kann. Er hat schon immer gerne gespielt und gewettet. Und Verlieren ist seine Sache nicht. Einer seiner Gäste erinnert sich:

"Der hat also leidenschaftlich gern Karten gespielt, das Watten. Er und sein Bruder gegen mich und meine damalige Freundin ... Verlierer haben entweder eine Runde Whisky zahlen müssen, oder aber einen Fünfer. Da hat man aufpassen müssen, weil er war irgendwie so ein Zocker, er hat auch schlecht verlieren können und Watten ist ja so ein Kartenspiel, da versuchst du mit allen Tricks den Gegner irgendwie auszuspielen."

(Alois Niklas)

Er hatte schon als Kind große Ambitionen

Schon als kleiner Junge will Lucki Hofmaier hoch hinaus. Das beschauliche Leben in Saal an der Donau, wo er am 8. Dezember 1941 geboren wird, ist ihm nicht genug. Das zeigt er schon als Siebenjähriger. Zum Erstaunen der Nachbarn läuft er auf den Händen über den First des Elternhauses in der Abensbergerstraße 19, in dem sein Vater eine Schneiderei betreibt.

"Mein Vater war Schneidermeister, wir haben damals fünf Leute beschäftigt gehabt. - Maßanzüge machen. Wir waren ja acht Kinder. Wir haben ein Haus baut in Saal an der Donau und haben ein Geschäft gehabt. Des ist gut gegangen, mei des war nach dem Krieg gleich. Bin 41 geboren, dann ist mein Vater von der Gefangenschaft heimgekommen, Schneidermeister war er. Damals hat ein Anzug 150 Mark gekostet, des war viel Arbeit, er hat uns ja ernähren müssen, acht Kinder! Aber des war nichts für mich, weil da muss ich ja immer sitzen, ich hab ja kein Sitzfleisch gehabt. Ich hab dem Vater dann immer ein bissl geholfen, da ein bissl nähen, und da ein bissl, aber des war nichts, mei des wollt ich ned machen."

(Ludwig Hofmaier)

Die Sendung erzählt die Geschichte einer Pilgerreise der besonderen Art. Ludwig Hofmaier schildert seine Erlebnisse und gibt Auskunft über seine Beweggründe. Wie war es möglich, diese immense Strecke ausschließlich auf Händen zurückzulegen? Und warum ausgerechnet Rom? Was hat ihn angetrieben? Sieht er sich als Vorläufer der Extremsportler von heute? Ist er gar ein Felix Baumgartner der Landstraße? Oder ging es ihm nur um den Spaß an der Freud?


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