Bayern 2 - Land und Leute


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Gunther Plüschow Mit dem "Silberkondor" über Feuerland

Justina Schreiber erinnert an den aus München stammenden Gunther Plüschow, den berühmten "Flieger von Tsingtau". Im November 1928 überflog er als erster Mensch Feuerland. Mit seinen Dokumentationen machte er die atemberaubenden Gletscherwelten Argentiniens und Chiles bekannt.

Von: Justina Schreiber

Stand: 02.08.2015 | Archiv

"D-1313 TSINGTAU", Flugzeug von Gunter Plüschow bei seiner Feuerland-Expedition (1928) | Bild: Eberhard Baeumerth

"Umkehren gibt es bei mir nicht, nun Zähne zusammengebissen und durch!"

(Gunther Plüschow)

Absturz wegen eines technischen Defekts

Im eisigen Rico-See zu Füßen des Gletschers Perito Moreno endete sein letzter Flug. Gunther Plüschow ertrank am 28. Januar 1931, als sein "Silberkondor" wegen eines technischen Defektes abstürzte. Der 1886 geborene Münchner, der mit 10 Jahren als Kadett in den Dienst der Kaiserlichen Flotte eintrat, hatte ein abenteuerliches Leben hinter sich.

"Die Abenteuer des Fliegers von Tsingtau"

Zunächst Leutnant auf einem Kriegsschiff kam Gunther Plüschow nach seiner Ausbildung zum Militärflieger in die deutsche Festung Tsingtau nach China. Wie er sich dort heldenhaft bewährte und mit einer halsbrecherischen Flucht über Japan, USA, Gibraltar und Holland das eigene Leben rettete, erzählte er in seinem 1916 veröffentlichten Buch "Die Abenteuer des Fliegers von Tsingtau".

Kriegsgefangenschaft nach der Flucht

Gunther Plüschow (1928)

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges war Gunther Plüschow eine aberwitzige Flucht aus China gelungen. Sie lieferte die steile Vorlage für sein weiteres Leben. In der deutschen Kolonie Kiautschou stationiert und dort als einziger Pilot für Aufklärungsflüge zuständig, flog der Soldat damals mit einer "Taube" der Firma Rumpler aus dem belagerten Tsingtau, kurz bevor die Japaner die Stadt einnahmen. Unter falschem Namen kam er per Zug und Schiff über Shanghai, San Francisco und New York bis nach Gibraltar, wo er dann allerdings für einige Monate in englische Kriegsgefangenschaft geriet.
Plüschow konnte aus dem Gefangenenlager Donington Hall in Derbyshire glücklich entkommen. Unter großen Strapazen ging es weiter als blinder Passagier, von London nach Holland und dann heim ins Kaiserreich, wo man über das Heldenstück des 29-jährigen Soldaten jubelte. Der „Flieger von Tsingtau“ war geboren: ein berühmter Mann.

"Es wäre eine Schande, eine glatte moralische Niederlage, wenn ich die Waffen streckte nur um des lumpigen Geldes willen!"

(Gunther Plüschow)

1928 überflog Plüschow als erster Mensch Feuerland

Eine der letzten Aufnahmen von Gunther Plüschow (1931)

Nach dem Ersten Weltkrieg schlug sich Plüschow zunächst als Kinoansager, Autoverkäufer und Handelsmatrose durch. Doch mit Hilfe von Spendengeldern konnte er einen Segelkutter und ein Wasserflugzeug erwerben, um sich einen Traum zu verwirklichen: den äußersten Süden der Anden zu erkunden. Im November 1928 überflog Plüschow als erster Mensch Feuerland. Die Einheimischen feierten ihn wie einen Helden. Mit Fotos, Dokumentar-Filmen und dem 1929 veröffentlichten Buch "Silberkondor über Feuerland" machte er die atemberaubenden Gletscherwelten Argentiniens und Chiles bekannt.

Buchtipp:

Silberkondor über Feuerland:
Mit Segelkutter und Flugzeug ins Reich meiner Träume


  • Autor: Gunther Plüschow
  • Gebundene Ausgabe: 254 Seiten
  • Verlag: Mittler & Sohn; Auflage: 1 (27. August 2007)
  • ISBN-10: 381320877X
  • ISBN-13: 978-3813208771

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