Bayern 2 - Land und Leute


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Gregor Dorfmeister Autor des Antikriegsromans "Die Brücke"

Thomas Grasberger hat Gregor Dorfmeister in Bad Tölz besucht und hat mit ihm über Gott und die Welt, über den Krieg und den Frieden - und natürlich auch über "Die Brücke" gesprochen.

Von: Thomas Grasberger

Stand: 22.01.2017 | Archiv

Szene aus Bernhard Wickies Romanverfilmung "Die Brücke" (1959) | Bild: picture-alliance/KPA

"Die Waffe fiel einem deutschen Soldaten am 2. Mai 1945, abends um 17.20 Uhr, aus der Hand, rutschte zwischen Brückenkante und Geländer durch, blieb mit dem Magazin an der Kante hängen und pendelte hin und her. Ungefähr eine Sekunde lang. Dann sackte der Soldat in sich zusammen und stieß im Fallen das Gewehr endgültig in die Tiefe. Der Soldat hatte genau einen Monat früher seinen sechzehnten Geburtstag gefeiert, und als er in sich zusammensackte, bewegten sich seine Lippen, als wollten sie die Worte eines Gebetes formen. Ich wusste, dass ich ihn und die anderen nicht vergessen würde."

(Aus 'Die Brücke' von Manfred Gregor (Gregor Dorfmeister), cbt Verlag, 2007)

"Über den Sport haben sie uns erwischt"

Verhetzt und verheizt wurden sie, die jungen Männer, die in den letzten Kriegstagen 1945 zum Volkssturm einberufen und in einen sinnlosen Krieg geschickt wurden. Einer von ihnen war der Gymnasiast Gregor Dorfmeister. Aufgewachsen in einem katholischen Elternhaus in Bad Tölz, war er von der Ideologie des Nationalsozialismus nur wenig infiziert. "Aber über den Sport haben sie uns erwischt", sagt der heute 87-Jährige.

SS-Junkerschule in Bad Tölz

Historische Aufnahme der SS-Junkerschule in Bad Tölz

Reiten, Boxen und Fechten lernten die Buben damals in der Tölzer SS-Junkerschule. Und als es dann ernst wurde, kam auch das Schießen mit der Panzerfaust hinzu. Denn die amerikanischen Panzer waren bereits im Anmarsch. Im Frühjahr 1945 wurde Dorfmeister einberufen, um an den letzten Kämpfen in seiner Heimat teilzunehmen. Anders als viele seiner jungen Kameraden überlebte er.

Dorfmeisters Erstlingswerk "Die Brücke" wurde zum Bestseller

Gregor Dorfmeister mit seinem Roman "Die Brücke" (2004)

Beim Verarbeiten der grauenvollen Bilder half ihm nach dem Krieg das Schreiben. Als Journalist beim Münchner Merkur, aber bald auch als Romanautor. Unter dem Pseudonym Manfred Gregor wurde Gregor Dorfmeister schnell bekannt; vor allem mit seinem stark autobiografischen Erstlingswerk "Die Brücke", in dem er den sinnlosen Volkssturm-Einsatz von sieben Sechzehnjährigen beschreibt. Das Buch wurde zum Bestseller:  die gleichnamige Verfilmung durch Bernhard Wicki ist bis heute ein Klassiker unter den internationalen Antikriegsfilmen. Dorfmeister schrieb zwei weitere Romane und arbeitete neben seiner journalistischen Tätigkeit jahrzehntelang mit und für Behinderte. Seine schönste Arbeit, wie er sagt. Heute lebt er – hochbetagt, aber geistig sehr fit – im Ruhestand in Bad Tölz.

Buchtipp:

"Die Brücke"

  • Autor: Manfred Gregor (Gregor Dorfmeister)
  • Taschenbuch: 224 Seiten
  • Verlag: cbt (5. März 2007)
  • ISBN-10: 3570303616
  • ISBN-13: 978-3570303610

DVD-Tipp:

"Die Brücke"

  • Regisseur: Bernhard Wicki
  • Darsteller: Volker Bohnet, Fritz Wepper, Michael Hinz, Volker Lechtenbrink, Cordula Trantow
  • Komponist: Hans-Martin Majewski
  • Studio: STUDIOCANAL
  • Produktionsjahr: 1959

"Die Brücke" - eine Spurensuche in Cham

Gratulation:

Thomas Grasberger

An dieser Stelle gratulieren wir dem Autor unserer Sendung zum "Ernst-Hoferichter-Preis 2017" – und zitieren aus der Begründung der Jury:

"Thomas Grasberger ist ein vielseitiger Autor und Journalist, mit weitem Horizont und eigenwilligem Zugriff auf seine Sujets, witzig und humorvoll, gründlich und hintergründig. Drei Kriterien muss ein Ernst-Hoferichter-Preisträger erfüllen: Originalität, Weltoffenheit und Humor. Thomas Grasberger, befindet der Stiftungsbeirat, besteht die Prüfung in jeder Hinsicht bravourös."


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