Bayern 2 - Land und Leute


10

Graphitabbau in Niederbayern Schwarzes Gold und Mikroelektronik

In Kropfmühl im Landkreis Passau befindet sich das einzige Graphitbergwerk Deutschlands. Sieben Jahre war es stillgelegt, wurde dann im Juni 2012 wieder in Betrieb genommen - ein auf der ganzen Welt äußerst seltenes Ereignis. Weil das einzigartige Material in der Mikroelektronik einen Boom erlebt, explodierten die Rohstoffpreise in China, Ceylon oder Simbabwe gleichsam über Nacht. Damit lohnt sich auch der Abbau in Niederbayern wieder. - Ulrich Zwack schildert die überraschend vielen Facetten des begehrten Materials Graphit.

Von: Ulrich Zwack

Stand: 25.05.2014 | Archiv

Der Abbau von Graphit in einem Bergwerk in Kropfmühl (Niederbayern) | Bild: picture-alliance/dpa

In Kropfmühl im Landkreis Passau steht das einzige Graphitbergwerk Deutschlands. Sieben Jahre war es stillgelegt. Im Juni 2012 lief die Produktion wieder an - ein Ereignis, das auf der ganzen Welt nur äußerst selten vorkommt. Anlass war der "Graphit-Rush", ausgelöst von Lithium-Ionen-Akkus: Sie befinden sich in Notebooks und I-Pads, leichten Akkuschraubern und Elektroautos. Die negativen Elektroden dieser Akkus bestehen aus Graphit, der auch in modernen Dämmstoffen enthalten ist. Die riesige Nachfrage ließ den Rohstoffpreis in China, Ceylon oder Simbabwe gleichsam über Nacht explodieren, so dass sich jetzt auch der Abbau in Niederbayern wieder rentiert.

"Die Entstehung von Graphit, das war hier in unserer Gegend ein flaches Meer. Und auf diesem flachen Meer waren große Algenkolonien. Und die Algen ham aus der Luft, aus dem Wasser Kohlenstoff aufgenommen. Sind dann irgendwann abgestorben und zum Meeresgrund abgesunken. Das war vor 600 Millionen Jahren. Vor 300 Millionen Jahren dann, da ist der Meeresgrund a Stück ins Erdinnere abgesunken. So 5000, 6000 Meter. Und da unten erst, bei der großen Hitze und bei dem enormen Druck, der da herrschte, da entstand aus den Algen der Graphit. Bissl später dann, wie unsere Berge hier entstanden sind, wurde des Ganze wieder nach oben gedrückt und dabei sehr verfaltet. Und so können wir Graphit nicht in den großen Vorkommen finden, wie Kohle oder Salz. Graphit müssen wir immer suchen. Und des Suchen machen wir hier mit Kernbohrmaschinen."

(Erich Lang)

Graphit zum Schreiben

Graphit ist einzigartig: Schon die Kelten verwendeten das Material bei der Herstellung feuerfester Keramik. 1565 entdeckten englische Schäfer ein anthrazitglänzendes Mineral, das zum Zeichnen und Schreiben gut geeignet war. Man hielt es für Bleiglanz, nannte den Graphitstift fälschlicherweise Bleistift. Graphit: dieser Name leitet sich von "Graphein" ab, dem griechischen Wort für Schreiben.

Ein kristalliner Kohlenstoff mit phänomenalen Eigenschaften

Außengebäude und ein Förderturm der Graphit Kropfmühl AG in Niederbayern | Bild: picture-alliance/dpa

Die Graphit Kropfmühl AG in Niederbayern

Erst Ende des 18. Jahrhunderts erkannte ein schwedischer Chemiker die wahre Natur des Rohstoffs. Er ist wie Diamant ein kristalliner Kohlenstoff mit phänomenalen Eigenschaften, "schwarzes Gold". Auf den Feldern zwischen Hauzenberg und Untergriesbach schürften und gruben Bauern mit ihren Knechten nach Graphit. Viele wurden bald so reich, dass der Millionenbauer zum festen Begriff wurde. An mehreren Orten begann der industrielle Abbau. Geblieben ist nur das Bergwerk in Kropfmühl.

Etliche Graphitbauern ließen ihren Reichtum sauber raushängen

Der Graphitabbau orientierte sich streng am bäuerlichen Jahreskreis. Im Frühling, Sommer und Herbst ging man der Feldarbeit nach. Im Winter mussten Knechte und Taglöhner Graphit fördern. Die Bauern selber beteiligten sich daran nicht, sondern strichen nur den Gewinn ein. So mancher wurde darüber im wahrsten Sinn des Wortes steinreich. Nicht umsonst nannte man die Graphitgrubenbesitzer Millionenbauern.

Es ist nicht bekannt, wann genau dieser Ausdruck "Millionenbauern" aufkam. Darum gibt es dafür auch eine zweite Deutung. Ihr zufolge handelt es sich beim Millionenbauern eher um einen Spottnamen, den Neider den reichen Grubenbesitzern im Inflationsjahr 1923 andichteten - als die Graphitlieferungen ständig steigende Millionenbeträge einbrachten, die jedoch schon am Folgetag nichts mehr wert waren.


10