Bayern 2 - Land und Leute


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Der Sammelwüterich Wie Hermann Göring seine Kunstschätze anhäufte

Der Fall Gurlitt hat die fragwürdigen Grundlagen des Handels mit Kunst während der NS-Zeit einmal mehr deutlich gemacht. Zahlreiche Werke der umfangreichen Kunstsammlung von Göring etwa gehörten ursprünglich jüdischen Sammlern. Doch die Suche nach den ehemaligen Besitzern und deren Erben ist ein schwieriges Unterfangen. Auch für bayerische Museen. - Ulrich Trebbin erzählt die Geschichte des Kunsträubers und Sammelwüterichs Hermann Göring.

Von: Ulrich Trebbin

Stand: 09.06.2014 | Archiv

Hermann Göring | Bild: picture-alliance/dpa

"Ich besitze heute bereits durch Kauf und Tausch vielleicht die bedeutendste Privatsammlung zumindest in Deutschland, wenn nicht in Europa. Es handelt sich hier vor allem um die Werke, die ich unter dem Begriff früh-nordische Meister zusammenfasse, d.h. also, die früh-deutschen, die frühen Niederländer und Flamen, die Werke aus der französischen Gotik, und zwar sowohl um Bilder wie um Skulpturen. Eine sehr umfangreiche und hochwertige Sammlung der Holländer aus dem 17. Jahrhundert. Eine verhältnismässig kleine, aber sehr gute Sammlung Franzosen aus dem 18. Jahrhundert. Und schliesslich eine Sammlung italienischer Meister."

(Hermann Göring, 1940)

Göring lieferte sich einen Sammlerwettstreit mit Hitler

Hermann Göring war ein besessener Kunstsammler: Teppiche, Gemälde, Skulpturen und Möbel raffte er zusammen und lieferte sich einen Sammlerwettstreit mit Adolf Hitler. Allerdings war genau ausgemacht, was Göring sammeln durfte und was der "Führer". Görings "Liebling" war der Maler Lucas Cranach. Auch Franz Marcs berühmter "Turm der blauen Pferde" oder Vincent van Goghs "Zugbrücke" waren in seinem Besitz. Daneben auch Bilder von Renoir oder Vermeer. Seine Leidenschaft aber galt dem Mittelalter und der Renaissance. Einen Großteil der gekauften, erpressten oder geraubten Kunstschätze schaffte Göring auf seine Landsitze und Schlösser in Berchtesgaden, Ostpreußen, Österreich und Franken oder zu seinem Jagdschloss Carinhall in der Schorfheide nördlich von Berlin. Sein Vorhaben, dort eine "Norddeutsche Galerie" zu eröffnen, blieb unausgeführt.

Provenienzforscher auf der Suche nach den rechtmäßigen Erben

Zwei Posthäuser an der Zufahrt zu Görings ehemaligem Landsitz Carinhall

Als die Front näher rückte, ließ Göring Carinhall sprengen und verfrachtete große Teile der Sammlung in Güterzüge, um sie nach Berchtesgaden zu transportieren. Dort fanden amerikanische Soldaten die Züge - zum Teil schon ausgeplündert. Vieles wurde damals zurückgegeben, vieles liegt aber noch immer in den Magazinen auch bayerischer Museen. Die durchforsten deshalb seit einigen Jahren die Herkunft ihrer Bestände. Allein das Bayerische Nationalmuseum hat 400 Werke aus der Sammlung Göring in seinem Besitz; derzeit läuft dort ein Auftrag zur Provenienzforschung. Da vieles wohl einmal jüdischen Menschen gehört hat, versuchen die Provenienzforscher die Erben ausfindig zu machen und die Kunstwerke zurückzugeben. Das Deutsche Historische Museum in Berlin hat vor kurzem eine Bilderdatenbank von Görings Kunstsammlung ins Netz gestellt.

Rückgabe von Tiepolos "Bildnis eines bärtigen Mannes"

Charlene von Saher bei der Rückgabe von Tiepolos "Bildnis eines bärtigen Mannes"

Charlene von Saher, Enkeltochter des holländischen Kunsthändlers Jacques Goudstikker, steht im Braunschweiger Herzog-Anton-Ulrich-Museum neben dem "Bildnis eines bärtigen Mannes" von Giovanni Domenico Tiepolo aus dem 18. Jahrhundert. Das von den Nazis erbeutete Bild wurde vom Land Niedersachsen an die rechtmäßigen, jüdischen Erben zurückgegeben. Goudstikker war 1940 auf der Flucht vor den Deutschen ums Leben gekommen. Reichsmarschall Hermann Göring hatte die umfangreiche Sammlung des Juden an sich gebracht. Ein Teil der Sammlung, so auch das "Bildnis eines bärtigen Mannes", wurde 1943 auf einer Auktion veräußert.

Rückgabe eines mittelalterlichen Kreuzganges an Frankreich

Steine eines mittelalterlichen französischen Kreuzgangs, ehemals in Görings Besitz

Ein Arbeiter eines Transportunternehmens wickelt im Nürnberger "Bärenhof", Steine eines mittelalterlichen französischen Kreuzgangs zum Abtransport ein. Der 33 Tonnen schwere Kreuzgang, bestehend aus 400 Marmorteilen auf insgesamt 55 Paletten, verlässt Nürnberg und geht in die französische Heimat zurück. Die Architekturteile erwarb der Reichsmarschall Hermann Göring während der Besetzung Frankreichs von einem französischen Kunsthändler. Seit 1973 befand sich der Kreuzgang im Besitz des Germanischen Nationalmuseums und wird als sogenannte Beutekunst zurückgegeben.


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