Bayern 2 - Land und Leute


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Gernstl in Amerika Eine Spurensuche mit Achim Bogdahn

Gernstl unterwegs - diesmal in Amerika. Dort haben der Filmer und sein Team bayerische Auswanderer gesucht und gefunden: Ziri Rideau aus München zum Beispiel, die als "Hebamme für Sterbende" ihren Lebenssinn gefunden hat.

Von: Heidi Wolf

Stand: 24.12.2016 | Archiv

Ziri gründete das erste alternative Bestattungsunternehmen in den USA

Ziri Rideau: "In Bayern könnte ich in meinem Beruf so nicht rumlaufen."

Ziri sieht aus wie ein älter gewordenes Hippie-Mädchen: Schmuck auf der Stirn, bunte Steine in den Dreadlocks, knallbunte Kleider. Vor 20 Jahren ist die ehemalige Kriegsberichterstatterin nach Los Angeles ausgewandert. Sie hatte in ihrer Tasche zwei Stifte mit der Aufschrift gefunden: "For postcards from L.A." Ziri  buchte ein One-Way-Ticket und gründete das erste alternative Bestattungsunternehmen in den USA. Franz X. Gernstl fuhr mit ihr auf das Meer hinaus, um dort die Asche eines toten Inders zu verstreuen. Das war ein Erlebnis, das der Filmemacher dem Bayern2-Moderator Achim Bogdahn für die Sendung "Land und Leute" am Heiligen Abend schilderte

Interview bei "Gernstl zu Hause"

Gernstl zu Gast in Santa Maria, Kalifornien, bei Familie Killer und einem "Santa Maria Tri Tip"

Das Interview über die Erlebnisse und Erfahrungen des Fernsehmanns und seines Teams auf der Tour durch Amerika fand Anfang Dezember 2016 bei "Gernstl zu Hause" statt. Er hatte in seine Wohnung in Schwabing eingeladen. Dort kochte er einen Braten nach, den er auf der Suche nach bayerischen Auswanderern in den kalifornischen Bergen genossen hatte. Michaela Killer, die aus Straßlach bei München stammt und einen Amerikaner geheiratet hat, hatte ihm in der neuen Heimat ein "Santa Maria Tri Tip", ein dreieckiges Stück Rindfleisch von der Lende serviert, das zuvor zwei Stunden auf dem Holzofengrill vor sich hin gebrutzelt hatte.

"Santa Maria Tri Tip" à la Gernstl

Gernstl und Achim Bogdahn schieben den Braten ins Rohr

Franz X. Gernstl schob ein gutes Stück Fleisch - für den Interview-Abend extra importiert aus den USA - in den Backofen, wo es langsam schmorte. Für den Fernsehreporter und für Interviewer Achim Bogdahn eine gute Gelegenheit, über "Gernstl in Amerika" zu reden. Die preisgekrönte Reisereportagen-Serie "Gernstl unterwegs", die der Filmemacher  1983 begonnen hat, führte ihn, seinen Kameramann H. P. Fischer und Tonmann Stefan Ravasz diesmal nach Los Angeles, San Francisco und New York. Sie wollten wissen, was die Auslandsbayern angetrieben hat, ihr Leben umzukrempeln und Neues zu wagen. So wie die Bauschreinerin Jenny Pfister aus Schweinfurt, die heute auf einem Hausboot im Hafen von Sausolito wohnt.

Amerikanisch kochen bei Gernstl dahoam

"Ich höre eine bayerische Blasmusik und kriege sofort Gänsehaut!"

Oder Alexander von Bubenheim aus dem Münchner Stadtteil Schwabing, der als Werbekönig in München erfolgreich war und inzwischen den Amis bayerische Songs beibringt. Als Franz X. Gernstl die Frage nach dem Heimweh stellt, bricht es aus seinem Gesprächspartner heraus: "Ich höre eine bayerische Blasmusik und kriege sofort Gänsehaut." Und dann offenbart er auch seinen allerletzten Wunsch: Er hat eine bayerische Sinfonie komponiert, die er zusammen mit den Münchner Symphonikern auf dem Königsplatz in München aufführen will: "Dann kannst mich einschaufeln!" Spannend sind auch die Geschichten des Allgäuers Daniel Knapp, Betriebsdirektor an der renommierten Oper in San Francisco, der 1 800 Dollar Monatsmiete für ein WG-Zimmer zahlt, oder von Esther Nio, die im Silicon Valley eine deutsche Bäckerei betreibt. In ihrem kleinen Biergarten hat Mark Zuckerberg den 19-Milliarden-Dollar-Deal mit WhatsApp abgeschlossen.

"Wenn du irgendwo nicht hingehörst, dann gehörst du hierher"

Der Gitarrist Peter Knoll aus Niederbayern

Wie schwer ist es, sich Tausende Kilometer von daheim neu einzurichten, sich mit Mentalitäten und Gepflogenheiten des Gastlandes auseinanderzusetzen? Der amerikanische Traum - wie weit sind Erwartungen und Wirklichkeit davon entfernt? Franz X. Gernstl fragte immer wieder nach, bekam die unterschiedlichsten Antworten. Den Gitarristen Peter Knoll aus der Passauer Gegend zieht es immer wieder zurück in sein Heimatdorf. Dort steigt er gleich auf den Traktor, den er von seinem Großvater geerbt hat, um immer wieder festzustellen: "Wenn ich den Diesel rieche beim Anlassen, dann ist das Heimat für mich." Für die Deutsch-Türkin Ayten Farell ist dagegen New York Heimat. Sie betreibt in Harlem einen eigenen Friseursalon und ist überzeugt: "Wenn du irgendwo nicht hingehörst, dann gehörst du hierher. New York ist the home of homeless."

Eine Reise zurück in die Vergangenheit

Das Filmteam am Strand von Venice. Franz X. Gernstl und Kamermann H. P. Fischer waren vor 35 Jahren schon einmal da.

Für Franz X. Gernstl und seinen Freund H. P. Fischer war die Reise in die USA auch eine Reise zurück in die eigene Vergangenheit: Vor 35 Jahren träumten auch sie den amerikanischen Traum, wollten in Kalifornien eine bayerische Wurstbude eröffnen, große Filme drehen oder New York mit Leberkäsbuden überziehen. Aber sie haben den Sprung über den Atlantik dann doch nicht gewagt. Ob sie es bereuen, will Achim Bogdahn wissen, der - auch als Tramper auf den Spuren Jack Kerouacs - schon öfters in den USA unterwegs war und von dem Land fasziniert ist. Die Frage bleibt offen – vielleicht, weil der Braten gerade fertig geworden ist und wunderbar schmeckt.

Spurensuche nach bayerischen Auswanderern in Radio und Fernsehen

"Wo sind die Bayern? "Gernstl in Amerika" in der Sendereihe "Land und Leute" am Heiligen Abend ist der radiophone Beitrag zu den drei Fernsehgeschichten Gernstl in Los Angeles, in San Francisco und in New York, die das Bayerische Fernsehen am 25., 26. und 27. Dezember 2016 jeweils um 18.45 Uhr im Bayerischen Fernsehen ausstrahlt.


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